Der größte Einwohner steht im Wald

Der größte Einwohner steht im Wald

HILSCHEID. Der größte Einwohner steht im Wald: Der Erbeskopf ist der prominenteste Besitz der idyllisch gelegenen Ortsgemeinde Hilscheid.

Sinn für Humor haben Hilscheids Einwohner. Da hatten sie einen ihrer erfolgreichen Karnevalsumzüge abgeschlossen, ging es ans Einmotten, bis zur nächsten Saison. Auch das Häuschen eines Umzugswagens sollte auf den Heuboden einer Scheune hochgezogen werden - doch die Seile waren zu dünn, das Haus purzelte herunter: "Hillschda Scheirpoarzler" nennen sich seit diesem Getöse die Hilscheider Narren. Ihnen und ihren Mitbewohnern aber die Hand zum Gruß zu schütteln, dürfte nicht allzu lang dauern: 307 Seelen zählt der Hunsrückort, der Teil der Verbandsgemeinde Thalfang ist. "Die Zahl variiert, mal ein bisschen nach unten, dann nach oben", erklärt Detlef Haink, seit 2004 der Bürgermeister Hilscheids. Derzeit geht es wieder leicht abwärts, aber das macht dem Ortsvorsteher keine Sorgen. Denn so klein der Ort ist, so aktiv sind seine Einwohner: Gleich vier Vereine sind hier am Werk, neben den Karnevalisten Sportverein, Männergesangsverein und die 125 Jahre alte Feuerwehr. Selbst die Kleinsten haben ihren Treff in der mittwochs zusammen kommenden Kindergruppe "Heinzelmännchen". Vier Bauernhöfe betreiben noch Landwirtschaft, im Ort selbst finden sich drei kleine Betriebe. Eine Abwanderung der Einwohner registriert Haink jedoch nicht, im Gegenteil: Das Dorferneuerungskonzept funktioniere, der alte Dorfkern sei komplett erschlossen. Oberhalb des Ortes ist ein Neubaugebiet in Vorbereitung. "Spätestens ab 2008 kann es genutzt werden. Für dieses Jahr ist die Leitplanung beabsichtigt", erklärt der Bürgermeister. Und: "Es sind junge Leute, die hier, unweit von Thalfang und Hermeskeil, bauen." 18 Quadratkilometer groß ist das Gebiet Hilscheids. Damit ist der Ort flächenmäßig die größte Gemeinde in der Verbandsgemeinde. Der größte Teil davon ist Wald, der sich weit nach Osten erstreckt. Die Wacht hier hält der 818 Meter hohe Erbeskopf, der sich auf Hilscheider Gemarkung befindet. Doch während sich dort oben Skifahrer ein Stelldichein geben, versammeln sich die Hilscheider lieber auf dem Dorfplatz und im Gemeinschaftshaus - Ersatz für die "leider nicht mehr vorhandene" Dorfkneipe, sagt der Bürgermeister. Man hält die "Maie" ab, tauscht Neuigkeiten, Klatsch und Tratsch aus. Hier treffen sich die "Hauhuppser", einstmals Frauenfußballmannschaft, heute Tanzgruppe der Dorffrauen. Auch die Jugend fordert ihren Platz, denn 60 Einwohner sind unter 18 Jahre alt. Für sie ist ein Jugendraum in Vorbereitung. Hilscheid ist ein altes Dorf. Erstmals taucht sein Name 1274 in einem Dokument auf. Die Entwicklung des Ortes hat Hainks Vorgänger, der im vergangenen Jahr verstorbene Herbert Kling, schriftlich festgehalten, ergänzt durch Geschichten und Gedichte. Zeugnis der Vergangenheit sind ein Glockenturm, ein restauriertes Bauernhaus sowie die Reste der einstigen "Schwedenschanze". An der setzten sich im 30-Jährigen Krieg die Verteidiger des Protestantismus gegen ihre Gegner zur Wehr, nachdem sie aus der Burg Dhronecken vertrieben worden waren.

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