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"Dem Vertragsweinbau gehört die Zukunft"

"Dem Vertragsweinbau gehört die Zukunft"

ZELL. (hu) Um sich in der Breite und nicht nur in der Qualitätsspitze noch besser im Wettbewerb behaupten zu können , führt an Kooperationen kein Weg vorbei. Die Weinkellerei Zimmerman-Graeff & Müller (ZGM) nimmt seit einigen Jahren in ihrer Kelterstation in Zell auf privatwirtschaftlicher Basis Trauben auf.

Die Vorteile des Vertragsweinanbaus, die Firmenchef Johannes Hübinger von der Weinkellerei ZGM auf der Winzerversammlung in der Zeller Stadthalle definierte, fand sowohl bei den zahlreichen Ehrengästen als auch innerhalb der stark vertretenen Winzerschaft breite Zustimmung. Winzer und Weinkellerei arbeiten in einem Traubenabnahmemodell vertrauensvoll zusammen. Der Winzer bebaut fachmännisch seine Weinberge und liefert gesundes Lesegut - in einem neuen Büttensystem - an der Kelterstation Lothar Bremm im Altlayer Bachtal ab. Von dort übernimmt qualifiziertes Personal der Kellerei den Ausbau von Most zu Wein mit modernster Technik. Die Winzer haben einen jährlichen Vertrag mit der Kelterstation, den sie zum 30. April des Folgejahres kündigen können, sofern sie keine Trauben mehr abliefern wollen. Die Vorteile für den Winzer liegen klar auf der Hand: Er bebaut die Weinberge, hat aber keine Aufwendungen für Kelterung und Lagerhaltung - und überdies die langfristige Vermarktung seiner gelieferten Moste gesichert. Der Winzer hat fortan mehr Zeit, sich dem Weinbau zu widmen. Hier kann er unter Anlegung weiterer Weinbergsflächen seinen Maschinenpark noch besser ausnutzen. "Eines unserer wichtigsten Ziele ist die langfristige Einkommenssicherung für die Winzer und die Erhaltung der Kulturlandschaft. Wir möchten einen professionellen Weinanbau", betonte Hübinger mit Blick auf die zunehmenden Stilllegungen. Allein in den Großlagen "Zeller Grafschaft", "Zeller Schwarze Katz" und "Reiler vom heißen Stein" sind die bebauten Rebflächen innerhalb eines Jahres um bis zu 20 Hektar zurückgegangen. Von ehemals über 500 Hektar Rebflächen in der Großlage "Zeller Schwarze Katz" werden heute nur noch 340 Hektar bebaut. Entsprechend rückläufig sind daher auch die Erntemengen. Wurden 2003 noch 3,7 Millionen Liter "Zeller Schwarze Katz" bei der Landwirtschaftskammer angestellt, so waren es in 2004 nur noch 2,9 Millionen Liter. "Die Groß- und Einzellagen haben an Bedeutung abgenommen. Alles läuft auf Rebsorte hinaus. Dies ist für den Konsumenten wesentlich verständlicher. Der Kunde möchte eine personifizierte Produktgruppe", erklärte Johannes Hübinger und stellte der Versammlung die eigens für die Mosel neu geschaffenen Marken, einen "Rudolf Müller Müller Thurgau", "Rudolf Müller Riesling Classic" und einen "Rudolf Müller Five Star Riesling", der auf Weinmessen in London, Bordeaux und Düsseldorf präsentiert wird, vor. Wie im vergangenen Jahr bietet die Kellerei auch für diesen Herbst wieder einen Festpreis für die "Zeller Schwarze Katz". Unter Berücksichtigung des Qualitätsaufschlags erhält der Winzer einen Festpreis von eintausend Euro pro Fuder. Für die Moste aus der "Zeller Grafschaft" und "Reiler vom heißen Stein" werden je nach Rebsorte zwischen 775 und 825 Euro je Fuder geboten. "Sowohl der Winzer als auch wir müssen immer selbstständige Unternehmer bleiben. Beide Seiten müssen dabei ihr eigenes Risiko übernehmen. Der Winzer ist für ein qualitativ hochwertiges Traubengut und wir für den Ausbau des Mostes und die Vermarktung verantwortlich", sagte der Chef eines auf 85,1 Millionen Liter Umsatz und 214 Mitarbeiter expandierenden Unternehmens. "Dem Vertragsweinbau gehört die Zukunft, hier liegen noch ungenutzte Potentiale brach", betonte Hübinger zum Schluss und appellierte an alle Winzer, nicht unter Preis zu verkaufen - "ansonsten torpedieren sie unser eigenes Konzept."