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Der jüdische Friedhof in Neumagen-Dhron

Geschichte : Ein Mittelzentrum jüdischer Kultur

Im zweiten Teil der Serie über jüdische Friedhöfe im Kreis geht es heute um die Ruhestätte in Neumagen-Dhron. Die  besondere Anordnung der Grabsteine konnte bisher nicht geklärt werden.

Hohe Eichen und Linden umrahmen den jüdischen Friedhof in Neumagen-Dhron. Sie  strahlen eine erhabene Ruhe aus, die dem Ort angemessen ist. Auf insgesamt 3470 Quadratmetern stehen hier noch 127 Grabsteine. Damit ist Neumagen-Dhron, hinter Wittlich, der zweitgrößte jüdische Friedhof im Kreis Bernkastel-Wittlich.

Dr. Marianne Bühler, Theologin und viele Jahre im Emil-Frank- Institut hauptamtlich tätig, hat dafür zwei Erklärungen: „Diese Größe hat der Friedhof, weil Neumagen-Dhron ein zentraler Ort für die Juden der Umgebung war. Die Juden waren Viehhändler, Metzger oder betrieben Geschäfte im Ort. Es gab neben dem Friedhof eine Synagoge und eine jüdische Schule. Es ist auch ein Treffen von Rabbinern, ein sogenannter Judenlandtag in Neumagen-Dhron im 18. Jahrhundert nachweisbar.“

Zudem sind nicht nur Juden aus Neumagen-Dhron, sondern auch aus Niederemmel, Müstert, Reinsport, Minheim und Hetzerath, die zur Synagogengemeinde Neumagen-Niederemmel gehörten, hier zu Grabe getragen worden. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sind auch Trittenheimer hier beerdigt worden, dann bekamen sie einen eigenen Friedhof. Niederemmeler wurden früher auf dem Friedhof in Wintrich begraben, auf dem aber keine Grabsteine mehr erhalten sind.

Auffällig ist die Belegung des Friedhofs. In den oberen Reihen stehen die Grabsteine sehr dicht beieinander, im unteren, linken Teil ebenfalls. Die Mitte wirkt, bis auf einige vereinzelte Steine leer, ebenso wie der rechte Teil. Dr. Marianne Bühler meint dazu: „Möglicherweise sind überall Grabsteine oder Gräber verborgen, denn der Friedhof ist sehr alt. Sie könnten aber auch in der Nazizeit abtransportiert oder aufgeschüttet worden sein oder die Grabsteine sind im Boden eingesunken.“  Weiter sagt sie: „Dies muss unklar bleiben, denn den Boden zu untersuchen, verbietet sich auf Grund der Pietät. Jüdische Friedhöfe sollen unangetastet bleiben.“

Der älteste noch teilweise lesbare Grabstein stammt aus dem Jahr 1770. Besonders ist der Grabstein von Lena Leib, geborene Gerson. Sie ist nur 30 Jahre alt geworden und am 29. September 1875 gestorben. Ihr Grabstein ist auf der Vorderseite in Hebräisch und auf der Rückseite in Deutsch geschrieben. Darauf ist ein Gedicht verewigt, indem es unter anderem heißt: „Liebe Gattin und theure Mutter Engel jetzt in Himmelshöhen,….In Sehnsucht wandern wir hienieden Bewusst vom einstigen Wiedersehen.“

Wie alt der Friedhof genau ist, ist nicht bekannt. Fakt hingegen ist, dass in Neumagen-Dhron schon im 15. Jahrhundert Menschen jüdischen Glaubens lebten, direkte Nachweise zum Friedhof stammen aus dem 17. Jahrhundert. Das letzte Grab, das noch vorhanden ist, stammt aus dem Jahr 1938, hier wurde Julie Juda, geborene Salomon, beerdigt.

Wenige jüdische Symbole sind auf den Grabsteinen in Neumagen-Dhron zu sehen, vereinzelt gibt es Davidsterne. Auf einem Grabstein ist eine Kanne, als Zeichen für die Leviten, die Waschungen im Tempel durchführen durften. Der letzte jüdische Lehrer Moses Grünwald ist hier begraben. Typische Namen auf dem Friedhof sind Hirsch, Bonem, Leib, Juda oder Mayer.

Es gibt eine Gedenk- und Informationstafel am Eingang des Friedhofs und in der Bogengasse, in der die Synagoge war.

Die jüdische Geschichte ist in Neumagen-Dhron von einem Arbeitskreis aufgearbeitet worden, den Günter Leitzgen angestoßen hat. Zuvor hatte sich schon Franz Bozet mit dem Thema beschäftigt, unter anderem in der Chronik des Ortes. Sehr engagiert ist zudem die Realschule plus, die 2017 ein Großprojekt, bei dem die gesamte Dorfgemeinschaft miteingebunden war, organisiert hat. Bis heute arbeiten die Schüler an Themen, um Vorurteile aufzubrechen, unter anderem mit einem Podcast, dessen erste Folge von der „Jüdin Emilia“ handelt. Das in Wittlich ansässige Emil-Frank-Institut organisiert zudem Führungen.

Viele Juden aus Neumagen-Dhron sind in die USA oder nach Israel geflohen, aber auch in deutsche Großstädte. Deportiert wurden die Hiergebliebenen ins Ghetto Litzmannstadt nach Polen und nach Theresienstadt in Tschechien in den Jahren 1941 und 1942.