Der erste Ruheforst im Landkreis Bernkastel-Wittlich ist  eröffnet. Vier Jahre Entwicklungszeit brauchte das Projekt der Stadt Traben-Trarbach, bis es realisiert wurde. Die Nachfrage ist groß.

Kostenpflichtiger Inhalt: AUS DEM ARCHIV: November 2019 : Der erste Ruhewald im Landkreis

In Traben-Trarbach werden seit zwei Wochen Urnen unter Bäumen bestattet. Vier Jahre Entwicklungszeit brauchte das Projekt der Stadt Traben-Trarbach, bis es realisiert wurde. Die Nachfrage ist groß.

Der Herbstwind weht kräftig und kühl durch die Bäume. Gelb leuchtendes Laub fällt auf den weichen Waldboden: Der Buchen- und Eichenwald  liegt in einem sanften, goldenen Licht. Es ist still im ersten Ruhewald des Landkreises Bernkastel-Wittlich auf einer Anhöhe bei Traben-Trarbach. Nach rund vier Jahren Entwicklungszeit ist der „Ruhewald Hödeshof“, so die offizielle Bezeichnung, in Betrieb genommen worden. Die Friedhofssatzung ist fertig, die Genehmigungsverfahren sind allesamt abgeschlossen.

„Wir hatten seit vergangener Woche bereits zwei Beerdigungen im Ruhewald,“ erzählt Stadtbürgermeister Patrice Langer. Die Nachfrage sei groß, denn solche Einrichtungen seien immer noch selten in Deutschland. So wundert es nicht, dass es jetzt schon nicht nur Anfragen aus dem Landkreis, sondern auch aus benachbarten Bundesländern gibt.

Der Forst am Hödeshof zeichnet sich durch einen weitläufigen Buchen- und Eichenbestand aus. Potenzielle Bestattungsbäume sind mit Plaketten markiert. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Immer mehr Menschen suchen nach einer naturnahen, alternativen Bestattungsform. In der Nähe des Hödeshofes, dem kleinsten Ortsteil von Traben-Trarbach, liegt ein größeres geschlossenes Waldstück, das sich wegen seines etwa 100 Jahre alten Buchen- und Eichenbestandes für diese Nutzung besonders eignet.

Kurt Haag zeigt einen Baum, der als Habitat für den Mittelspecht klassifiziert wurde. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Wie Beigeordneter Kurt Haag erläutert, ist das das ideale Alter für diese Nutzung. Buchen und Eichen müssen etwa 250 Jahre alt sein, bevor sie als  Wertholz gefällt werden können. Genau in diese Zeitlücke passe nun die Nutzung als Ruhewald. Damit könne  eine maximale Lagerzeit von 100 Jahren für Bestattungen gewährleistet werden, die noch in diesem Jahr erfolgen. Die gesetzliche Mindestruhezeit belaufe sich auf 15 Jahre, so dass noch bis in 85 Jahren Bestattungen erfolgen können.

Mit diesen Plaketten werden die Bäume gekennzeichnet. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Haag: „Die Nachfrage ist sehr groß und wir sind damit die ersten im Kreis, die das anbieten.“  Auf 4,5 Hektar Wald sind jetzt 195 Bestattungsbäume eingerichtet, einer davon als Regenbogenbaum für Kinder bis zum ersten Lebensjahr. Für diese Gräber wird keine Gebühr erhoben, die übrigen Ruhestätten kosten einmalig zwischen 600 Euro (Einzelgrab) und 9600 Euro (Familiengrab bis maximal 12 Urnen).

Insgesamt sind so über 2000 Plätze geschaffen worden, an denen Urnen beigesetzt werden können. Haag: „Wir können nochmals um 8,5 Hektar erweitern, diese Reserve ist auch schon genehmigt.“

Im Ruhewald Hoedeshof liegen schon die ersten Urnen. Foto: Hans-Peter Linz. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Viele Interessierte würden sich jetzt schon einen Baum aussuchen wollen, ergänzt Langer. Auch die Umweltbehörde hat bei solch einem Projekt ein Wörtchen mitzureden. Infrage kommende Bestattungsbäume werden dafür genau geprüft.  Manche Bäume wurden etwa als Habitat für den Mittelspecht erfasst. Diese seltenen Vögel nisten in Aushöhlungen in Bäumen. Der Baum bleibt damit geschützt und kann nicht genutzt werden.

Die Stadt Traben-Trarbach hat bei der Erstellung des Baumkatasters für infrage kommende Ruhebäume, der Einrichtung der Homepage und den Genehmigungsfragen die Hilfe der bundesweit tätigen Firma „Unique Forestry and Landuse“ in Freiburg  in Anspruch genommen. Diese Firma hat  sich auf die Vermarktung und Nutzung von Forsten im Auftrag von Kommunen spezialisiert.

„Von dieser Firma haben wir einzelne Dienstleistungen in Form von Modulen eingekauft,“ sagt Langer. Den Parkplatz wiederum habe  die Stadt  in Eigenregie angelegt. Insgesamt seien damit Kosten von annähernd 60 000 Euro entstanden, die aber im laufenden Betrieb wieder schnell aufgefangen werden könnten.   Der Wald hat insgesamt mit der Reserve-Fläche eine Fläche von 13 Hektar, die in fünf Sektoren aufgeteilt ist. Pro Sektor werden zirka 250 Bäume ausgewiesen, an denen bis zu zwölf Urnen beigesetzt werden können – insgesamt sind das 15 000 Bestattungsplätze.

Für Interessierte ist am  17. November   in der Zeit von 14.30 bis 16.30 Uhr eine Info-Veranstaltung vor Ort am Hödeshof in Traben-Trarbach.

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