Der Gouverneur aus Dusemond: Vor 75 Jahren regierte der gebürtige Moselaner Julius P. Heil den US-Bundestaat Wisconsin

Der Gouverneur aus Dusemond: Vor 75 Jahren regierte der gebürtige Moselaner Julius P. Heil den US-Bundestaat Wisconsin

Auswanderer Julius Peter Heil hat von 1939 bis 1943 eines der höchsten Ämter der Vereinigten Staaten von Amerika bekleidet. Als 30. Gouverneur des US-Bundesstaates Wisconsin und Gründer eines großen Unternehmens zählt Heil zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Nordamerikas. Er stammt aus Brauneberg, das früher Dusemond hieß.

Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) gelten als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem einige Menschen eine traumhafte Karriere "vom Tellerwäscher zum Millionär" gemacht haben. Im 19. Jahrhundert erhofften sich zahlreiche deutsche Auswanderer ein besseres Leben in der "Neuen Welt" und reisten mit Segel- oder Dampfschiffen nach Nordamerika. So kam um das Jahr 1880 auch die Familie des Ackerers und Steuer-Executors Franz Heil aus Dusemond (Brauneberg) in die USA. In der neuen Heimat angekommen zog der Familienvater mit seiner Frau Barbara (geborene Kriebs) und seinen Söhnen zunächst auf eine Farm in New Berlin (Wisconsin).Heimatgeschichte(n)

Julius Peter, der jüngste Sohn der Auswandererfamilie Heil, wurde am 21. Juli 1876 geboren und absolvierte eine Schulausbildung in der Dorfschule von Mill Valley (Milwaukee). Bereits im Alter von zwölf Jahren verließ der gebürtige Dusemonder die Schule und nahm eine Hilfsarbeiter-Anstellung in einem Gemischtwarenladen an. Zwei Jahre später verdingte er sich unter anderem als Zeitungsjunge, Straßenbahnschaffner und Arbeiter in einer Erntemaschinenfabrik. Ab dem Jahre 1893 arbeitete Heil bei der H. W. Falk Manufacturing Co., einem Hersteller von Eisenbahnrädern, Wagenkupplungen und gusseisernen Schienenverbindungen. Dort lernte er die neuartige Technik des Schweißens kennen, die 1894 von H. W. Falk erstmals zur Verbindung von Schienennähten eingesetzt wurde.

Im Jahre 1901 gründete Julius P. Heil die Firma "Heil Rail Joint Welding Co." (Wisconsin), die sich auf die innovative Schweiß-Technik spezialisierte. Der Betrieb nutzte das moderne Verfahren insbesondere zum Bau von Straßenbahn-Schienen und verzichtete auf die herkömmliche Niettechnik. Die Belegschaft der Firma bestand zunächst aus drei Angestellten und wuchs später auf circa 2000 Beschäftige.

Nach einer Neugründung im Jahre 1906 entwickelte sich die sogenannte Heil Company zum größten amerikanischen Hersteller von Lastkraftwagen-Aufbauten, wie Müllwagen und Kippern beziehungsweise Tanklastern. Darüber hinaus machte sich das Unternehmen auch einen Namen als Produzent von Heizungs- und Kühlanlagen.

Im Jahre 1933 ernannte US-Präsident Franklin D. Roosevelt den Unternehmer und Republikaner Julius P. Heil zum Leiter der National Recovery Administration von Wisconsin. Fünf Jahre später wurde Heil als neuer Gouverneur Wisconsins vorgeschlagen und gewann die Wahl gegen den amtierenden Gouverneur Philip La Follette. Während seiner Amtszeit (1939 bis 1943) schuf der frühere Moselaner zwei neue Ministerien: das Department of Motor Vehicles und das Department of Public Welfare. Darüber hinaus engagierte er sich sehr für die Landwirtschaft Wisconsins und prägte den Ausdruck "America's Dairyland" (Amerikas Molkereiland).

Im Jahre 1940 wurde Heil wiedergewählt. Da der Versuch einer erneuten Wahl im Jahre 1942 misslang, endete seine zweite Amtsperiode offiziell im Januar 1943. Der gewählte Nachfolger Orland Steen Loomis starb jedoch überraschend, weshalb Heil das Amt zunächst weiterhin besetzte. Schließlich bestimmte der Wisconsin Supreme Court den Vizegouverneur Walter Samuel Goodland als Nachfolger.

Daraufhin legte Heil das Amt nieder und widmete sich als Vorstandsvorsitzender seiner Firma. Am 30. November 1949 verstarb Heil im Alter von 73 Jahren nach einem Herzanfall in Milwaukee. Sein Sohn Joseph F. übernahm das väterliche Unternehmen und führte es bis 1993. Danach wurde die Firma von der bis heute bestehenden Dover Corporation aufgekauft.Extra

Einige Zeitgenossen bezeichneten den Gouverneur Julius P. Heil als "Julius, the just" (Julius, der Gerechte), da er großen Wert auf Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit legte. Darüber hinaus war er bekannt für seine Großzügigkeit gegenüber Ärmeren. phi

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