Den Römern ganz nah

HECKENMÜNSTER. Kleines Dorf, große Pläne: Im Rahmen des Projekts "Straße der Römer" sollen in Heckenmünster die Grundmauern des gallo-römischen Quellheiligtums Wallenborn aufgemauert werden. Am Dorfeingang soll ein Brunnen entstehen, der das Thema aufgreift.

Heckenmünster, 215 nach Christus. Die Schwefelquelle brodelt. Drumherum herrscht geschäftiges Treiben. Kranke machen sich auf den Weg in die Heiltherme zur Trink- und Badekur, andere schreiten zum Gebet in einem der drei Tempel. Im Theater werden kultische Spiele für den Abend vorbereitet. So ähnlich könnte es ausgesehen haben damals bei Heckenmünster am Wallenborn. Bis ins vierte Jahrhundert nach Christus wurde dort ein für die Region ungewöhnliches Quellheiligtum genutzt, dessen Anfänge bis ins erste Jahrhundert nach Christus zurückreichen. Heute lässt sich das antike Treiben kaum noch erahnen. Das Rheinische Landesmuseum in Trier hatte die Überreste der Anlage vor einigen Jahrzehnten zwar schon einmal ausgegraben und untersucht, dann aber zur Konservierung wieder zugeschüttet.Bürgermeister erfreut über unerwartete Zusage

Nun soll das Quellheiligtum, das wenige Hundert Meter vom Dorf entfernt im Wald liegt, wieder auferstehen. Zumindest ein bisschen. Im Rahmen des Projekts "Straße der Römer" sollen die Überreste der Grundmauern freigelegt, konserviert und ein Stück weit aufgemauert werden. 100 römische Sehenswürdigkeiten in der Region sollen zur Trierer Konstantin-Ausstellung 2007 als "Straße der Römer" zu einem Archäologiepark zusammenfasst werden. In Heckenmünster wird das 75 mal 33 Meter große Quellheiligtum begehbar gemacht, Infotafeln und Broschüren werden über die Geschichte informieren. Eventuell soll auch ein Massivmodell im Maßstab 1:100 ausgestellt werden. Der Gemeinderat Heckemünster hat sich mit vier zu zwei Stimmen für das von Land und EU geförderte 75 500 Euro-Projekt ausgesprochen. Und das ist nicht alles, was der Rat kürzlich beschlossen hat: Der Wittlicher Bildhauer Sebastian Langner soll für den Dorfeingang einen Brunnen fertigen, der das Thema Quellheiligtum aufgreift. Ortsbürgermeister Birger Führ, der das Bewusstsein für die eigene Geschichte gerne fördern möchte, gefällt's. "Über die Entscheidung des Rats freue ich mich. Das ist eine Sache, die die Gemeinde freiwillig macht, das hätte ich nicht erwartet." Führ ist nicht der einzige, der sich freut. Karl-Josef Gilles vom Rheinischen Landesmuseum sagt zu dem Projekt: "Die dargestellten Grundrisse des Quellheiligtums werden eine wesentliche Bereicherung zu den derzeit sichtbaren römischen Denkmälern bilden. Bisher sind im Trierer Land nur zwei Tempelanlagen zu besichtigen: zwei rekonstruierte Tempel in Tavern und Grundrisse in Pelm bei Gerolstein." Zur Bedeutung der gallo-römischen Anlage meint Gilles: "Das Quellheiligtum war mit seinen schwefelhaltigen Quellen für das Trevererland schon außergewöhnlich. Die Zahl der Nebengebäude und die Herberge lassen vermuten, dass das Heiligtum sehr stark von Genesung suchenden Menschen frequentiert war." Das einzige andere Quellheiligtum, das ihm bekannt sei, habe sich in Hochscheid befunden. Wie das 4:2-Ergebnis des Gemeinderats zeigt, sind jedoch nicht alle Lokalpolitiker überzeugt von dem Projekt, das die Fremdenverkehrsinfrastruktur aufbessern soll. Die Skepsis führt der Ortsbürgermeister darauf zurück, dass es in Heckenmünster nichts gibt, wo das Geld hängen bleiben könnte. Das Dorf mit den rund 140 Einwohnern verfügt weder über eine Kneipe noch einen Laden. Doch das muss nicht so bleiben. Sowohl Führ wie VG-Bürgermeister Christoph Holkenbrink äußerten die Hoffnung, dass sich in dieser Richtung etwas entwickele, sei es nur ein Kiosk.