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Der Lieserpfad hat einen Knick

 So sind die Tatsachen. Durch den Grenzzaun ist das Durchkommen teils beschwerlich. TV-Foto: Sonja Sünnen
So sind die Tatsachen. Durch den Grenzzaun ist das Durchkommen teils beschwerlich. TV-Foto: Sonja Sünnen FOTO: (m_wil )
Wittlich. Schon wieder eine Überraschung: Gerade haben die Wittlicher die Baumfällung an der Lieserbrücke verkraftet, jetzt müssen sie eine kleine Umverlegung des beliebten Fußwegs am Fluss unterhalb der Reithalle zur Kenntnis nehmen. Der Eigentümer des benachbarten Grundstückes sieht sich im Recht. Sonja Sünnen

Wittlich. Zu Fuß mit Fahrrad, Kinderwagen, Hund: Eine der beliebtesten Strecken, um in der Natur unterwegs zu sein, führt entlang der Lieser. Generationen von Wittlichern sind besonders den Abschnitt zwischen Stadtpark und Bastgen- alias Viezmühle entlang gelaufen: am Schwimmbad und Fußballplatz vorbei, dann an der Seite des Reitstalls und den später hinzugebauten Tennishallen. Und genau dort, kurz bevor man stadtauswärts über das Brückchen zur Hasen- alias Schachmühle gelangt, hat sich der Lieserpfad seit Donnerstag für Passanten unvorteilhaft verschoben: Zum Lieserufer hin ragt nun ein Holzgatterzaun über ein Stück des ehemaligen Wegs.
Für Passanten bleibt eine schmale teils schiefe Lücke zum Gelände der Reitanlage zwischen zwei Zäunen. Dazwischen verläuft nun der "neue" Weg. Der alte liegt schön flach und gekiest, aber abgesperrt daneben.
Wendehammer statt Wohnung


Zu Fuß muss man dagegen auf dem neuen Abschnitt, der nicht befestigt und abschüssig ist, vorsichtig sein, mit Kinderwagen kommt man nicht durch.
Ein 72-Jährige, die die Strecke täglich geht, ärgert sich: "Ich habe sofort bei der Stadt Bescheid gesagt, als die hier für die Pfosten gebohrt haben. Ich meine, so viel Verstand muss man doch haben, dass das zum Lieserpfad gehört? Selbst wenn das Stückchen eigentlich privat ist. Wenn das die Rache dafür ist, dass die hier keine Wohnungen bauen dürfen!" Sie geht langsam weiter und ruft: "Seien Sie vorsichtig!"
Das neu umzäunte Grundstück gehört zur Reithalle. Dort sattelt gerade Nina Konder ihr Pferd ab. Nach der Umzäunungsaktion gefragt sagt sie: "Damit habe ich nichts zu tun. Ich bin nur Pächterin."
Eigentümer ist seit 2011 Michael Wittschier aus Prüm (der TV berichtete). Er hatte unter anderem vor, über der Stallung zwei Wohnungen für Mitarbeiter zu errichten und hatte 2012 eine Bauvoranfrage gestellt, denn die Immobilie liegt im Sondergebiet für Erholung und Sport und Wasserschutzgebiet. Damals hatte die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord aus wasserrechtlichen Gesichtspunkten keine Bedenken.
Die Stadt Wittlich und die Kreisverwaltung allerdings sagten Nein zu den Plänen. Die Angelegenheit landete vorm Verwaltungsgericht Trier, das im Frühjahr 2015 entschied: Die Wohnungen sind nicht genehmigungsfähig.
Ein Rückschlag für den Eigentümer, der gegenüber dem TV behauptet, damals, als er die Anlage gekauft habe, habe ihm Leo Kappes von der Stadtverwaltung, der sich mittlerweile im Ruhestand befindet, unter Zeugen versprochen, er dürfe bauen. Auch zu anderen Umgestaltungs- und Modernisierungswünschen des damaligen Kaufinteressenten habe es geheißen: "Wenn Sie die Reitanlage kaufen, werden die erforderlichen Genehmigungen zeitnah und auf dem sogenannten kleinen Dienstweg erteilt."
Aus Wittschiers Sicht war genau das Gegenteil der Fall. So sollte er, sagt er, stattliche Vermessungskosten tragen, einen Zaun versetzen und einen Wendehammer für Wohnmobile auf seinem Grundstück zulassen. Er betont: "Insbesondere der Wendehammer erschien der Stadtverwaltung weit wichtiger als die Erhaltung oder Neugestaltung des Rad- und Wanderweges." Dort hat er nun mit der Neuumzäunung seines Grund und Bodens Fakten geschaffen: "Das ist eine Geschichte, die läuft über Jahre und findet jetzt ein Ende." So habe die Stadt ja ihr Vorkaufsrecht für das Grundstück zum Fluss ausüben können. Ihn ärgert wohl auch, dass, so sagt er "die Stadt Wittlich mit dem Entzug von gepachteten Weideflächen drohte, um ihre Interessen - etwa zum Wendehammer - durchzusetzen".
Seit zwei Jahren seien die Verhandlungen gescheitert. Die Stadt habe seither nicht versucht, das Ruder herumzureißen. Jetzt habe er nach und nach seine Grundstücke korrekt eingezäunt, zuletzt das strittige Stück. Dass es auf seinem Gebiet lag, habe er der Stadt schon früh mit markierten Fotos kenntlich gemacht. Als eine erste Reaktion der Stadtverwaltung am Tag eins nach der Aktion teilt Pressesprecher Jan Mußweiler mit: "Die Zaunanlage wurde vom Grundstückseigentümer aufgestellt und befindet sich offenbar auf seinem Grundstück. Die Verwaltung prüft nun, ob die Zaunanlage in dieser Form aufgestellt werden durfte. Die Situation ist deswegen besonders ärgerlich, weil dieser Weg seit Jahrzehnten Teil des Lieserpfades ist."