Gewerbegebiete: Dennis gegen Goliath

Gewerbegebiete : Dennis gegen Goliath

In Wittlich ist der Markt für Gewerbegrundstücke wie leergefegt. Nun will die Verbandsgemeinde Wittlich-Land mehr Flächen auf den Markt bringen. Doch zuvor muss Bürgermeister Junk die Landesbehörden von seinen Plänen überzeugen.

Während in Wittlich seit geraumer Zeit Goldgräberstimmung herrscht, „haben sich Gewerbeflächen in der VG Wittlich-Land in den letzten Jahren nicht so richtig an den Mann bringen lassen“, sagt Dennis Junk, Bürgermeister der VG Wittlich-Land. Derweil sich Unternehmen um Flächen in Wittlich oder im Industriepark Föhren/Hetzerath rissen, liegt das vor zehn Jahren in Hasborn angelegte Gewerbegebiet mit der Größe von zwei Hektar bis zum heutigen Tag brach. Wie kann das sein?
„Das fängt beim Bäcker an“, erklärt Junk, „denn Unternehmen gehen gerne dort hin, wo bereits andere Betriebe angesiedelt sind.“ Das sehe man am Industriepark Föhren/Hetzerath, wo die Unternehmen netzwerkartig miteinander verbunden seien und arbeiten würden. Außerdem seien zwei Hektar für viele größere Unternehmen, die auf der Suche seien, zu wenig. Dabei interessieren sich aufgrund des Hochmoselübergangs, der die Fahrtzeit zwischen Eifel und Hunsrück enorm verkürzen soll, und der B50neu mehr und mehr Investoren auch für Flächen im Wittlicher Umland. Zumal in der Kreisstadt Wittlich derzeit alle Gewerbeflächen vermarktet sind und die Säubrennerstadt nichts mehr anzubieten hat.

Aufgrund der Presseberichterstattung über den Brückenschlag am Hochmoselübergang und die Infrastrukturprojekte bekomme mittlerweile auch die Verbandsgemeinde Anfragen von Projektentwicklern aus München, Hamburg und dem gesamten Bundesgebiet, erklärt Junk. „Aber die fragen nach großen Flächen von vier Hektar und mehr.“ Doch da liegt das Problem.

Junk: „Denn die Landesentwicklungsplanung will größere Betriebe nur an bestimmten Stellen wie in Wittlich oder im Industriepark sehen.“ Doch mit der Entwicklung der Infrastruktur wie der B50neu, die es vor 10 Jahren noch nicht gegeben habe, sowie des Hochmoselübergangs müsse auch das Land seine Flächenplanung fortschreiben, fordert Junk. „Platten und Altrich haben im Landesentwicklungsplan nur das Attribut Wohnen, nicht Gewerbe.“ Doch spätestens seit der Entwicklung der B50neu sowie dem Ausverkauf des  Gewerbegebiets Wengerohr-Süd seien diese  Standorte entlang der Bundesstraße für Investoren überaus interessant. „Da muss das Land so flexibel sein und seine Planung, die noch aus anderen Jahrzehnten stammt, wo Altrich und Platten noch in der Prärie lagen, kritisch hinterfragen.“ Es sei an der Zeit, sagt Junk, dass bezüglich der VG Wittlich-Land ein  Zielabweichungsverfahren für den Landesentwicklungsplan auf den Weg gebracht wird. Mit dem Segen des Landes könnten dann auch in Altrich, Platten und anderen Orten der Verbandsgemeinde Flächen für Gewerbe und Industrie entstehen. „Landrat Gregor Eibes sieht das genau so. Wir möchten jetzt mit den Landesbehörden ins Gespräch kommen und versuchen, mit positiven Argumenten zu überzeugen.“ Es könne doch auch nicht die Aufgabe des Landes sein, zu sagen, wo sich größere Betriebe ansiedeln sollten und wo nicht, meint Junk. „Wenn ein  Unternehmen nach Hasborn oder Wallscheid möchte, dann sollte das doch möglich sein.“

Planung Aktuell wollen in der Verbandsgemeinde mehrere Orte weitere Gewerbeflächen erschließen. In Landscheid an der A 60 sollen zehn Hektar auf den Markt gebracht werden. „Wir sind im Verfahren, das noch ein Jahr dauern könnte.“ Im Gegensatz zu den meisten anderen Standorten in der VG seien in Landscheid größere Betriebe möglich, sagt Junk. „Aber aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung gibt es dort Restriktionen, so dass dort keine Nachtarbeit im Schichtsystem möglich wäre.“ Auch in Binsfeld spreche man derzeit über eine Erweiterung des Gewerbegebiets. „Für die beiden letzten Grundstücke sind die Verkaufsgespräche so gut wie abgeschlossen.“

Einen Nachschlag soll es auch im Gewerbegebiet Wallscheid/Laufeld/Niederöfflingen entlang der A1 geben.  „Hier wären sechs Hektar möglich. Das liegt direkt an der A1. In einem Jahr könnte es so weit sein.“ Zudem gebe es in Osann-Monzel Planungen, sagt Junk. „Wir müssen nur mit den übergeordneten Behörden ein Ergebnis hinbekommen, dass sich hier auch in Zukunft Betriebe ansiedeln können. Die Landesplanung hinkt hinterher.“

Damit sich in Hasborn größere Betriebe ansiedeln könnten, wäre dort eine Erweiterung des Gewerbegebiets von zwei auf viereinhalb Hektar, für die es Interessenten gebe, notwendig. „Beim Land sieht man das aber kritisch.“

Dabei sei die Entwicklung von Gewerbegebieten nicht nur für die jeweiligen Ortschaften, sondern vielmehr für alle Orte der Verbandsgemeinde von Bedeutung. Die Ansiedlung eines großen Unternehmens in Hasborn an der A1 könnte sich beispielsweise bis nach Schladt auswirken, erklärt Junk. „Man könnte in Hasborn arbeiten und in Schladt inmitten der Natur der schönen Eifel wohnen.“ In zwölf Minuten sei man von dort in Hasborn auf der Arbeit. In dieser Art und Weise habe sich bereits die Entstehung des Industrieparks Region Trier  positiv auf die Entwicklung der Ortschaften in der Umgebung ausgewirkt, sagt Junk, der sich für die Ansiedlung größerer Betriebe in der VG stark machen will.