Der Chef am Zapfhahn

WITTLICH. (peg) Eines der großen Wittlicher Originale ist dieser Tage 72 Jahre alt geworden. Wer Jakob Eller schätzt, bringt ihm die Glückwünsche ins Bibpailennest auf die "Schääl Saidt".

Jakob Eller hat es seinerzeit gesehen, das geheimnisvollste Wesen der Säubrennerstadt: die Bibpaile. Es hat wohl damit zu tun, dass die aktiven Sänger der Schääl Saidt, die auf "der aaner Saidt" sowohl von den Kappensitzungen bekannt sind als auch von der Mundartmesse am Fastnachtssamstag, sich diesen Namen gaben. In schillerndem Grün tritt der Chor der "Bibpailen" normalerweise auf. In zivil kamen sie in den vergangenen Tagen gleich zweimal in ihr Nest in die Römerstraße: Zum einen hatte der Eller Jakob zum Helferfest getrommelt, und das lässt sich keiner von der Schääl Saidt entgehen, zum zweiten feierte er seinen 72. Geburtstag. Hundert Leute zwischen sechs und 75 waren da. "Einer muss die Truppe ja zusammen halten", schmunzelt er, nachdem er die erste Schicht am Zapfhahn eigenhändig bewältigt hat. "Den ersten durstigen Schub bediene ich immer selbst. Da bin ich der Chef, weil ich das so gewöhnt bin." Dann setzt er sich zwischen seine Freunde, froh darum, dass er den Gehstock zur Seite legen kann. Denn etwas wacklig ist er inzwischen auf den Beinen. Aber sonst ist er ganz der Alte, nimmt nonchalant das von irgendwo angestimmte "Hoch soll er leben" entgegen, singt beim nächsten Lied lauthals mit und schwingt die Glocke, bevor er das Wort ergreift. Er bedankt sich überschwänglich bei seinen "leewen Laidt vun da Schääler Saidt" für die bei der vergangenen Kirmes geleistete gute Arbeit, bevor er mit seinem Anliegen herausrückt: Die nächste Kirmes kommt bestimmt, und auch dafür brauche er sie wieder, zum gemeinsamen Arbeiten, aber auch zum Spaß haben. Damit eröffnet der Eller Jakob ein reichhaltiges Buffet und gibt das Zepter aus der Hand. Von den großen und kleinen Heldentaten diese Mannes künden handgemalte Bilder und Fotos an den Wänden: Wie er der Chef der Kolpingfamilie war, wie er sich nach einer durchzechten Nacht mit der Schreinerschürze in die Hobelbank einspannte, um nur ja nicht umzufallen, oder wie er kurzerhand den Pflaumenbaum im Hof absägte, weil die zwei Frauen im Haus sich um die besten Früchte stritten: "Da, jetzt könnt ihr euch beide bedienen!" Und was sitzt da auf der Fensterbank? Na klar, eine echte Bibpaile!

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