Der Kopf entsteht im Kopf

TRABEN-TRARBACH. Ob Sandstein, Ton oder Schnee - der Bildhauer Jürgen Waxweiler aus Traben-Trarbach hat schon vielen Materialien eine eigene Form gegeben. Bevorzugtes Motiv sind dabei Köpfe in vielen Variationen.

Wer das Grundstück von Jürgen Waxweiler in Traben-Trarbach betritt, fühlt sich beobachtet: Zahlreiche Köpfe stehen schon draußen im Hof vor dem Atelier und fixieren den Besucher mit ihren steinernen Augen. Auch im Atelier und in den Ausstellungsräumen sind Köpfe überall präsent. Meist Sandstein. "Ich komme gut damit zurecht", Sandstein sei homogen und feinkörnig, begründet Waxweiler seine Vorliebe für dieses Material. Dabei haben viele Steine, aus denen er seine Kunstwerke schafft, schon eine Geschichte. Oft sind es Simse, Fensterbänke oder andere Fragmente alter Gemäuer. Bevor ein roher Block eine Gestalt annimmt, vergeht bei Waxweiler noch etwas Zeit. "Ich sehe mich in den Stein hinein", beschreibt er den Prozess bis zum Beginn eines neuen Werkes. Aber auch nach Beginn der Arbeit arbeitet er nicht ununterbrochen an einer Skulptur.Vor der eigentlichen Arbeit an dem Stein steht häufig auch eine Zeichnung. Eine solche, überlebensgroße, hängt in seinem Atelier. Ihr Abbild findet sich in den Skulpturen wider .Viele Arbeiten ohne Auftrag

Viel seiner Arbeiten, die Waxweiler auch verkauft, macht er ohne Auftrag. Ob mit oder ohne Auftrag - immer achtet er darauf, dass seine persönliche Handschrift erhalten bleibt. Neben vielen Skulpturen, die keine bestimmte Physiognomie darstellen, schafft der Bildhauer auch Abbilder nach Modellen, wie zum Beispiel Peter Wust, dessen Konterfei in dem gleichnamigen Gymnasium in Wittlich zu finden ist.Andere Gelegenheiten künstlerisch tätig zu werden, bieten Bildhauersymposien, beispielsweise in Wittlich. Der dort entstandene "halbe" Kopf hat seinen Blick auf die Säubrennerstadt, in der Waxweiler geboren und aufgewachsen ist, gerichtet. Wieso immer nur Fragmente des menschlichen Körpers? "Das Fragment genügt meistens, um das Ganze zu zeigen", antwortet der 42-Jährige.Extreme Hitze, klirrende Kälte - solche äußeren Faktoren können Waxweilers Schaffenskraft nicht beeinträchtigen: In Kanada nahm er bereits zweimal an einem Schneebildhauersymposium teil. Bei Temperaturen von bis zu 30 Grad minus hat er dort Schneeblöcke von drei mal drei Metern bearbeitet. Diese Kunstwerke sind nicht von Dauer, gleich nach dem Symposium werden sie schon aus Sicherheitsgründen wieder zerstört. Den besonderen Reiz solcher Veranstaltungen beschreibt Waxweiler auch mit dem Kontakt zu Bildhauerkollegen aus aller Welt, die dort zusammentreffen.Der Raum spielt eine wichtige Rolle

Eine wichtige Rolle spielt bei Waxweilers Skulpturen auch immer der Raum, in dem die Kunstwerke gezeigt werden. Das wird zum Beispiel bei seinen "nächtlichen Besuchern", Traumwesen mit unterschiedlichen menschlichen und tierischen Köpfen deutlich. Eine besonderes glückliche Fügung, in der Kunst und Architektur zusammenpassen, stellt ein Foto dar: In einem Saal der Uni Göttingen konnten die Köpfe zwischen zwei Fensterscheiben perfekt platziert werden und ihre Blicke auf die Menschen in dem Saal richten.Um erfolgreich als Künstler zu arbeiten, ist für Waxweiler auch Disziplin unumgänglich. "Früh aufstehen", antwortet er auf die Frage nach dem Arbeitsalltag. Neben der Arbeit im Atelier muss er sich noch um geschäftliche Dinge und um Werbung oder Pressearbeit kümmern.Daneben sucht er auch den Kontakt zur Kultur-Szene in Metropolen wie München oder Dresden - zwei Städte, in denen er Bildhauerei studiert hat.Näheres über den Künstler Jürgen Waxweiler bietet ein Beitrag in der Sendung "Hierzuland" im dritten Fernsehprogramm am Montag, 2. Februar.