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Bildung: Den Ruhestand will sie noch üben

Bildung : Den Ruhestand will sie noch üben

Die dienstälteste Schulleiterin Wittlichs, Rosemarie Bölinger, geht in Pension. Sie war seit dem Jahr 2002 an der Schule tätig.

Ein schwarzes Mercedes Cabriolet steht gleich neben der Eingangstür der Clara-Viebig-Realschule plus. Im Flur hört man im Verwaltungsbereich das leise Klackern von hochhackigen Schuhen und eine gutgelaunte Stimme, die aus dem Schulleiterbüro kommt. So war viele Jahre der Alltag, wenn die Schulleiterin Rosemarie Bölinger ihrer Arbeit nachging. Nach den Ferien wird das anders sein, denn sie geht in Ruhestand und wird am 27. Juni verabschiedet.

Seit 2002 ist sie an der Schule tätig, die wie sie selbst sagt, „alles anbietet, was die rheinland-pfälzische Schullandschaft zu bieten hat.“ Dazu gehört, dass sie Schwerpunktschule ist, das heißt, dass alle Kinder diese Schule besuchen können, die eine Benachteiligung haben, sei es körperlich, geistig oder sozial. Es ist eine Ganztagsschule, eine Sprachförderschule. Und man kann dort sowohl mit der Berufsreife, als auch mit der Sekundarstufe I abschließen.

Als Rosemarie Bölinger an die Schule kam, hatte diese noch zwei Standorte, einen in Wittlich und einen in Wengerohr – und drei Schulsysteme. „Das war nicht ganz einfach, alles zusammenzubringen, die auslaufende Hauptschule Sehlemet, die Modellversuchsschule und die Duale Oberschule.“ Jetzt ist sie Realschule plus, und die große Berufsorientierung aus den zehn Jahren Modellversuch sind geblieben.

Sehr stolz ist die Schulleiterin auf die Leistung ihrer Schule während der Flüchtlingskrise 2015. Sie sagt: „Das war schon super, was wir da gestemmt haben. Aus dem Stand heraus haben wir eine Riesenwelle von 140 Kindern aufgenommen, die nahezu keine Deutschkenntnisse hatten.“ Weiter sagt sie: „Wenn man dann sieht, dass die Kinder ihren Weg machen, den Realschulabschluss schaffen und eine Ausbildung, das ist schon toll.“

Die Arbeit macht Rosemarie Bölinger, die selbst Deutsch und Geschichte unterrichtet, bis heute Freude. „Schon als Kind war mir klar, dass ich Lehrerin werden will. Und damals hieß es schon: ‚Fang du schon mal an, den Kleinen das zu erklären.’“ Ihre positive, dynamische und ausdauernde Art erklärt sie so: „Ich denke, dass ist eine positive Grundeinstellung. Ich versuche Ruhe in Gespräche zu bringen. Und Humor hilft ungemein, damit man sich im Schulalltag nicht aufreibt.“

Da kann es schon mal sein, dass sie vor Unterrichtsbeginn ins Lehrerzimmer geht, auffällig auf die Uhr schaut und meint: „Ach schon so spät und so wenige Lehrer da, wie sollen wir denn da unsere Klassen unterrichten?“ Am nächsten Tag sind die Kollegen dann eher da. „So eine kleine humorvolle Spitze, die muss manchmal sein“, erklärt sie lächelnd. Wichtig ist ihr, dass sie sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer ein offenes Ohr hat.

Sie kennt fast alle Schüler mit Namen, und weiß sie zuzuordnen. Sie hat auch keine Berührungsängste, wenn sie sie beispielsweise in der Stadt oder im Schwimmbad trifft. „Wenn ich einen rauchend in der Stadt sehe, dann schreie ich auch mal. Ansonsten sagen sie mir höflich ,Guten Tag’, und das ist dann auch in Ordnung so“, berichtet sie. Als gelungen sieht sie ihre Arbeit an, wenn die Schüler in der Schule auch ein Stück Heimat finden, dort ankommen und Vertrauen fassen.

Wirklich ärgerlich findet sie es, wenn Eltern ihre Kinder eine Schule „ausprobieren“ lassen, die eigentlich nicht ihren Fähigkeiten entspricht. „Dann versucht man, mit Nachhilfe und Drohungen die Leistungen zu steigern. Und wenn nichts mehr geht, kommen sie zu uns, haben kein Selbstwertgefühl mehr und keine Lust auf Schule. Das ist sehr schade“, schildert sie. Besonderes hat sie im Ruhestand nicht vor, sie hält es in diesem Fall mit Loriot: „Entschuldigung, das ist mein erster Ruhestand. Ich übe noch.“ Sie wird weiterhin ihren Hobbys – Sport, schnelle Cabriolets  fahren und schicke Schuhe tragen – nachgehen. An der Schule wird sie den Kollegen fehlen, wegen ihres freundlichen, verantwortungsvollen Umgangs und ihrer Herzlichkeit. „Sie hat immer eine offene Tür, ist nahbar und ein toller Teampartner“, da sind sich Melanie Schmitt, die sie, solange die Rektorenstelle nicht besetzt ist, vertreten wird und Dorothee Reis, Lehrerin an der Schule, einig. Und das Klackern der Schuhe im Flur wird ebenfalls noch lange in den Köpfen der Schüler und Lehrer nachhallen.