Der gebürtige Moselaner John J. Grebe (1900-1984) war ein bedeutender Pionier auf dem Gebiet der physikalischen und nuklearen Chemie.

Geschichte : Der „Ideenmann“ aus Ürzig

Der gebürtige Moselaner John J. Grebe war ein bedeutender Pionier auf dem Gebiet der physikalischen und nuklearen Chemie. Der Wissenschaftler ist in Fachkreisen bekannt als Entwickler innovativer Kunststoffe wie Polystyrol und Saran.

Im Zeitraum 1816 bis 1914 siedelten rund 5,5 Millionen Deutsche in die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) über, um sich im sogenannten „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ eine bessere Zukunft aufzubauen. Zu den damaligen Auswanderern gehörte auch der gebürtige Moselaner John J. Grebe (Hans Josef Grebe), der Deutschland vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges als 14-jähriger Schüler verließ. In seiner neuen Wahlheimat sollte der spätere US-Bürger eine beachtliche wissenschaftliche Karriere beim einflussreichen Chemiekonzern Dow Chemical machen.

John J. Grebe kam am 1. Februar 1900 als Sohn des Ehepaars Carl und Gertrude Grebe, geborene Erbes, im Weinort Ürzig auf die Welt. Nach seinem Umzug in die USA lebte er zunächst in der Metropole Cleveland im Nordosten des Bundesstaats Ohio. Dort besuchte der Wahl­amerikaner die East Technical High School, wo er seinen Schulabschluss als „class valedictorian“ (Schüler mit dem besten Notendurchschnitt) machte. Anschließend studierte er Physik am Case Institute of Technology (heutige Case Western Research University, Cleveland). Im Jahre 1924 wurde Grebe unmittelbar nach Erhalt seines Bachelor of Science von der Firma Dow Chemical eingestellt.

Im Rahmen seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für das Unternehmen leitete der begabte Wissenschaftler ein von ihm gegründetes, firmeninternes Forschungslabor (Dow Physical Research Laboratory). Dort schufen Grebe und seine Mitarbeiter eine Reihe wichtiger Neuentwicklungen von Kunststoffen, darunter die heute allgemein gebräuchlichen Produkte Polystyrol-Schaumstoff (Markenname Styrofoam) und Polyvinylidenchlorid (PVDC, Handelsname Saran). Zu seinen größten beruflichen Erfolgen zählen außerdem ein von ihm perfektioniertes Verfahren zur Gewinnung von Brom und Magnesium aus Meerwasser sowie die Entwicklung eines synthetischen Kautschuks. Dieser erwies sich für die Streitkräfte der USA im Zweiten Weltkrieg als besonders nützlich. Der vielseitige Physiker hielt insgesamt 64 Patente in den Bereichen Elektrochemie, Energieerzeugung, Synthese organischer Verbindungen und Klimatisierung. Für seine hervorragenden beruflichen Leistungen wurde der von seinen Kollegen als Genie oder „Idea-Man“ (Ideenmann) bezeichnete Forscher im Jahre 1943 als jüngster Empfänger der Chemical Industry Medal ausgezeichnet. 1946 erhielt er zudem den J.W. Hyatt Award für seine Arbeiten zur Polymerisation und Herstellung von reinem Styrol.

Damals arbeitete Grebe mit dem Oak Ridge National Laboratory (ORNL) zusammen, das die Anwendung von Kernenergie in der Industrie erforschte. Darüber hinaus war der Deutsch-Amerikaner im Sommer 1946 als Beobachter an den Atomtests auf dem Bikini-Atoll („Operation Crossroads“) beteiligt. Im Rahmen seiner militärischen Aufträge diente Grebe in den Jahren 1948/1949 auch als technischer Chefberater des Chemical Corps der US-Armee. Des Weiteren konstruierte er Atomreaktoren für Militär-Unterseeboote.

Im Alter von 65 Jahren zog sich der begabte Erfinder aus dem Berufsleben zurück und ließ sich in Sun City (Arizona) nieder, wo er sich für ökologische Projekte engagierte. Als Anhänger des Kreationismus (Schöpfungsglauben) und Mitglied des Gründerteams der Creation Research Society („Gesellschaft zur Schöpfungsforschung“) protestierte Grebe seinerzeit gegen „die schreckliche Verschwendung des menschlichen Erbes auf Erden“. Im Frühjahr 1984 verstarb der talentierte Wissenschaftler im Alter von 84 Jahren in Arizona.
Ein Freund äußerte sich einst über ihn und dessen weltanschauliche Haltung mit folgenden Worten: „(…) Seine Prophezeiungen in der Welt der Wissenschaft sind Realität geworden. Dr. John Joseph Grebe bleibt jedoch ein bescheidener Mann Gottes, unberührt und unbeeinflusst. Er bemüht sich darum, diese Welt als besseren Ort für diejenigen zu hinterlassen, die ihm nachfolgen.“

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