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Der große Weihnachtsbaum leuchtet nicht mehr

Der große Weihnachtsbaum leuchtet nicht mehr

Sie war seit vielen Jahren ein Wahrzeichen des Bernkastel-Kueser Weihnachtsmarktes: die 30 Meter hohe Zeder auf dem Gelände der Verbandgemeinde-Verwaltung. Weil die Gebäude saniert werden und Platz gebraucht wird, ist sie gefällt worden. Die Art und Weise des Vorgehens zieht Kritik nach sich.

Bernkastel-Kues. Was verbinden die Besucher mit dem Bernkastel-Kueser Weihnachtsmarkt? Die Buden in der Kulisse der Altstadt, der besonders gute Glühwein, der riesige Adventskalender und die circa 30 Meter hohe und mit Hunderten von Lichtern geschmückte Atlaszeder auf dem Gelände der VG-Verwaltung dürften zu den Favoriten zählen. Auf den Baum müssen Einheimische und Gäste in Zukunft verzichten. Er ist in dieser Woche gefällt worden.
Platz für Container


Das ist natürlich nicht unbemerkt geblieben. Bei Stadtbürgermeister Wolfgang Port, verschiedenen Ratsmitgliedern, dem TV und auch in den sozialen Netzwerken äußern Bürger Unmut und Unverständnis. Der reicht von Ausdrücken wie "Oh leck" und "Schade" über "Wieso denn" bis hin zu "Eine Schande".
"Wir haben Reaktionen erwartet" , sagt Leo Wächter, hauptamtlicher Beigeordneter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Und fügt im Wissen um die Bedeutung der Zeder an. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht."
Der Baum habe weichen müssen, um zusätzlichen Platz für die umfassenden Arbeiten am Verwaltungstrakt zu bekommen. Wie berichtet wird er in den kommenden zwei Jahren mit einem Millionenaufwand grundlegend saniert. Die Belegschaft ist für diese Zeit in eine leer stehende Reha-Klinik auf dem Kueser Plateau gezogen.
In dem Bereich, wo die Zeder gestanden hat, würden Container und Material Platz finden, berichtet Wächter. Außerdem hätten Äste des Baumes schon die Fassade und das Dach des Gebäudes beschädigt. Auch Stadtbürgermeister Wolfgang Port hat erst kurzfristig von der Fällaktion erfahren. "Man hätte damit wenigstens bis nach dem Weihnachtsmarkt warten können", sagt er. Genauso argumentiert Frank Hoffmann, Vorsitzender des Werbekreises, der den Weihnachtsmarkt veranstaltet. Die Antwort von Leo Wächter: Das gehe nicht, weil jetzt die Infrastruktur für die unmittelbar bevorstehenden Arbeiten an den beiden Gebäuden geschaffen werden müsse. Frank Hoffmann ist auch Stadtratsmitglied. Und damit kommt noch eine weitere Sichtweise hinzu. Er und andere Ratsmitglieder seien natürlich von Bürgern gefragt und kritisiert worden, berichtet er. "Wir konnten aber nichts dazu sagen, weil wir nichts wussten. Und die Stadt ist ja auch nicht verantwortlich sondern die VG-Verwaltung", erzählt er.
Es gebe einen baubegleitenden Ausschuss, in dem die Fraktionen des VG-Rates vertreten seien, so Leo Wächter. Dort sei mehrfach über das Thema gesprochen worden, und es habe Einmütigkeit über die Fällung geherrscht. Das bedeute aber nicht automatisch, dass auch die Politiker aus der Stadt informiert worden seien, sagt Hoffmann.
Über Form und Aussehen von Schornsteinen in der dritten Häuserreihe werde ausgiebig diskutiert. Mit einem Projekt wie der Fällung eines prägenden Gewächses werde man einfach überrumpelt, kritisiert Hoffmann.
Eine Genehmigung für die Fällung sei nicht notwendig gewesen, erklärt der zuständige Förster Martin Herrmanns. So etwas sei nur bei einem unter Naturschutz stehenden Gehölz Pflicht. Ob der Baum Schäden aufweist, könne er nicht sagen.
Er habe sich vor Jahren einmal die Stahlkonstruktion an der Spitze des Baumes angeschaut. Die war nötig, um die vielen Lichter und Leitungen zu halten. Dadurch, so Herrmanns, könne der Baum geschädigt worden sein, und es bestehe die Gefahr, dass er von oben faule. Das berge natürlich Gefahren. Schließlich habe er an einer sehr exponierten Stelle, in unmittelbarer Nähe des großen Moselparkplatzes, gestanden.Meinung

Ärger vermeidbar
Keine Frage: Die beleuchtete Zeder wird fehlen.Wer an der Mosel entlang fuhr, sah sie schon von Weitem und immer mit neuer Begeisterung. Auch keine Frage: Hätte sie ein Sturm umgehauen und vielleicht Menschen getötet, wäre die Entrüstung noch größer. Was in diesem Fall zu kritisieren ist: Die linke Hand weißt nicht, was die rechte tut. Die Politiker in der Stadt stehen als Deppen da, weil sie nicht offiziell informiert worden sind. Dieser Ärger wäre vermeidbar gewesen. c.beckmann@volksfreund.de