Der Jugendstil hat ein neues Zentrum

Traben-Trarbach : Der Jugendstil hat ein neues Zentrum

Im Traben-Trarbacher Brückentor wird der Stadtplaner  Bruno Möhring gewürdigt. Neben dem Museum soll ein Restaurant eröffnen.

Wenn in diesen Tagen die Rede auf Traben-Trarbach kommt, dann hat das in erster Linie mit der Bunkeranlage auf dem Mont Royal  zu tun, die über Jahre hinweg voller krimineller Energie steckte (der TV berichtete mehrfach) und auch weiter in den Schlagzeilen ist. Dabei gibt es in der Stadt Gebäude, in die engagierte und friedlich gestimmte Leute gute Energie transferieren. Dazu gehört das markante aber seit geraumer Zeit weitgehend ungenutzte Brückentor. Entstanden ist es  in der Zeit des Jugendstils. Damals, am Ende des 19. und Anfang des 20.Jahrhunderts blühte Traben-Trarbach und war weltweit hinter Bordeaux die zweitwichtigste Weinhandelsstadt. Zahlreiche prachtvolle und architektonisch herausragende Bauten aus dieser Zeit sind noch heute Zeugen dieser Zeit. Aus dieser Zeit stammen auch die Brücke, die ihr Aussehen allerdings verändert hat, und das Brückentor auf der Trarbacher Moselseite. Für all die Pracht zeichnet der Architekt und Stadtplaner Bruno Möhring (1863-1925) verantwortlich. Ihm hat die Stadt nun ein kleines Denkmal im Brückentor gesetzt: unter anderem Pläne und Fotos aus seiner Schaffenszeit, die sich vor allem auf Berlin, das Ruhrgebiet und eben auf das im Vergleich kleine Traben-Trarbach konzentrierte.

Stadtbürgermeister Patrice Langer ist froh, dass er mal wieder über etwas Positives berichten kann. „Denkwürdig, großartig, einmalig. Wir haben jetzt etwas, was andere nicht haben“, sagt er. Zu verdanken sei dies vor allem Heidrun Bernitt. „Sie ist die zentrale Figur“, lobt Langer die Tätigkeit und das Engagement der Diplom-Designerin aus Bernkastel-Kues. In monatelanger ehrenamtlicher Arbeit hat sie alles zusammengetragen, was über und zu Bruno Möhring greifbar war. Sie habe sich so reingehängt, dass er sie schon mal „Frau Möhring“ genannt habe, berichtet der Stadtbürgermeister. Bernitt hatte die Idee, das Brückentor wiederzubeleben. Sie kannte es bereits aus früheren Jahren von Ausstellungen. Die Planungen seien aber nicht einfach gewesen, manche Träume seien geplatzt, sagt Patrice Langer. Mit dem ursprünglichen Plan, im Brückentor einen Ort für Kleinkunst und Konzerte sowie, quasi als begleitendes Element, eine Vinothek einzurichten, habe man „Schiffbruch erlitten“. Der in einem Hotel tätige Nils Georg habe dann die Idee gehabt, dort Bruno Möhring zu würdigen. Eine umfassende Aufar­beitung und Dokumentation der Arbeiten und des Lebens des Mannes aus Berlin gab es bisher nicht. Im Brückentor können sich nun Interessierte informieren. Sie finden dort neben Fotos von Möhrings  Arbeiten auch Baupläne, Fotos und eine Chronik seines Lebens. Und die Arbeit geht nicht aus. „700 Fotos habe ich noch auf meinem PC“, sagt Bernitt.

Schaffen  Möhring hat in Traben-­Trarbach die Brücke samt Brückentor und mehrere prachtvolle Villen geplant. Den Beginn machte die Brücke. Möhring hatte Ende des 19. Jahrhunderts einen für den Bau ausgeschriebenen Architektenwettbewerb gewonnen. Die Brücke wurde 1899 fertig. Durch sein Wirken an der Mosel entstand der Kontakt zu den reichen Weinhändlern in Traben-Trarbach. Nacheinander gaben sie außergewöhnliche Bauten in Auftrag. Geld spielte damals offenbar keine Rolle. Nicht umsonst gilt Traben-Trarbach als Perle des Jugendstils. Das Brückentor ist zwar hoch, von einer Wand zur nächsten sind es aber nur wenige Meter. Der Platz ist begrenzt. Deshalb beginnt die Ausstellung auch schon im Eingangsbereich und zieht sich über das Treppenhaus nach oben. Die Hauptfläche ist im zweiten Obergeschoss, von wo die Besucher auch auf die Brücke und die Mosel schauen.

Gastronomie  Es wurde eine Gastronomin gefunden, die im ersten Obergeschoss, das auch über eine Küche verfügt, ein Restaurant betreiben wird. Damit, so Langer und Bernitt, seien auch regelmäßige Öffnungszeiten des Museums gewährleistet. Nach einem offenen Wochenende am vergangenen Samstag und Sonntag, soll das Museum erst wieder zu besuchen sein, wenn im November das Restaurant eröffne.

Ein Wahrzeichen der Stadt Traben-Trarbach: Im Obergeschoss des Brückentores wurde eine Ausstellung zur Würdigung des Stadtplaners Bruno Möhring installiert. Im November soll dort zudem noch ein Restaurant eröffnen. Foto: Winfried Simon/m_mo <m_mo@volksfreund.de>

Museum Der Museumsbesuch ist kostenlos, Spenden sind willkommen. Heidrun Bernitt wird Möhrings Werk weiter aufarbeiten. Unterstützt wird sie von einem Förderverein, der sich über weitere Mitförderer freuen würde.

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