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der jüdische Friedhof in Bausendorf ist der kelienste im Kreis Bernkastel-Wittlich

TV-Serie : Kleiner Friedhof mit großem Umfeld

In der TV-Serie „Jüdische Friedhöfe in der Region“ geht es heute um den in Bausendorf. Mit 180 Quadratmetern ist er von der Fläche her der kleinste im Kreis. Dafür gibt es einen sehr aktiven Arbeitskreis jüdisches Leben im Ort.

Viele hundert Menschen fahren jeden Tag an der B 421 am jüdischen Friedhof Bausendorf vorbei, der an dieser Strecke nordöstlich des Ortes liegt. Über Feldwege ist das sehr gepflegte „Haus der Ewigkeit“, wie ein Friedhof im Jüdischen bezeichnet wird, nicht zu erreichen. 17 Grabsteine sind noch vorhanden, viele Inschriften sind nicht mehr lesbar, weil sie verwittert sind oder die Platten mit dem Text fehlen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb strahlt er, auch wenn er an einer vielbefahrenen Straße liegt, Erhabenheit und Ruhe aus.

1880 wurde der Friedhof angelegt. Es gab aber einen weiteren Friedhof, hinter dem Alfbach. Karten und Erinnerungen älterer Menschen belegen dies. Ossi Steinmetz, ehemaliger Ortsbürgermeister und Mitglied im Arbeitskreis jüdisches Leben in Bausendorf weiß noch: „Als wir Kinder waren, gab es in der ,Lay’, einem abschüssigen Waldgelände noch Grabsteine, an die sich andere ältere Menschen und ich auch uns noch erinnern. Wo es aber genau war, wissen wir nicht mehr.“

Über das jüdische Leben im Ort, der nach Wittlich im Altkreis Wittlich die zweitgrößte jüdische Gemeinde hatte, weiß man einiges. „Das Verhältnis zwischen den Religionen war sehr gut, es gab ein Miteinander“, berichtet Armin Surkus-Anzenhofer, Mitglied im Arbeitskreis. Weiter sagt er: „Es ist dokumentiert, dass gemeinsam Fußball gespielt wurde, man ist in die Gastwirtschaft zum „Issi“, das war das Gasthaus von Isidor Wendel, gegangen und jüdische Sänger haben sogar im Kirchenchor ausgeholfen.“

Zehn jüdische Familien mit insgesamt 39 Personen lebten in Häusern, die in der Ortsmitte verteilt lagen. Damals hatte Bausendorf zwischen 800 und 900 Einwohner. Es gab eine Synagoge, ein Schlachthaus und einen Ausstellungsraum. Von den 39 Juden, wurden 16 Opfer des Holocaust, andere sind ausgewandert. Kontakte gibt es noch zu Nachfahren. Edgar Levi, Enkel von Salomon Levi, der ein Gemischtwarenhandel im Ort hatte, war vor einigen Jahren in Bausendorf am Grab seines Großvaters. Ossi Steinmetz: „In meiner Funktion als Ortsbürgermeister war ich damals mit dabei, als er Bausendorf besuchte. Es war sehr berührend mit ihm durch den Ort zu gehen. Unter die Haut ging mir die Situation am Friedhof, wo er alleine am Grab verweilen wollte, was ihm sehr wichtig war und was wir ihm natürlich zugestanden haben.“

Ein Arbeitskreis jüdisches Leben, wurde aus dem Pfarrgemeinderat heraus im Jahr 2016 gegründet, um ein Gedenken an 80 Jahre Progrome zu organisieren. Bereits das erste Treffen stieß auf eine große Resonanz und man entwickelte Ideen, die auch umgesetzt wurden. Darunter beispielsweise Erzähl- und Vortragsabende, einen Dorfrundgang zu Häusern jüdischer Bürger, den Besuch ehemaliger Synagogen in Ediger und Beilstein und einen Gedenkgottesdienst mit Pater Ludwig Eifler O.Carm. Für ihn war es selbstverständlich sich einzubringen. „Die Juden sind die älteren Schwestern und Brüder der Christen. Es ist wichtig, dass man die Erinnerung wachhält“, sagt er.

Ein Film ist bei einem der Erzählnachmittage entstanden, bei dem ein Zeitzeuge berichtet, dass er als damals Elfjähriger gesehen habe, wie SA-Leute gewaltsam in die Synagoge eingedrungen sind, alles kurz und klein geschlagen haben, und der Dorfpolizist kreidebleich danebenstand, weil er nichts machen konnte. Beeindruckt war Werner Cuy, Mitglied des Arbeitskreises, von den Besuchen in den Synagogen.

Der Arbeitskreis umfasst 30 Personen und es gibt weitere Ideen, die umgesetzt werden sollen, beispielsweise eine Gedenkstätte oder einen weiteren Vortragsabend mit Referenten. Der jüdische Friedhof Bausendorf ist insgesamt dreimal geschändet worden, 1940, 1950 und 2004. Damals wurden Grabsteine beschmiert, die von einer Spezialfirma gereinigt worden sind.