Der Mammutbaum ist weg

Es gibt Bäume, deren Holz soll Geld bringen, es gibt Bäume, die fällt ein Sturm. Und es gibt Bäume, die fallen, weil bald Weihnachten ist. Vermutlich deshalb haben Unbekannte einen Mammutbaum am Mundwald geschlagen, der drei Wittlicher Brüdern viel bedeutet.

Ein Hektar sind zwei Fußballfelder. So gesehen ist Wittlichs Stadtwald 2404 Fußballfelder groß, also gigantisch. Wo welcher Baum wächst, das weiß selbst Stadtförster Mario Sprünker sicher nicht ganz genau.

Im Falle eine Mammutbaums aber wissen es Andreas, Uwe und Bernhard Lützig. Im Mundwald nahe der Römischen Villa stand ihr Exemplar. "Ich habe den von einem Kollegen aus Trier. Der hat ihn aus Samen vom Yosemite Nationalpark in Kaliforniern gezüchtet. Erst stand er fünf Jahre bei mir im Garten im Kübel, dann haben wir ihn 2008 im Mundwald gepflanzt mit Erlaubnis von Förster Joachim Rodenkirch", sagt Andreas Lützig.

Nur ein hüfthoher Stumpf ist übrig geblieben



Er hat auf einem Blatt die wichtigsten Daten zum Leben des Baums aufgeschrieben. "Pro Jahr 1,40 Meter gewachsen!" steht zum Beispiel darauf. Damals, als er in den Wald kam, war er 1,20 Meter hoch, jetzt stolze vier Meter. "Der wird bis zu 3200 Jahre alt und 100 Meter hoch und in Europa bis zu 50 Meter", weiß Uwe Lützig - auch das steht auf dem Blatt. Fotos hat er auch: Jedes Jahr wurde das Wachstum mit einem Schild dokumentiert, ein Foto gemacht. Zuletzt wuchs er den Brüdern weit über den Kopf. Zwischendrin haben sie auch ein anderes, stolzes Exemplar fotografiert: auf dem Wittlicher Friedhof. So sollte der Brüderbaum auch einmal aussehen, wenn nicht noch größer. Doch das Fotoalbum endet mit einem hüfthohem Baumstumpf. Denn aus dem Projekt Riesenbaum wird jetzt nichts mehr. Am ersten Advent wanderten die Brüder wieder einmal zu ihrem Zögling. "Da war er weg. Wir haben immer gemeinsam nach ihm geguckt, ihn gewässert, damit er anwächst, uns um ihn gekümmert", sagt Uwe Lützig. "Wenn wir nicht wussten, wo geh'n wir hin?, dann hieß es: Zum Bäumchen! Das geht jetzt nicht mehr, wir sind richtig erschrocken. Ich nehme an, den hat jemand als Weihnachtsbaum geklaut?"

Die Brüder sagen: "Man sieht doch, dass das was Besonderes ist. Außerdem war er immer rundum freigeschlagen. So was macht man doch nicht", ärgern sie sich. Dass ihrem Mammut Gefahr droht, das wussten die Brüder: "Einmal kam ein Pärchen am Baum vorbei. Der Mann meinte, das sei doch ein schöner Weihnachtsbaum, den müsse er sich merken. Mensch, dabei war der Mammut doch so wunderbar!"

Trierer Baumvater hat 37 Zöglinge in Region verteilt

 Uwe Lützig zeigt: Das ist alles, was vom Mammutbaum übrig ist. Seine Brüder und Schwester Stephanie haben den Exoten oft besucht. An dreas Lützig (Bild unten) hat ihn fünf Jahre im Garten großgezogen. TV-Foto: Klaus Kimmling/privat
Uwe Lützig zeigt: Das ist alles, was vom Mammutbaum übrig ist. Seine Brüder und Schwester Stephanie haben den Exoten oft besucht. An dreas Lützig (Bild unten) hat ihn fünf Jahre im Garten großgezogen. TV-Foto: Klaus Kimmling/privat



Wittlichs Stadtförster Mario Sprünker hat von dem legendären Brüderbaum gehört: "Ich kenne den Baum jetzt. Dass er fehlt, ist Forstwirtschaftsmeister Martin Becker vor gut zwei Wochen aufgefallen. Wahrscheinlich ist er für Schmuckreisig geschlagen worden, etwa um Kränze zu binden. Dafür ist er sehr beliebt, weil er so außergewöhnlich ist." Mario Sprünker hat auch schon mit dem Trierer Baumvater gesprochen: "Der hat 37 Bäumchen gezogen. Einige stehen auch im Trierer Revier. Der Mann kennt alle Standorte seiner Bäume."

Falls die Wittlicher Brüder es wieder mit einen Mammut versuchen wollen, bietet der Stadtförster ihnen einen versteckteren Standort an. Andreas Lützig sagt: "Ja klar, das könnten wir machen. Aber das dauert dann wieder eine Ewigkeit. Und das war eine so schöne Stelle."

An besonders schöner Stelle steht auch Wittlichs Vorzeigeweihnachtsbaum auf dem Marktplatz. Er stammt aus dem Stadtteil Dorf: "Es ist eine reinrassige Colorado-Tanne, Abies concolor, auch Grautanne genannt", sagt Mario Sprünker. Im Stadtwald gibt es nur eine kleine Weihnachtsbaumkultur für den Eigenbedarf der Stadt, etwa für Kindergärten und Kirchen. Ansonsten, so Sprünker: "Es ist immer schwierig, einen zu finden, der gewachsen ist, wie gemalt."