Der Herr der Schuhe wird 90

Helfen, anpacken, Gutes tun und sich ehrenamtlich engagieren - das ist an kein Alter gebunden. Oswald Schlimpen aus Kinderbeuern-Hetzhof ist dafür der Beweis. Als vor neun Jahren seine Ehefrau Hilde starb, hat er begonnen, im großen Lager der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Wittlich mit anzupacken. Am Donnerstag wird Schlimpen 90 Jahre alt.

Wittlich/Hetzhof. Oswald Schlimpen ist ein Mensch mit Witz und Humor. "Wenn Adenauer mit 87 Jahren noch die Bundesrepublik als Kanzler führen konnte, dann ist es doch nicht außergewöhnlich, wenn ich mit 90 noch Schuhe verpacke."
Noch ist er 89, am morgigen Donnerstag feiert er den runden Geburtstag. Am Tag zuvor wird er sich nach dem selbst zubereiteten Mittagessen mit seinem Golf von Kinderbeuern-Hetzhof auf den Weg nach Wittlich machen. Dort beginnt gegen 13.30 Uhr seine "Schicht". Bis 18 Uhr wird er angelieferte Schuhe in große Bananenkisten verpacken. Etwa 15 Paar passen in einen hinein, aber nur wenn sie, wie Schlimpen es kann, exakt verpackt werden.
In der großen Kellerhalle des Schnäppchenmarktes Metzen befindet sich das große Lager der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Dorthin bringen Menschen Kleidung und Schuhe, die später mit großen Transportern zu Hilfsbedürftigen nach Ost- und Südosteuropa transportiert werden (der TV berichtete). Schlimpen ist einer von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. Montags und mittwochs steht er mehrere Stunden an seinem Tisch, um die Schuhe zu sortieren und zu verpacken.
Angefangen hat er mit dieser ehrenamtlichen Arbeit vor neun Jahren. Damals starb seine Ehefrau Hilde und er brachte die einst von ihr getragenen Kleider und Schuhe zur IGFM. "Dabei kam mir der Gedanke, du kannst doch hier bleiben und mit anpacken, du hast doch Zeit", sagt er.
Leo Schäfer, seit 13 Jahren bei der IGFM ehrenamtlich tätig, sagt über den körperlich wie geistig rüstigen Mitstreiter: "Der Oswald, unser Herr der Schuhe, ist ein Phänomen."
Eine sinnvolle Arbeit


Schlimpen hat sein ganzes Leben lang körperlich schwer gearbeitet. Zunächst führte er in Hetzhof einen landwirtschaftlichen Kleinbetrieb und ging dann als Waldarbeiter zum Staatsforst Kondelwald. Sein Haus, in dem er auch geboren wurde, beheizt er teilweise mit Holz, das er selbst spaltet, sägt und hackt.
Er sagt: "Ich könnte ja auch wie viele andere mit zwei Stöcken (er meint Nordicwalking) durch die Gegend trampeln. Aber die Arbeit in Wittlich ist sinnvoller und außerdem habe ich dort nette Gesellschaft." Nette Gesellschaft hat er auch in der Chorgemeinschaft Bengel. In dem Kirchenchor ist er als Bassist immer noch aktiv. Jeden Mittwochabend geht's in den Kellerraum des Bengeler Kindergartens zur Probe. Die anderen Helfer, die in Wittlich die Sachen sortieren, verpacken und einladen, freuen sich stets, wenn Oswald Schlimpen einen selbst gebackenen Kuchen mitbringt. "Der Oswald kann besser backen als viele Hausfrauen", sagt eine Helferin.

Mehr von Volksfreund