Den Ruf ruinieren und abkassieren

Dieser Tage fiel mein Blick auf die Anzeige eines Discounters. Und ich musste zweimal hinschauen, denn ich traute zunächst meinen Augen nicht. Im Angebot ist dort eine Beerenauslese Rheinhessen/Pfalz, 0,5-Liter, für 2,59 Euro und ein Dornfelder Rheinhessen, 0,75-Liter, für 1,59 Euro.

Das ist eine Schande für die deutsche Weinwirtschaft und ein Schlag ins Gesicht für Moselwinzer, die zumeist in Steillagen ihre Weine erzeugen. Wie ist das möglich?

Rheinhessen und Pfalz: Diese beiden großen Weinbaugebiete umfassen mehr als die Hälfte aller 13 deutschen Anbaugebiete. Und in Rheinhessen und der Pfalz produzieren viele Fassweinerzeuger sehr kostengünstig in der Ebene in zumeist geringen Lagen riesige Mengen Wein. Diese Winzer produzieren,wer sollte es ihnen verübeln, das, was am meisten Geld bringt. Vor Jahren war es der Dornfelder, jetzt ist es der Riesling. Vielleicht sind es morgen Runkelrüben oder Kohlköpfe.

Der Preis für den Dornfelder, siehe das Angebot des Discounters, ist inzwischen am Boden. Jetzt wird offenbar mit dem Riesling das nächste Produkt so lange ausgesaugt, bis es ebenfalls ruiniert ist. Und die Kellereien - die meisten sind an der Mosel ansässig - spielen das Spiel mit und befördern es auch noch. Hauptsache ein schnelles Geschäft gemacht.

2,59 Euro für eine Beerenauslese! Die rheinhessischen und Pfälzer Bauern produzieren zurzeit Riesling so viel wie es geht. Wenn sie merken, dass ihr Mengenkontingent überschritten wird, lassen sie andere Sorten verfaulen, bis die Mostgewichte Beerenauslese-Werte haben. Und fahren dann mit dem Vollernter durch die Zeilen. Beim Eiswein ist es genauso. Auch diese Weine, die eigentlich eine absolute Rarität sein sollten, werden von rheinhessischen und Pfälzer Winzern zu schamlos niedrigen Preisen verramscht. Das ist im übrigen alles völlig legal, weil unser Wein-Bezeichnungsrecht dies alles zulässt.

Eine Änderung des Bezeichungsrechtes durch die Brüsseler Weinmarktordnung könnte diesem Treiben einen Riegel vorschieben - im Sinne der Moselwinzer. Dann nämlich, wenn geschützte Ursprungsbezeichnungen geschaffen werden. Aber: Ob die Rheinhessen und Pfälzer und vor allem die Kellereien da mitspielen, darf bezweifelt werden.

w.simon@volksfreund.de