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der ehemalige Landtagspräsident Hans-Günther Heinz ist Ehrenbürger in Wittlich

Porträt : Ein Leben im Dienste am Bürger

Hans-Günther Heinz hat sein Leben der Politik verschrieben. 35 Jahre lang saß der Wittlicher Ehrenbürger im Stadtrat, 18 Jahre im Landtag, darunter als Vizepräsident. Selbst mit 86 Jahren ist er noch umtriebig. 

Eigentlich wollte Hans-Günther Heinz gar nicht in die Politik, sondern in die Verwaltung. Mit 14 Jahren beginnt er dort in Trier eine Ausbildung. Doch als er drei Jahre später, 1950, fertig ist, gibt es keine Stellen für seinen Jahrgang. Ehemalige Wehrmachts-Offiziere seien in die Verwaltung übernommen worden, sagt Heinz, da habe man erstmal keinen weiteren Nachwuchs gebraucht. Heinz orientiert sich um, besucht eine kaufmännische Schule und findet eine Anstellung in einem Einrichtungshaus in Trier. Anfang der 1950er-Jahre besteht er die Prüfung zum Einzelhandelskaufmann und er hat ein Ziel: sein eigenes Möbelhaus.

Durch eine Umfrage des Einzelhandelsverbandes erfährt er, dass Wittlich ein guter Ort für sein Geschäft sein soll. Er schaut sich dort um. Nicht, dass seine Heimatstadt Trier eine Metropole ist, doch als er auf dem Marktplatz in Wittlich steht, fühlt er sich ein bisschen wie in einem Dorf. Eindruck macht auf ihn aber das Alte Rathaus. Damals schon denkt er sich: „Da wirst Du dich irgendwie betätigen.“ Nach zwei Monaten hat sich Hans-Günther Heinz entschieden. Er nimmt seine Ersparnisse, mietet einen Laden in Wittlich und eröffnet 1953 sein eigenes Einrichtungshaus Möbel Heinz.

Das Geschäft läuft gut. Drei Jahre später muss er bereits in größere Räume umziehen. Ende der 1960er Jahre reichen selbst die nicht mehr. Heinz kauft Land in Wittlich und baut dort auf 1500 Quadratmetern ein neues Möbelhaus. Bis zu zehn  Mitarbeiter wird er dort beschäftigen. Parallel sitzt er bereits seit 1964 im Wittlicher Stadtrat – für die FDP, die zu dem Zeitpunkt dort nicht vertreten war. „Wir kamen mit vier Leuten in den Stadtrat“, sagt Heinz. Er übernimmt den Fraktionsvorsitz und behält dieses Amt 35 Jahre lang inne. In all der Zeit steigt er die Treppen des Rathauses „immer mit Begeisterung hoch“. Vier Bürgermeister erlebt er und gestaltet die Geschicke der Stadt mit, ist etwa beteiligt an der Sanierung der jüdischen Synagoge, der Einrichtung der Fußgängerzone („Da gab es viele Diskussionen mit Anwohnern.“), den Bau des Rommelsbach-Parkplatzes oder den Intercity-Anschluss an Wittlich.

Doch Heinz möchte noch mehr. Er wird Vorsitzender im Kreisverband der FDP in Bernkastel-Wittlich und Eifel-Hunsrück sowie Mitglied im Kreistag und auch Beigeordneter dort. 1977 kommt er in den FDP-Landesvorstand. Dort bereitet er sich auf den nächsten großen Schritt vor: einen Sitz im Landtag von Rheinland-Pfalz. „Mein Slogan war immer, dass ich der Ansprechpartner der Bürger bin und mich für deren Interessen einsetze“, sagt der heute 86-Jährige.

1979 ist es soweit. Heinz wird Abgeordneter im Landtag - acht Jahre später dort sogar Vizepräsident, der er bis zu seiner Pensionierung 2001 bleibt. Danach ist er noch Beauftragter der Landesregierung bei der Societé de l‘Our in Luxemburg. Von Mainz aus wirkt er am Ausbau der Universität Trier mit und an der Entscheidung, dass das Gelände der ehemaligen französischen Kaserne in Trier erschlossen wird.

Nebenbei leitet Heinz immer noch sein Möbelhaus, hat da aber auch viel Unterstützung von seiner Frau. Doch ausgelastet fühlt sich Heinz offenbar nie. Neben all seinen Tätigkeiten übernimmt er etliche weitere Ämter, etwa den Aufsichtsratsvorsitz der Raiffeisenbank Wittlich. Er ist Mitglied im Kuratorium der Krankenhäuser Bernkastel-Kues und Wittlich und Mitglied in den Kuratorien der Universität und der Fachhochschule Trier.

Die Familie, seine Frau und drei Kinder, hat ihn aufgrund seiner Mandate damals oft nur am Wochenende gesehen. Aber er konnte offenbar nicht anders. Die Arbeit war sein Leben und sie ist es noch immer.

Das spürt auch die Stadtverwaltung in Wittlich bis heute. Zwar ist Heinz nicht mehr Ratsmitglied, aber er lässt es sich nicht nehmen, als Bürger an den Sitzungen teilzunehmen. Er lässt sich auch die Protokolle geben und meldet sich bei Fragestunden. Es gibt immer noch viel, das ihn umtreibt: zu hohe Bordsteine, Schwerlastverkehr, der Umleitungen missachtet oder Hochwasserschäden an der Kindertagesstätte am Jahnplatz.

2016 trug der Rommelsbach Hochwasser und überflutete die angrenzende Kita. Etliche Bürger, darunter auch Heinz, kritisierten Planungsfehler. „Ich habe mich im Interesse der Eltern eingesetzt. Diese Schäden hätten nicht eintreten brauchen.“ Die Stadtverwaltung widersprach.

Heinz weiß, dass nicht immer alle dort von seinem Engagement begeistert seien, aber ein Stück weit werden seine Verdienste für Wittlich doch geschätzt. 2004 wurde er zum Ehrenbürger ernannt – nicht die einzige Ehrung, die er erhielt. So bekam Heinz gleich drei Mal das Bundesverdienstkreuz: am Bande, erster Klasse und als großes Verdienstkreuz. Und auch im Nachbarland erhält er die Offiziers-Insignien des luxemburgischen Verdienstordens.

Für Januar hat Hans-Günther Heinz schon etliche Einladungen vorliegen. Etwa als Gast bei der Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille, für die Plenarsitzung aus Anlass des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus und natürlich für den FDP-Neujahrsempfang. „Ich habe keine Freizeit“, sagt der Pensionär. Und das scheint ihm zu gefallen. Wenn er arbeiten kann, scheint er sich lebendig zu fühlen.