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Führerschein: Der Lappen muss weg – So erinnern sich TV-Leser an ihren Führerschein

Führerschein : Der Lappen muss weg – So erinnern sich TV-Leser an ihren Führerschein

Die alten Führerscheine müssen umgetauscht werden, derzeit sind die großen grauen Scheine davon betroffen. Welche Erinnerungen haben Sie an ihren alten Führerschein, haben wir die Leser gefragt. Das sind ihre Antworten, teils fröhlich, teils traurig.

„Meinem alten, grauen ,Lappen‘ verdanke ich, dass ich von meinem ,von Gott angetrauten‘, 2017 verstorbenen und geliebten Mann einen Tag, bevor die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt wurden, Abschied nehmen durfte: Als Ministeriumsangestellter war er in der Uniklinik Bonn langzeitig in ambulanter und stationärer Behandlung. Hier in der Hocheifel angemessene Fachärzte oder Professoren neu zu finden war in der Kürze für ihn keine Option mehr. Als meine ehemalige Schwägerin in Trier informiert wurde, machten wir uns auf den Weg nach Bonn. Nur aufgrund des alten ,Lappens‘, indem mein erster Ehename in Schreibmaschinenschrift eingetragen war, erhielt ich den Zutritt zur Intensivstation. Denn: Alte Liebe(n) und alte Lappen rostet(en) früher nicht. Ob es eine Pflicht zur Nachtragung beziehungsweise Korrektur alter Daten gibt, ist mir noch immer nicht bekannt. Und ob im neuen EU-Führerschein Biografien nachvollziehbar werden, auch nicht. Gott sei Dank darf ich den Lappen, den Personalausweis leider nicht, behalten. Noch immer: Danke, lieber alter Lappen“ schrieb uns Marlene Blum-Heinen aus der Eifel.

„Mit 18 Jahren machte ich den ,Einser‘. Ich kaufte mir eine Vespa auf Raten, mein Vater musste noch ein paar Wechsel unterschreiben. Vespa fahren, eine tolle Zeit. Ohne Helm, mit flatternden Haaren, Wind um die Nase. Bis 2033 dürfte ich ihn behalten, ich glaube, mit 93 muss ich ihn nicht mehr umtauschen.“

Erika Dülmer, Trier

„Im Juni 1958 machte ich die Fahrprüfung für die damaligen Klassen eins, drei und vier. Somit besitze ich meinen ,grauen Lappen‘ annähernd 64 Jahre. Spätestens 2033 müsste er auf die heute gültige EU-Norm umgeschrieben werden. Ich erinnere mich noch gut an den Tag der Fahrprüfung, die in Speicher stattfand. Nach drei Motorrad- und sechs Autofahrstunden wurde ich zur Prüfung angemeldet. Mit einem NSU-Lux-Motorrad fuhr ich hinter Fahrlehrer und Fahrprüfer her kreuz und quer durch Speicher. Das Standgas am Motorrad war wohl sehr knapp eingestellt, so dass der Motor an jeder Kreuzung ausschaltete und bei Weiterfahrt wieder per Fußpedal neu gestartet werden musste. Bei dieser Verzögerung kam es dann vor, dass ich das voranfahrende Prüferfahrzeug aus den Augen verlor. In meiner Verzweiflung und in der Annahme, jetzt durchgefallen zu sein, fuhr ich zur Fahrschule zurück, um auf die Prüfer zu warten. Nach kurzer Zeit trafen diese ebenfalls dort ein, nachdem sie in einigen Straßen des Ortes nach mir gesucht hatten. Überraschenderweise gratulierten sie mir dann zur bestandenen Führerscheinprüfung und händigten mir die Unterlagen aus.

Nunmehr hatte ich die Möglichkeit, alle paar Wochen mit einem Motorroller nach Koblenz zur Bundeswehr zu fahren. Zu der Zeit galt noch keine Helmpflicht für Motorradfahrer. Als Kopfschutz zweckentfremdete ich also meinen Stahlhelm bei der Heimfahrt. So ändern sich die Zeiten!“

Klaus Hirschfeld, Herforst

„Nun soll ich ihn also abgeben/umtauschen, meinen alten grauen lappigen Führerschein. Vor 50 Jahren habe ich ihn gemacht; ich war 17 und in der letzten Klasse unseres Gymnasiums im nördlichsten Bundesland. Überreicht bekam ich ihn aber erst am 18. Geburtstag. ,Wie viele Lebensjahre, so viele Fahrstunden‘, hieß es damals über den Daumen gepeilt. 17 Stunden also für mich; das hatte bei mir haargenau hingehauen. Meine Mutter, die sich gleichzeitig mit mir zur Fahrschule angemeldet hatte, damals schon über 50 Jahre alt, glaubte dieses Maß für sich weit unterschreiten zu können. Aber mit zwei Wiederholungen ist sie doch so ziemlich auf ihre 50 Stunden gekommen. Jahrelang ist sie dann über die Dörfer zu abendlichen politischen und sozialen Veranstaltungen gegondelt, bis weit über 80, was ihren Kindern irgendwann gar nicht mehr so recht war. Allerdings fuhr sie dann im Alter auch wirklich mehr als vorsichtig, vermutlich nicht immer zur Freude der hinter ihr Fahrenden! So amüsierten wir uns herrlich darüber, dass sie einmal vor dem Einsteigen ins Auto den Geburtstagskuchen für eine Freundin oben aufs Autodach abgestellt hatte. Als sie bei ihrer Freundin ausstieg, war der Kuchen wohlbehalten immer noch da, oben! Die Trennung von ihren kleinen alten Polo fiel ihr dann aber doch nicht so schwer, da sie ihn ihrer ältesten Enkelin schenken konnte, die damit ihre Hochzeitsreise machte.“

Gesa Nortmann, Trier