Der Holzklau geht um an der Mosel

Die Förster in der Region beklagen immer häufiger Fälle von Holzdiebstahl im Wald. Grund: Die Preise für Brennholz haben sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt.

Eine unerfreuliche Entdeckung machte Jürgen Fries, Förster in Brauneberg, Veldenz und Burgen, vor wenigen Wochen bei einer Revierkontrolle im Brauneberger Wald in der Nähe des jüdischen Friedhofs. Unbekannte hatten eine vom Sturm umgeworfene Edelkastanie fachmännisch mit einer Motorsäge von der Krone und den Wurzeln getrennt und den etwa acht Meter langen und knapp einen halben Meter dicken Stamm einfach mitgenommen. Ein solcher Stamm kann je nach Güteklasse einen Preis bis zu 250 Euro bringen. Vielleicht haben die Diebe den wertvollen Stamm auch zersägt, um das Holz zu verfeuern, vermutet Fries.

Holzdiebstähle im Wald nehmen zu. Diese Erfahrung musste kürzlich auch Günter Konrad machen, der in Burgen ein Holzrück-Unternehmen betreibt. Elf Festmeter Brennholz, das in großen Stämmen an einem Weg im Wintricher Forst lag, hatten Diebe mitgehen lassen. Dabei müssen sie mit schwerem Gerät, möglicherweise mit einem Frontlader und großem Anhänger oder mit einem Lastwagen mit Greifarm vorgegangen sein. Conrad hatte das Holz bereits bezahlt, seinen Schaden beziffert er auf 450 Euro.

Oberforstrat Andreas Boll von der Zentralstelle der Landesforstverwaltung, Abteilung Laubholzvermarktung, sagt: "Seitdem das Brennholz deutlich an Wert gewonnen hat - teilweise bis zu 100 Prozent in den vergangenen fünf Jahren, ist auch die Zahl der Diebstähle angestiegen." Dabei, so Boll, gingen die Täter immer dreister vor. Boll: "Aus geschlossenen, abgelegenen Waldgebieten verschwinden manchmal ganze LKW-Ladungen."

Auch Förster Thomas Kreten, zuständig für die Reviere Kröv und Reil, kennt das Problem. Die Diebstähle konzentrierten sich hauptsächlich auf Brennholz, also auf Buchen- und Eichenholz. Aus dem Kröver Wald transportierten Diebe vor einigen Jahren 15 Festmeter Holz ab. Innerhalb eines Jahres, so Kreten, sei der Preis für Brennholz für alle Sortimente um 20 Prozent gestiegen und koste als Langholz, also ungeschnitten ab Wald, aktuell 45 Euro pro Festmeter.

Försterkollege Jürgen Fries nennt einen weiteren Grund für die Zunahme der Holzdiebstähle. Viele Forstreviere seien durch Zusammenlegungen in den vergangenen Jahren erheblich vergrößert worden. Die Förster könnten nicht mehr so häufig im Wald präsent sein. Die Diebe hätten daher leichteres Spiel.

Es könnte jedoch bald einfacher werden, den Dieben auf die Spur zu kommen. Andreas Boll von der Zentralstelle der Landesforstverwaltung: "Pfiffige Erfinder haben bereits den ‚Chip im Holzpolter' entwickelt, der versteckt unter der Rinde als Sender den Aufenthaltsort des Holzes verrät. Ob diese technische Hilfe in Rheinland-Pfalz zur serienmäßigen Anwendung kommt, wird die Entwicklung zeigen."
Extra

Raummaß für Holz: Holz wird in Raummeter und Festmeter gemessen. Ein Raummeter entspricht einem Würfel von einem Meter Seitenlänge, also einem Rauminhalt von einem Kubikmeter geschichteter Holzscheite, einschließlich der Zwischenräume. Ein Kubikmeter Holz ohne Zwischenräume ist der Festmeter. Ein Festmeter entspricht 1,4 Raummetern.

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