Den Alltag leichter machen

Der Alltag ist für viele geistig oder schwer körperlich Behinderte immer wieder eine Herausforderung. Dem abhelfen und entgegenwirken möchte der neue Fachdienst "Ambulante Assistenz", den der Verein "Sozial-therapeutische Projekte" in Morbach, Thalfang und Umgebung anbietet.

Morbach. Der Fachdienst "Ambulante Assistenz" in Morbach setzt sich dafür ein, dass Behinderte weitestgehend selbstständig leben können. Dabei handle es sich um eine Form der sogenannten "aufsuchenden Hilfe", die dem Klienten das höchstmögliche Maß an Selbstbestimmung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen soll, so Christoph Petry (Foto: Privat), Leiter der ambulanten Assistenz.
Bei der "aufsuchenden Hilfe" gehen Therapeuten und Pflegepersonal zu ihren Patienten und besuchen sie in ihrer Wohnumgebung. "Wir unterstützen den Klienten im Sinne einer Eingliederungshilfe in allen Bereichen des täglichen Lebens, ohne ihn aus dem vertrauten Wohnumfeld zu reißen", sagt Petry.
Dabei umfassen die Leistungen des Fachdienstes nicht nur die Grundversorgung, sondern auch Hilfe bei der Haushaltsführung, beim Aufbau und Erhalt sozialer Kontakte, dem Umgang mit Geld, Behörden und persönlicher Krisen. So wird bei der Wohnungssuche unterstützt, bei der emotionalen Entwicklung und auch bei der Wahrnehmung von Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten.
Die Versorgung der Klienten übernimmt bisher der Leiter selbst, doch wird in den nächsten Wochen ein Erziehungswissenschaftler sein Team verstärken. Sowohl der Träger als auch die Mitarbeiter orientieren sich in ihrer Arbeit an den 2006 verabschiedeten Grundsätzen der UN-Behindertenrechtskonvention: "Das heißt für uns, dass Respekt, Nichtdiskriminierung und Chancengleichheit als Leitbild im Umgang mit den Menschen dienen", erklärt Petry.
Zwar bietet der Verein "Sozial-therapeutische Projekte" (STP) schon seit vielen Jahren auch eine ambulante Versorgung an, doch aufgrund des steigenden Bedarfs entschied man sich 2013 zum Ausbau eines eigenständigen Fachdienstes. Drei Klienten nähmen zurzeit die ambulante Assistenz in Anspruch und weitere Anfragen seien in Bearbeitung, so Petry.
Der Träger bezweckt unter anderem die Förderung von Projekten und Unternehmen, die der Idee der Gleichberechtigung und der Teilhabe aller Menschen entsprechen. Insgesamt acht Mitarbeiter des Vereins, darunter sozialpädagogische Hilfskräfte, ein Erziehungswissenschaftler und eine Heilerziehungspflegerin übernehmen die Betreuung erwachsener Menschen mit Behinderungen, die zum selbstbestimmten Leben auf Unterstützung angewiesen sind.
Neben der "Ambulanten Assistenz" betreibt der Verein STP außerdem die Einrichtung für ambulantes Wohnen "Wohnen auf der Dörrwiese".
Extra

Der eingetragene Verein "Sozial-Therapeutische Projekte" (STP) wurde 1983 als Verein "Dörrwies" gegründet. Das Ziel des Vereins ist, Menschen mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen zu unterstützen, zu beraten und ihnen "die Teilnahme am Leben in der Gesellschaft" zu ermöglichen. Hierfür wurden Wohnformen und Tätigkeitsfelder für Erwachsene mit vorwiegend mentalen oder Mehrfachbehinderungen entwickelt. Außerdem gibt es Arbeits trainings, Freizeitbegleitung und Fahrdienste. Der Verein finanziert sich aus Pflegesätzen betreuter Personen, Spenden von Freunden oder Eltern sowie Eigenleistungen der Mitarbeiter wie Gehaltsverzicht oder Geldspenden.