Der größte Herrgott ?

Der Große Herrgott wacht seit 46 Jahren über der Moselschleife bei Wintrich und Piesport. Helfer des Fördervereins Weinlehrpfad Wintrich haben jetzt eine neue Beleuchtung angebracht. Möglicherweise ist es das größte freistehende Kreuz in Deutschland.

Wintrich. Mit dem Stahlbeton-Jesus von Rio de Janeiro kann er sich zwar nicht messen. Aber, alle Achtung, der "Große Herrgott", der auf dem Geierskopf bei Wintrich steht, macht seinem Namen trotzdem alle Ehre. "Mit einer Höhe von 8,07 Meter und einer Breite von 5,25 Meter ist unser Kreuz nicht nur das größte von Rheinland-Pfalz, sondern vermutlich sogar das größte von ganz Deutschland", sagt Werner Marginet, Vorsitzender des Fördervereins, der den nahe gelegenen Weinlehrpfad betreut.
Das jedenfalls war das erstaunliche Ergebnis einer Umfrage des ehemaligen Wintrichers Arnold Kilburg in den Diözesen Deutschlands. Noch ist sich Kilburg nicht sicher, ob das Kreuz mit der Christus-Statue wirklich das größte ist.
Geschaffen wurde die Statue von der Künstlerin Lucy Hillebrand (1906-1997). Die Figur stand zunächst in einer Kirche in Wiesbaden. Die Offiziellen fanden ihn allerdings so hässlich, dass sie ihn in den Keller des Pfarrklosters verbannten. Der "ausdruckslose, viel zu große Kopf" sei ein Wagnis und könne dem Volk nicht präsentiert werden, fanden sie.
Ein Wintricher entdeckte den Jesus, war von dem großen Kopf und dem Rest der Statue restlos begeistert und ließ sie daher 1968 in seinen Heimatort bringen. Und: Dort lieben die Leute ihren Herrgott. Zumal er nun dank des Fördervereins in festlich weihnachtlichem Licht erstrahlt.
Vom Geierskopf, wo das riesige Kruzifix, 1968 einbetoniert wurde, bietet sich ein herrlicher Blick über das Moseltal bei Wintrich und seine angrenzenden Gemeinden Minheim, Kesten und Brauneberg.
Großer Herrgott heißt auch die neben dem Wintricher Ohligsberg beste Weinlage der Gemeinde. Auf dem Schieferboden wachsen besonders fruchtige und mineralisch geprägte Weine, sagt Winzer Thomas Quint. Für den Ort sei der "Große Herrgott" ein bedeutender Werbeträger.
Einst stand oberhalb von Wintrich eine kleine Kapelle mit einem Kruzifix, dem "Großen Herrgott", weiß Werner Marginet. Diese gab der Wintricher Weinlage ihren Namen. Wenn die Wintricher früher diesen Weg aufsuchten, hieß es immer: "Wir gehen zum Großen Herrgott". Zur Preußenzeit entstand 1830 aus dieser Redensart eine Katasterlage. Für manche Bürger allerdings kam es einer Gotteslästerung gleich, einen Wein so zu nennen. Daher dauerte es noch 100 weitere Jahre bis 1930 zum ersten Mal offiziell ein Wein mit dem Namen Großer Herrgott ausgeschenkt wurde.