Der mit dem Schwein tanzt

WITTLICH. Eine zentrale Figur im Säubrennerspiel der Kirmes ist der "Stächa-Mattes": Adi Kaspari verkörpert darin einen historisch belegten Sauhirten, der wunderbar singen kann.

Er war von Anfang an dabei: Adi Kaspari, der Inbegriff des Wittlichers. Sein Markenzeichen ist ein kleines Lied geworden, ein echter Ohrwurm auf die Melodie des alten Kaiser Wilhelm, das man nach dem Spiel am Freitag auf dem Markt noch viele singen hört, das Weinglas zum Prosten gehoben: "Ihr Leitscha loost de Schweinscha raus de "Stächa-Mattes" kimmt...". In Sandalen, zerfranstem Hemd und geflickter Hose, um die Brust eine Kette aus angeknabberten Mohrrüben, treibt der Sauhirt die Schweinchen über die Bühne in Wittlichs kleinem Amphitheater, dem umfunktionierten Bouleplatz im Stadtpark. Begonnen hat Adi Kaspari als Nachtwächter, damals, im Gässchen zwischen dem heutigen Dönerladen und dem Friseursalon Ehlen. Nach und nach erweiterte Regisseur Albert Klein das Spiel, seine Rollen und seine Schauplätze. Es kam einfach gut an, und wer als Kind von Wittlich etwas auf sich hält, muss schon mal Schweinchen oder - das doch zumindest - ein spielendes Kind in der mittelalterlichen Szenerie gewesen sein. Adi bevorzugt die Rollen, in denen das Wittlicher Platt besonders gebraucht wird. Als Partnerin sitzt der historisch belegte "Stächa-Mattes" zu Beginn des Spiels mit Maasen Dorth alias Rita Neukirch - "eine Idealbesetzung" - auf einer Bank und lästert ab: Ein bisschen über die Zeit von Wittlichs Eroberung, ein bisschen auch über Aktuelles, wie im vergangenen Jahr, als der Besuch von Oskar Lafontaine in einer Galerie der Kreisstadt zum Politikum wurde. Dann gibt es die Schweine, und es gibt DAS Schwein, das den Frevel mit der Mohrrübe begeht und damit die Kirmes erst verschuldet. Adi kennt die Darstellerinnen noch alle beim Namen. Viele Jahre hat den Job Sarah Peters gemacht, inzwischen eine junge Frau und rausgewachsen aus der verantwortungsvollen Aufgabe. Diesmal wird es Mareike Boor sein, die Tochter des Stadtschreibers. Wind und Wetter ficht die Darsteller nicht an, da muss man durch als Wittlicher. Nur einmal konnte Adi nicht mitspielen, 1999, als er am Dienstag vor der Kirmes ernsthaft erkrankte. "Für mich sind Kirmes und Fastnacht die beiden höchsten Feiertage im Jahr", sagt der Sauhirt, verschwindet nach oben und kommt, fesch gewandet im Mattes-Kostüm zurück zum Fototermin. Ein bisschen ist es wie an manchem Kirmesabend: Es blitzt und donnert und regnet aus Kübeln. Doch wie war das noch gleich? Das ficht uns doch nicht an!