Der Bus ist abgefahren

BERNKASTEL-WITTLICH. Weil die Zuschüsse für Bahn- und Busunternehmern ab diesem Jahr gekürzt werden sollen, ist mit einer kontinuierlichen Verschlechterung des Linienangebotes zu rechnen. Vor allem Schüler haben davon bereits einen ersten Vorgeschmack bekommen.

Nur wenige Tage, nachdem die Moselbahn Anfang Januar ihren neuen Fahrplan vorgestellt hatte, waren etliche gestrichene Verbindungen wieder aktiviert. Allzu viele Beschwerden, vor allem von Schul- und Schülerseite, waren der Verkehrsgesellschaft ins Haus geflattert. Dennoch muss deren bereitwilliges Nachgeben nicht von Dauer sein. Denn sollten Zählungen belegen, dass nur wenige Fahrgäste bestimmte Busse nutzen, kann das Unternehmen über den Trierer Landesbetrieb Straßen und Verkehr (LSV) deren Einstellung beantragen. Ein Aus, das wegen wechselnder Unterrichtszeiten und geringerer Frequenz vor allem den Schülern drohen könnte, die Nachmittagsunterricht haben.Moselbahn befürchtet sehr hohe Einbußen

Dass das Anbieten solcher Linien spätestens seit dem Jahreswechsel für Betriebe wie die Moselbahn ein Problem ist, hat mit veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen zu tun. Diese landeten Ende 2003 auf dem Tisch von Hans Czasny, dem zuständigen Mann beim LSV, und beinhalten im Rahmen des Haushaltsbegleitgesetzes 2004 eine Kürzung der 45a-Mittel (siehe Kasten). Der Ausgleichsbetrag an die Unternehmen wird 2004 um vier, 2005 um acht und ab 2006 um je zwölf Prozent verringert. Laut Czasny ist diese Änderung auf die Initiative zur Reduzierung von Subventionen der Ministerpräsidenten Roland Koch und Peer Steinbrück zurückzuführen. Was er in diesem Fall aber nicht nachvollziehen kann: "Das sind ja eigentlich keine Zuschüsse, sondern Ausgleichsleistungen." Die Unternehmen müssten ja im Rahmen des Paragraphen 45a Leistungen erbringen. Wofür sie demnächst tief in die Taschen greifen müssen, wie Moselbahn-Geschäftsführer Henrik Behrens erklärt. Für die zwölfprozentige Kürzung ab dem dritten Jahr müssten sie rechnerisch zwei Busse, zwei Fahrer und 50 000 Kilometer pro Jahr einsparen. Rolf Schüller, Geschäftsführer der RMV Koblenz, beziffert die Einbußen als Summe. Die vier Prozent würden das Unternehmen 500 000 Euro kosten, zwölf entsprechend 1,5 Millionen. "Für uns ist das existenziell", gesteht Schüller ein. Kleinere Unternehmen müssten sicher aufgeben. In jedem Fall würde sich die Qualität der Beförderung verschlechtern. Die Leidtragenden dürften die Schüler sein, wie Günter Zimmer von der Kreisverwaltung befürchtet. "Wenn die Kürzungen sich so weiter entwickeln, wird das gravierende Folgen für den ÖPNV haben."Unterschiedlicher Schulschluss

Vor allem an den Nachmittagen, weil nur für die Wenigsten der Unterricht wie im Gymnasium Traben-Trarbach, einer Ganztagsschule, generell nach der neunten Stunde endet. Zu der gesicherten gemeinsamen Heimfahrt meint Claudia Frieser vom Sekretariat: "Das wäre ja sonst zu teuer." Im Cusanus-Gymnasium Wittlich ist, so der stellvertretende Schulleiter Wolfgang Zimmer, meist um 15.30 Uhr, für einige aber erst um halb fünf oder viertel nach fünf, Schluss. Doch kämen alle mit dem Bus nach Hause. Ähnlich im Peter-Wust-Gymnasium, wo mangels Sporträumen der Pflichtunterricht um 18.30 Uhr endet, wovon aber nur ältere, meist motorisierte, Schüler betroffen sind, wie Schulleitervertreter Leo Glesius weiß. Die Nikolaus-von-Kues-Gymnasiasten, Bernkastel-Kues, mussten ihre Heimfahrt dagegen unvermittelt privat organisieren, was sonst nur beim freiwilligen Unterricht ein Muss ist. Laut Schulleiter Dr. Karl-Heinz Musseleck haben die Oberstufenschüler einen Nachmittags-Stundenplan, der allerdings wegen der Option als Ganztagsschule ab kommenden Schuljahr hinfällig sein könnte.