Dem Geist des Weines auf der Spur

Der Wein weiß Geschichten zu erzählen: Davon überzeugten sich die Teilnehmer einer Weinprobe in Birkenfeld, bei der Rieslingweine von der Mosel verkostet wurden und gar von Goethes Sturmnacht in Traben-Trarbach berichtet wurde.

Birkenfeld/Traben-Trarbach. (red) Zu einer Reise in die biblische Welt des Weines in Form einer biblischen Weinprobe - kommentiert von Johannes Werling, einem katholischen Theologen und Winzer aus Traben-Trarbach - hatten die Evangelische Kirchengemeinde Birkenfeld und die Katholische Pfarrgemeinde St. Jakobus Birkenfeld eingeladen. Pfarrer Christian Justen begrüßte dazu rund 80 Gäste in der Birkenfelder Evangelischen Kirche - darunter auch eine kleine Gruppe, die eigens von der Mittelmosel angereist war, um den Abend mitzuerleben.

Dass bei der Probe ausschließlich Rieslingweine von der Mosel zur Verkostung kamen, hatte nicht zuletzt einen historischen Hintergrund: Über Jahrhunderte gehörte das Birkenfelder Land zur Hinteren Grafschaft Sponheim. Wenn auf der Birkenfelder Burg gefeiert wurde, dann kam der Wein in der Regel fuderweise aus dem Sponheimischen Oberamt Trarbach.

Weine erinnern an historische Ereignisse



Insgesamt 13 Weine kamen zur Verkostung, die aus den besten Lagen der Mittelmosel stammten: etwa aus dem Trarbacher Hühnerberg, dem Trabener Würzgarten, dem Enkircher Steffensberg oder der Wolfer Goldgrube.

Auch an so manches historisches Ereignis erinnerten die Weine. So trägt etwa die Trarbacher "Sturmnacht 1792" ihren Namen zur Erinnerung an jene Nacht, in der Goethe während eines Sturmes beinahe mit einem Schiff in der Mosel untergegangen wäre und nur mit Not bei Trarbach an Land gelangte. Und unterhalb des "Trabener Zollturms" soll einst Gräfin Loretta den Trierer Erzbischof Balduin gekidnappt haben, wobei auch ein "Bertram von Feckweiler" beteiligt war.

Davon, dass die Weine aus durchweg hervorragenden Weingütern stammten, überzeugten sich die Gäste mit ihren eigenen Gaumen. Kenntnisreich, unterhaltsam und humorvoll führte Werling seine Zuhörer durch die Probe. Nicht nur über den Wein in der Bibel und den jeweiligen Wein im Glas wusste er zu berichten, sondern auch davon, wie in der Kirchengeschichte der Wein immer wieder zum Thema wurde. So zitierte er etwa Martin Luther, der bei aller Wertschätzung des Weines den "Sauf" für den "deutschen Teufel" hielt, oder den Mainzer Weihbischof Heimes, der sich in einer berühmten, von Goethe überlieferten Predigt gerühmt haben soll, acht Maß (16 Flaschen) Wein trinken zu können, ohne betrunken zu sein.

Abgerundet wurde die Weinprobe von der Musik der beiden Birkenfelder Kantoren Barbara Prinz und Volker Schöpfer, die auf der Walcker-Orgel heitere Stücke aus vier Jahrhunderten zu Gehör brachten.