Der Lärm rückt näher

MORBACH. Der Hahn kommt - näher an die Gemeinde Morbach heran. Bei einer Einwohnerversammlung in der Baldenauhalle informierte die Flughafen Frankfurt Hahn GmbH rund 60 Zuhörer über die geplante Start- und Landebahnerweiterung. Vor allem wegen der zu erwartenden höheren Lärmbelastung gab es einige kritische Nachfragen.

Am nächsten Montag muss der Morbacher Gemeinderat eine wichtige Entscheidung über ein "heiß diskutiertes Thema", wie es Bürgermeister Gregor Eibes formulierte, fällen. Gefordert ist dann eine Stellungnahme der Einheitsgemeinde zum Planfeststellungsverfahren für den Ausbau des Flughafens Hahn.Um rund 800 Meter auf dann 3800 Meter will die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH die Start- und Landebahn verlängern, damit auch schwere Frachtmaschinen den Hunsrück-Flughafen anfliegen können. "Neben dem Billigflug-Verkehr brauchen wir den Frachtverkehr als zweites Standbein", begründete Flughafen-Geschäftsführer Andreas Helfer am Dienstag in der Baldenauhalle die aus seiner Sicht ökonomische Notwendigkeit des Bauprojekts.Diese Startbahn-Verlängerung soll in südwestliche Richtung erfolgen - und damit rückt der Flughafen dem Gemeindegebiet von Morbach ein gutes Stück näher. Vor der Ratsentscheidung sollten deshalb die Bürger darüber informiert werden, welche Auswirkungen die Startbahn-Erweiterung auf die Gemeinde Morbach haben wird. Autofahrer wird zunächst die Verlegung der B 327 betreffen, die während der Bauphase der Startbahnerweiterung eine großräumige Umleitung erforderlich macht. Klimarelevante Veränderungen durch vermehrte Abgas-Emission der Flugzeuge wären aber nicht zu befürchten, berief sich Helfer wenig später bei der Beantwortung einer Zuhörer-Frage auf ein Experten-Gutachten.Mehr Besorgnis wurde bei einem weiteren Aspekt des Flughafen-Ausbaus deutlich. "Wird es nicht zu einer deutlichen Vervielfachung des Fluglärms kommen?", wollten mehrere Bürger wissen. Darauf gab es eine klare Antwort: "Keiner wird Ihnen einreden wollen, dass es bei uns nicht mehr Lärm geben wird", sagte Eibes. Das belegten auch die Prognosen, die Helfer vorlegte. Die Zahl der Flugbewegungen wird sich - den Ausbau vorausgesetzt - von derzeit jährlich 25 500 auf 73 000 im Jahr 2015 erhöhen. 60 Frachtmaschinen werden dann täglich auf dem Hahn starten oder landen, davon 35 in der Zeit von 22 bis 6 Uhr.Gemeinde fordert Lärmschutz in drei Ortsbezirken

"Zentrale Frage für uns ist, welche Lärmschutzmaßnahmen durch die Zunahme des Frachtverkehrs in unserer Gemeinde notwendig sind", betonte Eibes. Für einige Verwirrung und Nachfragen unter den Zuhörern sorgte in diesem Zusammenhang das Ergebnis eines lärmmedizinischen Gutachtens. Denn wegen des Fehlens konkreter gesetzlicher Vorgaben wurden dort gleich mehrere Grenzwerte zu Grunde gelegt. "Hundheim, Wederath und Hinzerath liegen außerhalb des Bereichs, in denen mehr als 13 Mal in der Nacht ein Maximalpegel von 68 dB(A) erreicht wird. Bei Überschreitung dieses präventiven Richtwerts wird Schallschutz empfohlen", erklärte Ulrike Müller von der Flughafen-Betreibergesellschaft anhand einer Landkarte, auf der das Schallschutzgebiet graphisch dargestellt war. Eine weitere Linie bezeichnete jedoch ein Gebiet, das betroffen wäre, wenn ein weiterer Grenzwert (6 Mal 67 dB(A)) berücksichtigt wird, der in einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Koblenz festgelegt wurde. Dann liegen die drei Ortsbezirke zumindestens teilweise innerhalb des Schallschutzgebiets.Dieses Urteil will die Gemeinde für ihre Stellungnahme nutzen. Eibes betonte zwar, dass man aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung des Hahns für die Region grundsätzlich das Bauvorhaben unterstützt, die Einrichtung von Lärm-Messstationen sowie Lärmschutzmaßnahmen in Hundheim, Wederath und Hinzerath als erforderlich ansieht. "Das ist die Beschlussvorlage für den Gemeinderat am Montag", informierte Eibes.Ob die Flughafen-Gesellschaft diese Lärmschutzmaßnahmen, zum Beispiel den Einbau von verstärkten Fenstern, freiwillig vornehmen würde, wurde Helfer von einem Zuhörer gefragt. Dieser verwies jedoch auf das bürokratische Prozedere. Das Planfeststellungsverfahren, also der Antrag auf Baugenehmigung, müsse vom Landesbetrieb Straßen und Verkehr beurteilt werden. Doch nur für den Fall, dass die Behörde den Flughafen-Ausbau mit Auflagen für Lärmschutz in den drei Ortsbezirken verknüpfen würde, sieht Helfer auch Handlungsbedarf. "Dann würden wir das ohne Murren umsetzen und auch bezahlen."Ob er sich dann denn auch ein Haus in Hundheim kaufen würde, fragte eine Bewohnerin zum Schluss den Flughafen-Chef."Ja, weil ich wüsste, dass es im Wert steigen würde", antwortete Helfer, erntete mit dieser Aussage aber nicht nur Kopfnicken.