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"Der Gestank beißt in der Nase": Urin-Geruch auf Lastwagen-Parkplatz im Wittlicher Industriegebiet II stört weiter Brummifahrer und Passanten

"Der Gestank beißt in der Nase": Urin-Geruch auf Lastwagen-Parkplatz im Wittlicher Industriegebiet II stört weiter Brummifahrer und Passanten

Wenn die Sonne auf das Wittlicher Industriegebiet II scheint, umweht den städtischen Lastwagen-Parkplatz vor dem Dunlop-Werk ein beißender Gestank. Da dort eine öffentliche Toilette fehlt, verrichten viele Brummifahrer ihre Notdurft zwischen den Lastwagen. Der Missstand ist bekannt (der TV berichtete). Die Stadt sieht trotz mehrfacher Beschwerden keinen Handlungsbedarf.

Wittlich. Nachmittags, 15 Uhr, auf dem städtischen Lastwagen-Parkplatz im Wittlicher Industriegebiet II: Ein Maschinenführer des angrenzenden Goodyear-Dunlop-Werks hat sich Zeit genommen, um seiner Wut über die hygienischen Missstände auf dem öffentlichen Parkplatz Luft zu verschaffen: "Jeden Tag gehe ich wie viele andere Leute zu Fuß über diesen Parkplatz. Es stinkt. Zudem parken die Lastwagen hier den Gehweg zu, was zu gefährlichen Situationen führt." Während der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, spricht, tritt 50 Meter entfernt ein Brummifahrer an den Metallzaun. "Da, sehen Sie!" Jemand mit weißem Schnäuzer erleichtert sich ungeniert am Rande des Parkplatzes und schlendert dann, während er sich den Hosenstall zuknüpft, wieder zu seinem Brummi. Darauf angesprochen antwortet der Wildpinkler: "Wo soll ich denn hingehen?" Wie viele andere Brummifahrer weiß er nicht, dass die Firma Goodyear-Dunlop allen Fernfahrern, die dort parken, anbietet, die werkseigenen sanitären Anlagen zu benutzen. Doch auf ein Schild, das auf die Toilette aufmerksam macht, verzichtet das Werk bewusst. "Es wird niemand abgewiesen. Aber da das eine freiwillige Leistung ist und wir dazu nicht verpflichtet sind, machen wir auch keine Werbung dafür", sagt Gabriele Velte, Pressesprecherin der Goodyear-Dunlop-Gruppe.
Brummifahrer Robert Schulz aus Friedewald (Hessen) rangiert seinen Fünfachser auf einen 20 Meter langen Parkstreifen auf dem Lastwagen-Parkplatz mit 23 Stellplätzen. Nachdem er seine Ladung in Ürzig an der Mosel abgeliefert hat, wird er in Wittlich zwischen anderen Brummis in der Fahrerkabine seines Trucks pausieren. "Unten an der Mosel gibt es keine Stellplätze. Und auf den Autobahnparkplätzen findet man auch nur schwer einen Parkplatz", weiß Schulz. Deshalb hat er das Wittlicher Industriegebiet angesteuert. Elf Stunden Lenk- und Ruhezeiten verbringt er dort mit Schlafen, Zeitunglesen, Zigarettenrauchen, Essen und Trinken. "Wenn ich auf Toilette muss, gehe ich zum Supermarkt nebenan. Aber viele Kollegen steigen aus ihrer Fahrerkabine und pinkeln zwischen die Lastwagen", weiß Schulz. "Das stinkt bestialisch und beißt in der Nase - besonders im Sommer, wenn die Sonne darauf scheint." Die hygienischen Zustände auf dem Lastwagenparkplatz stinken auch den Brummifahrern, die dort Rast halten, gewaltig (Der TV berichtete).
Denn eine öffentliche Toilette sucht man auf dem Parkplatz in der Justus-von-Liebig-Straße vergeblich. Neben Schulz hat es sich Brummifahrer Markus Turmbrink (38) aus Münster in seiner Fahrerkabine, die er mit Gardinen verdunkelt hat, gemütlich gemacht. "Ich liefere zu Goodyear-Dunlop und stehe jeden zweiten Tag hier auf dem Parkplatz", sagt Turmbrink. "Normalerweise gibt es auf Lastwagen--Parkplätzen Toiletten - nur hier nicht. Aber Platz wäre ja genug", sagt Turmbrink und zeigt auf das angrenzende Gebüsch, das vielen Brummifahrern als eine Art Natur-Toilette dient.
"Ich gehe im Werk auf die Toilette", sagt Turmbrink. "Aber ich sehe, dass viele Brummifahrer gar nicht wissen, dass sie die Toilette dort benutzen dürfen, und pinkeln deshalb hier auf den Parkplatz." So ahnungslos ist auch sein Kollege Schulz, der jedoch für seine Notdurft zum Supermarkt geht: "Ich weiß nichts davon. Ich liefere ja auch nicht an Goodyear-Dunlop."
Trotz der dauernden Beschwerden über den beißenden Gestank und die hygienischen Zustände auf dem Parkplatz sieht die Stadt Wittlich keinen Handlungsbedarf. "Das Angebot der Firma Goodyear-Dunlop besteht weiterhin: Fernfahrer dürfen die werkseigenen sanitären Anlagen benutzen, die für die Zulieferer vorgehalten werden", sagt Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadt Wittlich. "Es gibt gegenwärtig keine Pläne, dort eine öffentliche Sanitäranlage zu errichten."