Den sprichwörtlichen "Plan in der Tasch’" haben? Das war einmal!

Den sprichwörtlichen "Plan in der Tasch’" haben? Das war einmal!

Ob der alte Stadtplan ausstirbt? Nun für Wittlich passte er bislang auf Papier in jede Hosentasche. Doch diese Zeiten sind vorbei, längst gibt’s ja Google Maps und Navis. Auf der städtischen Homepage kann man sich auch neuerdings zusätzlich online orientieren. Das zeitgemäße Angebot, das auf die Stadt maßgeschneidert sein will, hat seine Tücken.

Wittlich. Wittlich hat's: einen neuen, digitalen Stadtplan, der interaktiv sein soll und auf den jeder mit Smartphone und sonstigem Computer Zugriff haben kann. "Aufgrund seiner Gestaltung ist er ein Begleiter für Ortsfremde und die Bewohner der Stadt. Der Zugang ist für die Nutzer kostenfrei", soweit die Ankündigung.
Doch beim Blick auf die Neuheit kann man einige Merkwürdigkeiten entdecken.
Der Durchbruch fehlt


So fehlt tatsächlich der Durchbruch: Ein Projekt, das alte Mauern mitten in der Stadt eingerissen hat und für das man die extra großen Spendierhosen angezogen hatte. Die Verbindungsspanne schlechthin, sprich die Passage zwischen Neustraße und Altneugasse. Die darf doch auf einem neuen Stadtplan nicht fehlen, oder? Doch wer auf dem Angebot, das unter <%LINK auto="true" href="http://www.wittlich.de" text="www.wittlich.de" class="more"%> gleich auf der Startseite steht, nachschaut, wird vom städtebaulichen Durchbruch nichts entdecken: Neustraße? Ja, die gibt es. Altneugasse? Ebenso. Passage? Nein.
Zur Erinnerung: Vor vier Jahren wurde das Dauerbaustellenprojekt, geliebt von Stadtpolitik und manchem Kopf in der Verwaltung, endlich abgeschlossen.
Luftbild ohne Eventum


Damals wurden folgende Kosten genannt: 17 000 Euro für die Lichtstele, 42 000 Euro für die Passage, 112 000 Euro für die Platzgestaltung, 255 000 Euro für den Abriss von Gebäuden, 330 000 Euro für den Immobilienerwerb und 169 000 Euro für sonstige Kosten wie Erschließung. Falls ein Ortsunkundiger - und wer eigentlich sonst - dieses Millionenprojekt auf der Karte suchen würde, er wäre verloren.
Aber es gibt ja nicht nur den Stadtplan ohne Passage sondern auch einen Pfeil, der zu einem Luftbild führt.
Das allerdings stammt offensichtlich noch aus der Vor-Passagen-Bauphase: Der auch "Altstadt - die neue"-getaufte Bereich ist auf dem erscheinenden Foto noch dem Erdboden gleich. Das ist nicht aktuell sondern mehr als fünf Jahre her. Auch das Eventum, Wittlichs Großsporthalle mit Mehrzwecknutzung, existiert aus der angebotenen Vogelperspektive noch nicht und ist noch ein Sportplatz.
Also wird am besten etwas gesucht, nachdem sich vielleicht ein Ortsfremder erkundigt. Vielleicht das, was die Wittlicher Zob nennen? Also den Zentralen Omnibusparkplatz, Haltestelle aller Busse? Fehlanzeige, sie gibt es für die angebotene Suchfunktion, in die man Wünsche tippen kann, offensichtlich nicht.
Wer sich mit Symbolen auskennt, könnte aber dank eines stilisierten schwarzen Busses oder Zugs, eines von vielen nicht immer eindeutigen Symbolen auf dem Plan, drauf kommen. Nur gezielt suchen, braucht er eben nicht.
Kirmes neben Bürgermeister


Eine weitere Kartenebene benennt immerhin Einiges per Symbol, was man in der Innenstadt so finden kann. Zum Beispiel als blauen Punkt, in dem ein weißes Quadrat liegt. Was man damit wohl kennzeichnen könnte? Richtig! Die Säubrennerkirmes! Sie findet man übrigens nicht auf dem Marktplatz sondern auf dem (nicht benannten) Viehmarkt. Dort hat die "Säubrennerkirmes" noch einen Nachbarn, den Caritasverband. Ein paar Zentimeter weiter liegt, nein, nicht das Stadthaus oder die Stadtverwaltung, sondern als brauner Punkt mit einer Art weißem Pavillon darin "Bürgermeister Joachim Rodenkirch". Das ist sicher auch sehr interessant für Ortsunkundige, hierzulande genannt "Freemen".
Symbol für Ex-Läden


Die werden manch ein Wunder erleben, zum Beispiel wenn sie das gekennzeichnete Pfaff-Nähzentrum aufsuchen, was aber längst geschlossen hat. Es ist übrigens symbolisiert als brauner Punkt mit weißem Quadrat, genauso ist rätselhafterweise auch der VdK Kreisverband gekennzeichnet. Der residiert aber nicht am Schlossplatz sondern in der Beethovenstraße. Sowieso. Dieser braune Punkt mit weißem Quadrat darin ist etwas Besonderes: Der steht auch für das Weingut Losen-Bockstanz, dabei hat Winzer Axel Mertes einen orange-ocker-Punkt mit einer Art weißem Sektkelch drin wie auch das Weingut Zender-Göhlen, aber der vierte Winzer, Lütticken, taucht erst gar nicht im Plan auf.
Viele, viele Läden kann man eh nicht in der Innenstadt auf der neuen digitalen Übersicht entdecken, vermutlich muss man dafür bezahlen. Womöglich gilt das auch für einen Eintrag unter dem angebotenen Wegweiser "Veranstaltungen". Zugegeben, der Januar ist in Sachen Veranstaltungen nach all den Feiertagen nicht der Kracher, aber wenn sich unter diesem Begriff für ausgehfreudige Menschen nur Altstadtbuchhandlung, Carpe Diem und Kunsmann GmbH findet, muss man sich um das städtische Leben doch ein wenig Sorgen machen.
Und was steht unter "Aktuelles/Aktionen" als Erstes? Etwas mit "A" naturgemäß nämlich: Ambulantes Pflegen zu Hause .. und bei "Z" dann die Visitenkarte eines Zahnarztes! Oje, "Willkommen in Wittlich"! So titelt man jedenfalls über all diesen unerwarteten Informationen. Deshalb schaut man vielleicht einfach mal gleich unter dem ersten angebotenem Oberpunkt, der da schlicht "Stadt Wittlich" heißt, nach. Was da wohl ganz vorne steht? Tja. "Entsorgungs- container"! Wer die tatsächlich auf diesem Wege so dringend sucht, findet den ersten übrigens in Bombogen am Parkplatz Kirche/Kindergarten. Willkommen in Wittlich! sos

Mehr von Volksfreund