Der kleine Mann und seine Bank

Diese zweite, höchstpeinliche Niederlage innerhalb von noch nicht einmal zwei Jahren wird noch lange nachwirken. Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Zeller Land können jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Die Mitglieder haben den Chefs ihrer Bank schlichtweg das Vertrauen entzogen. Auf dem Papier steht: 42 Prozent sind gegen die Fusion. Es ist aber anzunehmen, dass ohne das "Spiel" mit den Vollmachten - die Bank hatte von den 1333 Vollmachten selbst die weitaus meisten eingeholt - nicht einmal die einfache Mehrheit erreicht worden wäre. Vor zwei Jahren haben die Mitglieder dem Vorstand und Aufsichtsrat ziemlich deutlich gesagt, "das wollen wir nicht". Es war damals schon kein knappes Ergebnis, sondern ein eindeutiges. Dennoch hat die Bankleitung erneut das Abenteuer gewagt. Mit den bekannten Folgen. Die Bank hat wieder völlig umsonst sehr viel Energie und Geld investiert, die an anderer Stelle in dieser Zeit gefehlt haben. Entscheidend für dieses Votum war sicherlich das Missfallen der Mitglieder, in Zukunft weniger Einfluss ausüben zu können. Versammlungen, wo jedes Mitglied abstimmen kann, hätte es nicht mehr gegeben. Das ist ja letztlich der Genossenschaftsgedanke: Der "kleine Mann" kann mit seiner Stimme mitentscheiden. Man kann darüber streiten, ob das bei Unternehmen dieser Größenordnung sinnvoll ist. Es ist aber nun mal so, und wer den "kleinen Mann" mit seinen Sorgen nicht ernst nimmt, wird, wie geschehen, bestraft. Noch einmal zur Versammlung am Montagabend: Offenbar hat die Bank immer noch nicht aus den Fehlern gelernt. Der Umgang mit den Kritikern war ignorant und nicht souverän. Sogar vor Gericht wurde gestritten. Vor allem Aufsichtsratsvorsitzender Müller machte keine gute Figur. Kritiker jedesmal besserwisserisch abzubügeln und teilweise sogar lächerlich zu machen, ist kein guter Stil. Außerdem konnte Müller, der neue "Star" in der Cochem-Zeller Kommunalpolitik, nicht erklären, warum er zuvor gegen die Kreissparkassen-Fusion gewettert hat und jetzt so dafür ist, wenn es um "seine" Bank geht. Dennoch: Die Hauptverantwortung für das Desaster trägt der Vorstand. w.simon@volksfreund.de

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