Dem Wild die gute Stube nehmen

Heute beginnt in Wehlen die Jagd auf Wildschweine. Spaziergänger sollten in den nächsten Tagen das Areal zwischen der Gebrannten Mauerstraße und der Feldstraße meiden.

Bernkastel-Kues/Wehlen Wildschweine stürmen die Kleinstadt Heide in Schleswig-Holstein. Ein Keiler läuft in die Sparkasse, ein anderer in eine Bäckerei. Es gibt Verletzte, letztlich muss die Polizei das Tier erschießen. Diese Bilder gingen erst vor wenigen Tagen durch die Republik. Immer häufiger dringen Wildschweine in bewohnte Gebiete ein. Auch an der Mosel gibt es dieses Problem, wenngleich es noch nicht so extrem ist wie im Norden.
So verwüsteten Wildschweine im Sommer den Garten von Rita und Peter Busch in Wehlen. Dort standen sie damals sogar schon vor der dem geöffneten Wohnzimmerfenster. Weder Maschendrahtzaun, helle Beleuchtung in der Nacht, lautes Radio oder zur Abschreckung verteilte Hundehaare haben damals die Wildschweine davon abgehalten, sich dem Ort zu nähern. Auch weitere Anwohner berichteten damals von ähnlichen Vorfällen (der TV berichtete am 10. August).
Das Areal, in dem die Wildschweine leben, hat Jagdpächter Thomas Schwarz inzwischen ausfindig gemacht. Durch den Bau der Umgehungsstraße wurden etwa fünf Hektar Streuobstwiesen vom Rest der Fläche abgeschnitten. Dieser Bereich sei stark verbuscht. Die Brombeerhecken stünden dort bis zu drei Meter hoch und würden einen idealen Lebensraum für Wildschweine bieten. "Dieser Bereich wird ab heute gemulcht, um den Wildschweinen ihr Rückzugsgebiet zu entziehen", sagt Ortsvorsteherin Gertrud Weydert. Konkret geht es um den Bereich zwischen den Straßen Gebrannten Mauerstraße und der Feldstraße. Thomas Schwarz ergänzt: "Es ist sehr wichtig, dass diese Hecken verschwinden, damit wir die Wildschweine schießen können. Das wird einige Tage dauern und in enger Abstimmung mit dem Unternehmen gemacht, das das Areal mulchen wird. Wir entziehen den Wildschweinen sozusagen ihr Wohnzimmer." Das Gebiet wird deshalb mit Trassierband abgesperrt, auf der L 47 soll das Tempolimit herabgesetzt werden.
"Ich kann nur davor warnen, dieses Gebiet in den nächsten Tagen zu betreten", sagt Weydert. Sie bittet auch die Einwohner im Dorf um Vorsicht. "Wir wissen nicht, wohin die Wildschweine laufen, wenn sie aufgescheucht werden, es kann sein, dass sie ins Dorf laufen, weil das der einzige Ausweg aus dem Gebiet ist." Bürgermeister Wolfgang Port begrüßt die Maßnahme. "Das muss jetzt mal in dem Gebiet gemacht werden, damit die Schweine sich dort nicht weiter verstecken können."Extra: TIPPS FÜR SPAZIERGÄNGER


Wildschweine vermehren sich seit einigen Jahren im gesamten Bundesgebiet überdurchschnittlich stark. Das hat mehrere Ursachen. In manchen Gebieten liegt es auch am Maisanbau, der Wildschweinen viel Nahrung bietet. Im vergangenen Jahr gab es zudem viele Eicheln, die Wildschweine ebenfalls gerne fressen. Hinzu kommen milde Winter, die viele Tiere überleben. Wenn man einem Wildschwein begegnet gilt es unbedingt, die Ruhe zu bewahren. Auch das Wildschwein erschreckt sich, wenn es einem Menschen begegnet. Deshalb sollte man sich ihm auf keinen Fall in den Weg stellen, sondern sich hinter einem Stein oder einer Hecke verstecken, ruhig bleiben und auf keinen Fall das Tier scheuchen oder laut rufen.

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