"Der Herr Beck, der bleibt"

WITTLICH. An 13 Orten konnten die Wähler im Stadtgebiet Wittlich, an 20 Stellen in der Verbandsgemeinde Manderscheid, in 31 Wahllokalen in der VG Wittlich-Land und in 16 in der VG Kröv-Bausendorf ihre Kreuze machen. Insgesamt machten knapp 44 000 Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch: deutlich weniger als vor fünf Jahren.

Das Los ist auf Wittlich gefallen: In der Dualen Oberschule dürfen sie gleich zwei Mal wählen: Einmal für die Wahlurne, einmal für die Prognose im Fernsehen. "Alle 45 Minuten gebe ich die Ergebnisse per Handy weiter", sagt Reinhold Becker, der für Infratest arbeitet: "98 Prozent machen hier mit." Und schon füllt der nächste den Fragebogen aus mit der Überschrift: "Sie hatten zwei Stimmen - Wem gaben Sie Ihre?" Ein älterer Herr glaubt schon, zu wissen, wie es ausgehen wird: "Der Herr Beck, der bleibt." Seine Einschätzung sollte sich bestätigen. Auch Gisela Bredenfeld ahnte es: "Es ist spannend, aber ich bin der Ansicht, dass es so bleibt wie es war." Treffen konnte man am Sonntagmorgen Bürgermeister Ralf Bußmer, der mit Reinhold Maas vom Ordnungsamt alle Stimmbezirke besuchte. Er sagt: "Ich rechne mit rund 60 Prozent Wahlbeteiligung und etwa zehn Prozent Briefwählern." Beide berichten von einem "schleppenden Anlauf". Reinhold Maas meint: "Das ist wohl die Zeitumstellung." 60 Prozent wurden es am Ende im Wahlkreis nicht, aber immerhin 58 Prozent: In Wittlich kamen jedoch nur 53 Prozent der Berechtigten zur Wahl, in Kröv-Bausendorf waren es 58 Prozent, in Wittlich-Land 59 und in Manderscheid immerhin 62 Prozent. Von Irritationen wegen der Sommerzeit berichtet Katrin Bornmüller, eine von vielen engagierten Wahlhelfern in der Ganztagsschule Friedrichstraße, die den größten Stimmbezirk abdeckt. Seit 24 Jahren ist auch Elfriede Marmann Wahlhelferin. Die Beigeordnete der Stadt spürt die Wahlzurückhaltung schon früh und weiß, wie viele der 1578 Bürger in ihrem Bezirk gegen halb zwölf gewählt haben: "Etwa 300 und 126 Briefwähler. Im Moment kommen weniger als sonst. Mir ist aufgefallen, dass bis jetzt wenig junge Menschen hier waren." Als um 18 Uhr die Urnen geleert werden, bestätigt sich nicht nur das Gefühl der Wahlhelfer, sondern auch, dass der Rückenwind aus Mainz die SPD nach Zweitstimmen im Wahlkreis 21 mit 40,1 Prozent knapp vor der CDU (39,1 Prozent) landen ließ. Damit haben die Sozialdemokraten rund zwei Prozentpunkte gegenüber der Wahl vor fünf Jahren zugelegt, während die CDU 0,9 Prozentpunkte weniger für sich verbuchte. Dies sorgte - angesichts des schlechteren Landesergebnisses - jedoch nicht für große Traurigkeit, sondern sogar für Lob für den Wahlkampf von Direktkandidatin Elfriede Meurer, die mit 44,5 Prozent der Erststimmen das Direktmandat holte. Ihr SPD-Kontrahent Dieter Burgard profitierte nicht deutlich vom Landestrend. Prozentual legte er bei den Erststimmen nur um 0,7 Punkte zu und erreichte 37,7 Prozent, wobei er in der Stadt Wittlich (44,6 Prozent der Erststimmen) die Nase vorn hatte, während Meurer in den Verbandsgemeinden Kröv-Bausendorf (46,4 Prozent), Manderscheid (50,9 Prozent) und Wittlich-Land (45,7 Prozent) bei den Erststimmen klar in Front lag und überall mehr Stimmen für sich verbuchte, als ihre Partei an Zweitstimmen einstrich. Während SPD, CDU und Grüne bei den absoluten Stimmenzahlen im Wahlkreis aufgrund der geringeren Wahlbeteiligung hinter ihrem Ergebnis von 2001 zurückblieben, legten die FDP und ihre Direktkandidatin Rita Wagner absolut und relativ zu: Wagner erhielt 10,1 Prozent der Erstimmen (2001: 9 Prozent) und die Partei 9,7 Prozent der Zweitstimmen (2001: 8 Prozent). Trotzdem wird das auch insgesamt gute FDP-Ergebnis aufgrund des absoluten SPD-Siegs im Land wohl nicht für ein Nachrücken der Hetzeratherin in den Landtag reichen. Beachtlich schlug sich der Grünen-Direktkandidat Wolfgang Moritz, der nicht nur bei den Erststimmen im Wahlkreis mit 5,5 Prozent deutlich besser lag als seine Partei, die auch im Wittlicher Land unter fünf Prozen blieb, sondern vor allem in der Stadt Manderscheid: Dort erreichte Moritz mit 22 Prozent der Erststimmen nur 2,1 Prozent weniger als Dieter Burgard. Mit Spannung war wegen des Bestechungsprozesses gegen den Salmtaler Bürgermeister Manfred Hower das Abschneiden der FWG, auf deren Landesliste Hower als einziger Kandidat aus der Region antrat, erwartet worden. Die Salmtaler stellten sich hinter ihren Bürgermeister: Mit 6,3 Prozent der Zweitstimmen erreichten die Freien dort das beste Ergebnis im Wahlkreis.