Der Kirchturm bleibt in Binsfeld, das Gasthaus nicht

Gastronomie : Der Kirchturm bleibt in Binsfeld, das Gasthaus nicht

In Binsfeld sieht es düster aus für ein Restaurant. Wegen Personalmangels haben die Inhaber die Schließung beschlossen.

„Wir haben beschlossen unser Restaurant ab 1. Juli zu schließen“, sagt Frank Born, der gemeinsam mit Ehefrau Michelle das Restaurant „Zum Weissenstein“ in Binsfeld betreibt. Nicht etwa, weil es nicht gut läuft, sondern weil sich kaum mehr Personal finden lasse.

Fachkräftemangel ist in Deutschland schon lange ein Thema. Manche Betriebe trifft es dabei besonders hart. Vor allem Gastronomiebetriebe können ein Lied davon singen. Nach der jüngsten Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier „sehen 80 Prozent aller Betriebe den Fachkräftemangel als das größte Risiko der wirtschaftlichen Entwicklung an“, sagt Anne Morbach, Tourismusreferentin der IHK Trier. „Dass nun ein Betrieb wegen Personalmangel schließen muss, ist natürlich keine Option und war uns auch bisher nicht bekannt“, sagt die IHK-Referentin.

Doch in Binsfeld haben sich nun die Inhaber entschlossen, den langjährigen Familienbetrieb dicht zu machen. 50 Jahre lang gibt es das Restaurant „Zum Weissenstein“. „Wir haben den Betrieb 1997 in dritter Generation übernommen“, sagt Frank Born. Schon vor zwei Jahren habe man erstmals über eine Schließung nachgedacht, denn die Situation mit dem Personal sei seit Jahren immer schwieriger geworden. Aber dann habe man doch weitergemacht, allerdings mit reduziertem Angebot, das heißt: weniger Aufträge, wie Betriebsfeste oder andere Veranstaltungen, angenommen.

200 Sitzplätze hat das Restaurant, aber mit heute nur noch fünf Mitarbeitern deutlich zu wenig Personal. „Normalerweise hatten wir durchschnittlich 16 Angestellte und wir waren auch ein Ausbildungsbetrieb“, sagt Born, „die Arbeitseinstellung war früher anders.“ Seit rund fünf Jahren arbeite er hauptsächlich mit ausländischem Personal, deutsche Kräfte seien gar nicht mehr zu bekommen und am Wochenende wolle keiner mehr arbeiten.

Das sieht Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland-Pfalz (Dehoga) etwas anders: Man habe bei einer Arbeitslosenquote von unter drei Prozent fast Vollbeschäftigung, durch die demografische Entwicklung stünden weniger Arbeitskräfte zur Verfügung und man habe heute wesentlich höher gebildete Jugendliche, die sich ihre Stellen aussuchen könnten. Das Hauptbeschäftigungshindernis sieht der Dehoga-Präsident im Saisonbetrieb. „Viele Studien belegen, dass der Tourismus in Rheinland-Pfalz für die Dauer von rund sechs Monaten unterdurchschnittlich ist.“ Das sei mit ein Grund, warum viele Mitarbeiter im Winter in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. Haumann: „Deshalb arbeiten wir daran, dass das Gastgewerbe als Saisonarbeitsbranche von der Landesregierung anerkannt wird“, fordert Haumann.

Ähnlich wie im Baugewerbe oder in der Landwirtschaft könnten dann in der Tourismussaison Überstunden angesammelt werden, die im Winter mit Freizeit abgebaut werden könnten, so dass die Mitarbeiter bei gleichem Lohn nicht nur in der Saison, sondern rund ums Jahr beschäftigt sein würden.

Zudem habe der Dehoga eine „Offensive zum Erhalt der Wirtshäuser im ländlichen Raum“ gestartet. „So wie in jedes Dorf ein Kirchturm gehört, so gehört ebenso eine Gaststätte oder Kneipe dazu. Das ist die beste kommunale Daseinsvorsorge für die Bürger in diesen Dörfern“, sagt Haumann. Natürlich sieht der Dehoga-Chef die Schließung eines Betriebes als „die schlimmste Konsequenz“.

„Sehr, sehr schade“, findet auch der erste Beigeordnete der Gemeinde Binsfeld, Werner Pitsch, das Ende des Restaurants „Zum Weissenstein“. „Der Wirt hat auch älteren Menschen Essen gebracht, was passiert nun damit? Und es ist nichts mehr da, wo man zum Frühschoppen gehen kann“, beklagt der 72-Jährige.

Ebenso sei es nun schwierig, Familienfeiern jeder Art zu unternehmen, sagt Ortsbürgermeister Walter Faber. „Das Restaurant hatte 200 Sitzplätze, aber in der Mehrzweckhalle, auf die man ausweichen könnte, ist nur Platz für 70 Menschen.“ Das Restaurant habe als Treffpunkt und Kommunikationsplatz gedient und nun habe man einen wichtigen Infrastrukturteil verloren, sagt Faber.

Frank und Michelle Born sind indes entschlossen: „Wir werden arbeiten gehen und später das Gebäude zu Wohnungen umfunktionieren“.

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