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Der jüdische Friedhof in Bernkastel-Kues liegt inmitten von Weinbergen

TV-Serie : Jüdischer Friedhof in Bernkastel ist Platz mit besonderer Ausstrahlung

Der Trierische Volksfreund stellt die jüdischen Friedhöfe im Kreis Bernkastel-Wittlich vor. Diesmal geht es um den Friedhof in Bernkastel-Kues. Er liegt inmitten der Weinberge oberhalb der Mosel. Die Geschichte und Schicksale der Menschen, die in Bernkastel-Kues mit ihren Familien gelebt haben, sind gut dokumentiert.

Der jüdische Friedhof in Bernkastel- Kues ist ein besonderer Ort. Er liegt inmitten der Weinberge, auf der rechten Seite sind 33 Grabsteine erhalten. Der älteste stammt aus dem Jahr 1875 von Jakob Ackermann, der jüngste ist datiert vom 25. Juni 1932 und ist Jakob Lazarus gewidmet. Im vorderen Teil stehen einfache Grabmale aus Sandstein auf einem durchgehenden Sockel. Sie sind wahrscheinlich vom alten jüdischen Friedhof, der vom 17. Jahrhundert bis 1866 an der Straße „Unter Thanisch“ am Waldrand lag. Inschriften sind an diesen Steinen nicht mehr zu erkennen. Die linke Seite des 800 Quadratmeter großen neuen Friedhofs werden von  mehreren Kastanienbäume gesäumt. Grabsteine sind hier nicht zu sehen.

Zum einen ist es ein sehr friedlicher Ort – mit seiner Aussicht, den Bäumen, den teilweise sehr filigran verzierten Steinen. Die Inschriften, beispielsweise „Sie war der Liebling ihrer Angehörigen“ oder „Geliebt, beweint und unvergessen“, lassen erahnen, dass dort an geliebte Menschen erinnert wird. Zum anderen ist es aber ein Ort, der an die grausame Zeit der Nationalsozialisten erinnert. Daran, wie viele Angehörige dieser Personen fliehen mussten oder in Konzentrationslagern umgekommen sind. Da ist beispielsweise die Familie Doeblin. Der Vater Moritz Doeblin war Amtsarzt und starb 1907. Er ist neben seiner Tochter Ida beerdigt, und auch seine Frau ist dort bestattet. Einer seiner Söhne Salomon, 1864 geboren, war ebenfalls Arzt und diente im Ersten Weltkrieg  an der Westfront.

Er war mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse und dem Titel Sanitätsrat ausgezeichnet. 1918 wurde er als Geraloberarzt und Chef des Reservelazaretts Trier verabschiedet. Bis 1935 war er als Arzt in Bernkastel tätig, als er wegen der Rassengesetze seine Praxis aufgeben musste. Er zog mit seiner christlichen Frau nach Köln. Von dort wollte er 1945 wieder nach Bernkastel, wegen der Bombengefahr.

In Bullay kamen er und seine Frau bei einem Angriff auf die Eisenbahnbrücke ums Leben. Seine Schwester Eva wurde in Theresienstadt ermordet, sein Bruder Paul in Ausschwitz. Das Doeblin-Haus in der Graacher Straße 22 erinnert noch heute an die Arztfamilie.

Hugo Friedmann, 1876 geboren und ein angesehener jüdischer Lehrer, forschte intensiv an der Geschichte der Juden in Bernkastel-Kues. Er floh 1938 mit seiner Frau wie viele Juden damals nach Luxemburg. Von dort brachte man  sie ins Ghetto Litzmannstadt in Polen, wo Hugo Friedmann im Alter von 66 Jahren 1942 starb. In Bernkastel gab es schon früher Juden als in Wittlich. 1289 sind die ersten im Nürnberger Memorbuch erwähnt. 1843 lebten 80 Menschen jüdischen Glaubens in Bernkastel, 1933 waren es 56. Mehr als 40 Personen, sind während der Nazi Zeit emigriert oder in andere Städte verzogen. Am 16. Oktober 1941 wurden die letzten sechs Personen, darunter die Familie Kahn-Schömann deportiert. Insgesamt 20 Menschen, die in Bernkastel geboren wurden oder dort lebten, wurden in Lager verschleppt. Martin Schmitz, in Traben-Trarbach geboren, überlebte den Holocaust, nachdem er nach Auschwitz gewesen war. Mit knapper Not, nach Irrfahrten und -märschen wurde er am Kriegsende von britischen Soldaten im KZ Bergen-Belsen gefunden. Er ging nach Traben-Trarbach zurück, machte eine Verwaltungslehre und fing 1951 bei der Kreisverwaltung Bernkastel-Kues an. Im selben Jahr zogen er und seine Frau nach Bernkastel- Kues. Er starb am 28. Februar 2014.