Der Mann, der Wittlicher Geschichte schreibt

Der Mann, der Wittlicher Geschichte schreibt

Der vierte Band zur Wittlicher Geschichte ist in Vorbereitung. Der Historiker und nach eigener Aussage Urwittlicher Klaus Petry hat den Auftrag vom Kulturausschuss der Stadt bekommen und arbeitet sich derzeit durch das Material, das ihm Auskunft über die Zeit nach dem Krieg bis heute gibt.

Wittlich. Im Kellerbüro von Klaus Petry stapeln sich die Unterlagen. In der Mitte des Zimmers stehen etliche Karteikästen. Durch viele Reiter unterteilt, sind sie nach Themen geordnet. Das gemeinsame Thema aller Kästen: die Wittlicher Geschichte von der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute.
Veröffentlichung Ende 2014


All diese Unterlagen arbeitet der Historiker derzeit durch, denn er bereitet einen neuen Band über die Wittlicher Geschichte vor. "Es existiert doch mehr, als ich dachte", sagt Petry. Unter den Schriftstücken befinden sich viele Stadtratsprotokolle, die für ihn besonders aufschlussreich sind. Auch Artikel aus dem Trierischen Volksfreund, die Petry seit vielen Jahrzehnten sorgfältig archiviert, sind bei den Recherchen eine große Hilfe. "Das Schwierige ist, das alles durchzuarbeiten und sich auf das Wichtige zu konzentrieren." Das sei eine Art Sisyphos-Arbeit. Petry freut sich auch immer über besondere Fundstücke und Dinge, die ihm Menschen zur Verfügung stellen. Sei es ein Prospekt aus den 50er Jahren, alte Geldscheine oder eine Denkschrift über die Ausnutzung der Wasserkraft von Lieser, Alf und Ueß.
Das Wichtigste ist für den Historiker die Industrialisierung in Wittlich. Das sei der rote Faden, der sich durch das neue Buch ziehen müsse. Richtig losgegangen sei es damit Anfang der 70er Jahre mit dem Autobahnanschluss. Auch jetzt passiere wieder viel in Wittlich. Der Bau des Fürstenhofs, des Lieserdomizils oder die neue Stadthalle - vieles verändere sich.
Für Petry ist es nicht das erste Buch über die Wittlicher Geschichte. Schon drei Bände hat er verfasst. Der erste behandelt die Zeit von den Anfängen Wittlichs bis zur Mitte des 14. Jahrhundert. Der zweite beschäftigt sich mit den Jahren zwischen 1450 und 1815. Band drei gliedert sich in drei Teilbände und beschäftigt sich mit den Jahren zwischen 1815 und 1945 (siehe Extra).
Für Petry ist die aktuelle Arbeit besonders schwierig, weil er die Zeit selbst miterlebt hat. Da müsse er ganz neutral bleiben, und das falle manchmal schwer. Denn auch strittige Themen wie die Auseinandersetzung um den Bildhauer Scherl werden thematisiert. "Die Eigeninteressen treten da zurück", sagt Petry.
Bis das Buch erscheint, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Geplant ist die Veröffentlichung Ende 2014 oder im ersten Halbjahr 2015. Bis dahin muss der Forschere noch jede Menge Material sichten, was vermutlich bis zum Jahresende dauert. Dann erst wird geschrieben. Um das Layout kümmert sich seine Frau Renate. Und bevor das Buch in den Druck geht, muss es noch mehrfach Korrektur gelesen werden.
In welcher Auflage das neue Werk erscheint, ist laut Wittlichs Pressesprecher Rainer Stöckicht noch nicht abschließend geklärt. Man gehe aber von etwa 800 bis 1000 Stück aus. Im Haushalt 2013 sind keine Mittel für das Buch eingeplant. Wie Stöckicht sagt, soll das Buch refinanziert werden über Zuschüsse, die bei der Stiftung der Stadt Wittlich und anderen Stiftungen beantragt werden.
Extra

Der erste Band, der die Anfänge Wittlichs bis 1450 behandelt, wurde in einer Gemeinschaftsarbeit von Klaus Petry, Elisabeth von den Hoff, Karl-Josef Gilles und Gottfried Kortenkamp geschrieben und ist 1990 erschienen. Das Buch zum Preis von 20 Euro wurde in einer Auflage von 1000 Stück gedruckt. Rund 900 Stück wurden bisher davon verkauft. Der zweite Band mit der Geschichte von 1450 bis 1815 wurde 2002 in einer Auflage von 1000 Exemplaren verlegt. 750 Stück wurden bisher verkauft, Preis: 29 Euro. Dieser Band wurde ebenso wie Band drei von Klaus Petry alleine verfasst. Band drei, der die Jahre von 1815 bis 1945 behandelt, ist in drei Teilbänden erschienen. Die ersten zwei Teile kamen 2009 in den Handel in einer Auflage von 830 Stück zum Preis von zusammen 49 Euro. Der dritte Teil ist ebenfalls 2009 in einer Auflage von 1080 Stück zum Preis von 15 Euro erschienen. Davon wurden bisher 800 Stück verkauft. Alle Bücher sind im Alten Rathaus und im Buchhandel erhältlich. noj