Der Hahn gehört zur Kirche

GRÄFENDHRON. (HB) Mit einem Festgottesdienst in der dem Heiligen Wendalinus geweihten Kapelle begann das Kepllenfest, das alle zwei Jahre im Wechsel mit der Pfarrgemeinde "Mariä Geburt" Berglicht gefeiert wird.

Neben einer Fahrzeugsegnung und dem offenen Singen traten beim Kapellenfest auch die singenden Majfrauen auf. Zu ihnen zählt auch die 95-jährige "Speicher's Oma" (Karoline Nowack). Sie gehört, wie Roswitha Trierweiler erzählt, zu den 13 Frauen im Ort, die sich von Oktober bis März jeden Dienstag im Gemeindehaus treffen, um sich über das Alltagsgeschehen zu unterhalten (maje), zu stricken, häkeln und alte Volkslieder zu singen. Hierbei kam ihnen die Idee, bekannte und teilweise schon fast vergessene Volksweisen, die sie noch im Dorf aufgestöbert hatten, beim Kapellenfest vorzutragen. Wie der Erste Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der Pfarrei "Mariä Geburt" Berglicht, Günter Steinmetz aus Gräfendhron, berichtet, stand schon vor 1785, im 1245 erstmals urkundlich erwähnten Ort, eine kleine Kapelle an der Dhron, die durch Eisgang so stark beschädigt wurde, dass eine Renovierung sich nicht mehr lohnte. Daher entschloss man sich, eine neue Kapelle an der heutigen Stelle zu bauen, die 1785 eingeweiht und 1964 grundlegend renoviert wurde, wobei auch der Turm erneuert werden musste. Als die Horather Försterfrau Annelie Liebhold hörte, dass der stark verrostete und von Gewehrkugeln im Zweiten Weltkrieg durchlöcherte Hahn weggeworfen werden sollte, kaufte sie ihn für 20 Mark. "So etwas kann man doch nicht wegwerfen", sagte sie, und hing ihn nach der Sanierung in ihrem Esszimmer auf. "Als wir wegzogen, und keines unserer Kinder an dem Hahn Interesse zeigte, verschenkte ich ihn dem Heimatverein Horath, Gräfendhron und Merschbach." Annelie Liebhold übergab das verschwundene Relikt unter großem Applaus dem Ersten Vorsitzenden Günter Steinmetz mit den Worten: "Ich bin der Meinung, dass dieser Hahn in die Kirche gehört." Der Erlös des Festes ist für Renovierungsarbeiten der Kapelle bestimmt.

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