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Der Leiter der Polizeiinspektion Morbach Hermann-Josef Decker geht nach 44 Jahren Dienstjahren in den Ruhestand.

Menschen : Auch als Pensionär trägt er Uniform

Hermann-Josef Decker ist als Leiter der Polizeiinspektion Morbach in den Ruhestand gegangen. Gemeinsam mit dem Volksfreund blickt er auf 44 Dienstjahre zurück und verrät, was er mit seiner neu gewonnenen Freizeit anfangen will.

Die Polizeiinspektion Morbach hat einen neuen Leiter: Steffen Gutendorf. Er wird am kommenden Freitag offiziell in sein Amt eingeführt. Sein Vorgänger Hermann-Josef Decker, kurz „Juppi“, ist seit Anfang Mai pensioniert. Und der 61-Jährige genießt seinen Ruhestand. Er sei selbst überrascht gewesen, wie leicht es ihm gefallen sei loszulassen. „Aber als ich meine Uniform abgeben musste, das war schon ein bisschen komisch“, versichert er. Und das ist kein Wunder. Denn der Erste Polizeihauptkommissar a.D., wie es heute offiziell heißt, ist immerhin 44 Dienstjahre Polizist gewesen, und das mit Leib und Seele. Im Vordergrund stand für ihn nach eigener Aussage  stets die „Sicherheit und das Wohlergehen“ der ihm Anvertrauten. Das habe für die Bürger ebenso wie für die Kollegen gegolten. Die meisten seiner Dienstjahre war er im Hunsrück stationiert. Lediglich in den Anfängen war er in Koblenz. Und zeitweilig zum Personenschutz nach Ludwigshafen abgeordnet – für den damaligen Ministerpräsidenten Helmut Kohl. So ganz unproblematisch war das damals nicht. Das sei schließlich zu „Zeiten von Christian Klar und der RAF“ gewesen. Doch Spektakuläres hat Decker davon nicht zu berichten. Der gebürtige Hermeskeiler, der mit seiner Familie ganz jung nach Morbach zog, erinnert sichan Ludwigshafen vor allem wegen „vieler Fußstreifen und abgelaufener Dienstschuhe“. In seiner Zeit bei der Bereitschaftspolizei war er zudem oft abgeordnet zu Demonstrationen wie an der Startbahn West und in Brockdorf. Für einen jungen Polizisten wie ihn seien das „ganz neue Erfahrungen“ gewesen.  Ihn habe es nie zu einem Bürojob oder einer Stabsstelle gezogen, er habe immer „Kontakt zu den Menschen“ gesucht. 1981 kam er zur Schutzpolizei nach Birkenfeld, zwölf Jahre später zur Polizeiinspektion (PI) nach Morbach, wo er rasch zum stellvertretenden Dienststellenleiter aufstieg.

Lange Jahre bildete er nach eigenen Worten ein „gutes Gespann“ mit seinem späteren Vorgesetzten Peter Werland. 2015 wurde er kurzfristig stellvertretender PI-Leiter in Baumholder. Ende 2016 trat er dann die Nachfolge von Werland in Morbach an und blieb dort bis zum Ruhestand.

In 44 Jahren hat er vieles erlebt. Ein Erlebnis, das ihm unvergessen bleibt, sei ein „schönes und schlimmes“ zugleich. Er war zu einem Unfall gerufen worden, bei dem Mutter und Tochter beteiligt waren. Sie waren zusammen feiern gewesen und hatten sich später getrennt. Die Tochter ging allein nach Hause. Die Mutter hatte weitergefeiert, später alkoholisiert den Heimweg mit dem Auto angetreten und dann die eigene Tochter angefahren. Diese war lebensgefährlich verletzt. Decker, der den Unfall aufnehmen musste, erinnert sich: „Die Mutter war völlig außer sich.“ Acht Wochen später besuchte er die Tochter, um sie zu befragen und war völlig überrascht: Diese hatte den Unfall ohne bleibende Schäden überstanden.

Hat er denn auch  Situationen erlebt, die für ihn gefährlich waren? Mehr als genug, sagt er. „Der Herrgott hat oft genug seine schützende Hand über mich gehalten.“ Einmal sei ein Mann mit dem Messer auf ihn losgegangen, ein anderes Mal sei ihm bei einer Radarkontrolle „jemand gegen die Handschellen“ gefahren, die er am Körper trug. Ein paar Zentimeter weiter, und es hätte böse enden können. Er könne von vielen solche Geschehnisse berichten, doch das Erzählen dramatischer Erlebnisse liegt dem bescheidenen Ehemann und Vater dreier erwachsener Kinder nicht.

Was hat sich denn in 44 Dienstjahren am Beruf des Polizisten verändert? Eine ganze Menge. Vor allem das Image. Früher sei er der Schutzmann gewesen, dem man Respekt entgegenbrachte. Heute sei man ein „Sicherheitsdienstleiter“, und mit dem Respekt sei das so eine Sache.

„Man muss schon anerkennen, dass die Polizei das Gewaltmonopol hat. Wir sind kein Debattierclub“, betont Decker weiter. Natürlich habe sich auch die technische Ausrüstung entwickelt. In den Anfängen seines Berufslebens habe es ein Fahndungsbuch gegeben, dass monatlich ausgetauscht wurde. Heute habe man innerhalb von kürzester Zeit Fotos von gesuchten oder vermissten Menschen und könne sie rasch verbreiten. Besonders gern habe er seine Funktion als Jugendsachbearbeiter ausgeübt. In der besten Zeit sei er für sieben Jugendhilfeeinrichtungen mit rund 70 Bewohnern zuständig gewesen. Es sei eine anstrengende Arbeit gewesen, aber sie habe ihm viel Freude gemacht. Da seien viele Spätdienste angefallen mit „Festen, Discos und Kirmes“. Man erreiche nicht jeden, der auf die schiefe Bahn gerate. Aber so mancher hat auch die Kurve gekriegt und sei heute ein „solider Familienvater“.

Und was hat sich durch seine Pensionierung geändert? Wenig, sagt er selbst. Der Terminkalender sei nach wie vor eng. Seine freie Zeit will der Großvater zweier Enkel seiner „großen Familie und seinen Hobbys widmen“. Ehefrau Sonja muss nicht fürchten, dass er sich nun im Haushalt einmischt. Decker: „Ich bin hier nur der Hausmeister.“ In den wenigen Wochen, die er bereits pensioniert ist, habe er immerhin seinen Hof neu gemacht. Zeit will er sich auch für seine Hobbys nehmen. Zahllosen jungen Menschen hat er bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Morbach das Schwimmen beigebracht. Und das ist ihm auch ein Anliegen: „Jeder lernt Fahrradfahren. Aber immer mehr Menschen können nicht schwimmen.“ Seit fast 50 Jahren engagiert sich das heutige Ehrenmitglied auch im Morbacher Musikverein. Er spielt dort Flügelhorn und Trompete. Da seine Tochter sich im Musikverein Weiperath engagiert, sei er dort jetzt auch Gastspieler.

 Eine Uniform ist ihm geblieben: Hermann-Josef Decker hat ab sofort mehr Zeit für Trompete und Flügelhorn (Foto).
Eine Uniform ist ihm geblieben: Hermann-Josef Decker hat ab sofort mehr Zeit für Trompete und Flügelhorn (Foto). Foto: Ilse Rosenschild

Abgesehen davon, dass die Musik ihm viel Freude macht, hat das Engagement im Musikverein Morbach einen weiteren Vorteil: Er muss nicht komplett auf das Tragen  einer Uniform verzichten.