Der herrliche Blick aus Klosterkaul täuscht

Der herrliche Blick aus Klosterkaul täuscht

Die Idylle auf dem Calmont wird zunehmend durch Wildschäden getrübt - Jagd ist sehr schwierig

Bremm. (rg) Es ist eine Steilstlage wie sie im Buche steht, die Klosterkaul im Bremmer Calmont. Korrekterweise muss man klarstellen: Die Klosterkaul besteht aus drei schmalen Kaulen, die durch Felsenköpfe voneinander getrennt sind. Über sehr schmale, manches Mal sogar abenteuerlich steile Treppchen geht es hoch hinauf bis zum Klettersteig, der hier, an der extremen Felsenpassage, mit einem Halteseil gesichert ist. Man hat, wenn man endlich oben angelangt ist, einen wunderschönen, ja geradezu grandiosen Ausblick auf die Ruine des ehemaligen Klosters Stuben, die Mosel, den Neefer Peters- und Frauenberg sowie die benachbarten Ortslagen.

Sauen haben Trauben "zum Fressen gern"



Alles schön und gut. Und dennoch gibt es eine Menge Ärger und Verdruss, denn die Wildsauen haben diese Weinlage ebenfalls "zum Fressen gern". Mit wohligem Grunzen klauen sie den Winzern die wertvollen Rieslingtrauben vom Rebstock. Anstatt in Kelter und Fass landen die vollreifen Trauben daher leider allzu oft im riesigen "Weidsack" (Magen) der Borstenträger oder im "Pansen" des hungrigen Rehwildes.

Was ist der Grund für diese Misere fragen sich die Geschädigten immer wieder. Nun, in diesem Jahr gab es wenig oder überhaupt keine Bucheckern und Eicheln, so dass die hungrigen Sauen verstärkt in den Wingerten ihr Unwesen trieben. Ein weiterer Grund: Es gibt zu viele davon in den Revieren.

Experten und Jäger wissen, dass die Vermehrungsrate beim urigen Schwarzwild extrem hoch ist. Bei günstigen Bedingungen beträgt sie sagenhafte 150 bis 200 Prozent pro Jahr. Die Winter sind meist zu warm, als dass sie den Bestand dezimieren könnten. Die Jagdpächter der Mosel-Reviere können das Ganze gelassen aus sicherer Distanz beobachten, weil sie die teilweise hohen Schäden nicht erstatten müssen. Wie heißt es doch so schön im Jagdgesetz: Die Wingerte zählen zu den "Sonderkulturen".

Während Schäden an Mais, Weizen, Roggen, Hafer und Kartoffeln auf den Moselhöhen dem Bauern bezahlt werden müssen, bekommen die Winzer für die weggefressenen Trauben keinen Cent. Viele der meist auswärtigen Jagdpächter sind oft nicht in der Lage, diese schwierigen Revierteile zu bejagen; ihnen fehlt es nicht selten an der erforderlichen Zeit und Revierkenntnis. Die Steillagen-Wingerte - fast ohne Weg und Steg - sind in aller Regel nicht mit Geländewagen zu erreichen. In der Ellerer Höll hatte der Winzer im Wingert einen 100-prozentigen Schaden durch die Wildsauen.

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