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Der Hundefänger von der Krackesmühle

Der Hundefänger von der Krackesmühle

Ausgebüxte Hunde finden bei Martin Petry vorübergehend ein Zuhause. Der 46-Jährige Gastwirt der Gräfendhroner Krackesmühle kümmert sich im Auftrag der Verbandsgemeinde Thalfang um entlaufene Vierbeiner. In seiner guten Stube dürfen sie dann so lange bleiben, bis der Hundefänger die Besitzer ausfindig gemacht hat.

Gräfendhron. Er ist der Hundefreund unter den Hundefängern. Martin Petry führt die Gastwirtschaft Krackesmühle in Gräfendhron und kümmert sich für die Verbandsgemeinde Thalfang um entlaufende und streunende Hunde. Aus seiner Liebe zu Hunden ist mittlerweile eine Aufgabe geworden.
Zustande gekommen ist die Zusammenarbeit mit dem Thalfanger Ordnungsamt im Jahr 2007, als ein mit Petry befreundeter Angestellter des Amtes ihm sein Leid klagte, die Inobhutnahme von Fundhunden würde die Verwaltung zu viel Geld kosten. Der gebürtige Gräfendhroner bot spontan an, sich künftig um solche Fälle zu kümmern. "Genug Platz habe ich hier in der Krackesmühle, Zeit auch und Hunde mag ich sowieso", sagt Petry. Eine gute Kombination.
Petrys Tierliebe spart der Verbandsgemeinde bares Geld. Denn das Ordnungsamt hat keinerlei Kapazitäten, um entlaufene Hunde so lange unterzubringen, bis die Besitzer ausfindig gemacht sind. 20 Tage lang, lautet das Maximum. Danach kommen die Tiere ins Trierer Tierheim. Von der Kommune bekam er einen Anhänger mit einer Hundetransportbox gestellt. Über einen Hundezwinger verfügt er zudem auf dem Gelände seines Anwesens. "Den nutze ich aber nur im Notfall, wenn sie nicht zu bändigen sind. Normalerweise kommen sie bei mir in der Wohnung unter", erklärt der Hundefänger.
Ein Dutzend Hunde pro Jahr


Ohne das Engagement des Gaststättenwirtes der Krackesmühle müssten die Hunde nach Trier ins Tierheim gebracht werden, wo sie dann auf ihren Besitzer warten müssen. Bis zu 56 Tage bleiben die herrenlosen Vierbeiner dort - auf Kosten der Verbandsgemeinde. 12,50 Euro pro Tag kostet die Unterbringung dort. Erst danach übernimmt das Tierheim den Findling zur Weitervermittlung. Petry bekommt von der Kommune eine Pauschale für die anfallenden Kosten für Futter, Pflege, Tierarzt und Telefon.
Rund ein Dutzend Mal pro Jahr muss Petry einen entlaufenen Hund bei sich aufnehmen. Manchmal sind es vier bis fünf pro Monat. Dann mal wieder monatelang keiner. Dabei sind es in der Regel keine Hunde, die sich Familien überstürzt im weihnachtlichen Überschwang angeschafft, schnell die Lust an dem Tier verloren und es dann ausgesetzt haben. Vielmehr birgt die Feriensaison die Gefahr, dass Familien ihre Vierbeiner Nachbarn oder Freunden anvertrauen, die wenig Erfahrung mit dem Hundetemperament besitzen. "Denen hauen die Hunde dann oftmals ab", sagt Petry.
An seinen schlimmsten Fall erinnert sich der Hundefreund nur mit Grausen. 2007 wurde er nachts von der Feuerwehr aus dem Bett geklingelt. Eine Autofahrerin hatte am Erbeskopf einen angeleinten Mischling entdeckt, der in einem schrecklichen Zustand war. "Das Fell war völlig verdreckt und verfilzt, gestunken hat er wie Pest." Nach einem ordentlichen Bad und einem Tierarztbesuch, wo dem Hund zwölf verfaulte Zähne gezogen werden mussten, sah der Vierbeiner wieder manierlich aus. Der Zufall wollte es, dass eine ältere verwitwete Dame aus Berglicht den neun Jahre alten Hund aufnahm. "Die beiden waren wie ein Herz und eine Seele", erinnert sich Petry. "Das sind dann die schönen Momente meines Jobs."
Vieles würde seine Arbeit vereinfachen, wenn sich der Gesetzgeber dazu durchringen könnte, die Chip-Pflicht für Hunde einzuführen. Vierbeiner, die sich von ihrem Halsband losgerissen haben, sind ohne Hundemarke nur mühevoll zu identifizieren.
Chip macht Identifizierung leicht


Mit seinem kleinen Chip-Lesegerät ist der Hund anhand des Chips unter dem Fell in Sekundenschnelle identifiziert. Petry demonstriert das an Louis, der in der Gaststube seiner Wirtschaft nach Streicheleinheiten sucht. Ein Piepen und die 15-stellige Identifikationsnummer des schwarzen Hundes ist ausgelesen. Über eine Datenbank, in der die Nummer dem Halter des Hundes zugeordnet ist, kann Petry die Herkunft des Hundes schnell ermitteln. Rund 25 Euro kostet das "Chipen" eines Hundes beim Tierarzt. Das Geld habe sich bereits dann gelohnt, wenn der Hund ein einziges Mal wegläuft, sagt Petry. Pflicht ist es bislang nicht. Viele Hundeversicherungen forderten es jedoch bereits. Um entlaufene Hunde ohne Chip zu identifizieren, muss Petry oft viel herumtelefonieren, fragen und forschen. So lange bleiben die Hunde in seiner Obhut.
Der schwarze Louis, der zu Füßen Petrys schlummert, ist ebenfalls ein junger Hund, der Martin Petry durch einen Trauerfall in die Hände geraten ist. Seine Schwester hat sich inzwischen seiner angenommen.Extra

Fundhunde: Wer in der Verbandsgemeinde Thalfang einen entlaufenen Hund sieht oder findet, kann Martin Petry unter der Telefonnummer 06504/950900 zu Hilfe rufen. In seinem kleinen Tierfreigehege haben auch andersartige Findelkinder ein Zuhause gefunden: Ziegen, Ponys, Wildschweine und ein Hängebauchschwein. zad