Der modelnde Zahlenakrobat: Dirk Eis ist Tanzweltmeister, fotogen und für die Finanzen am Trierer Stadttheater zuständig

Der modelnde Zahlenakrobat: Dirk Eis ist Tanzweltmeister, fotogen und für die Finanzen am Trierer Stadttheater zuständig

Zahlreiche Pokale und Titel hat der gebürtige Bergweilerer Dirk Eis bei seinem Hobby, dem Showtanz gewonnen. Beruflich ist er Controller und modelt in seiner Freizeit. Bis zum März dieses Jahres watr er bei der Stadtverwaltung Trier angestellt, jetzt beim Stadttheater Trier. Intendant Karl Sibelius fand die Verbindung zwischen Kunst- und Zahlenverständnis fürs Theater sehr sinnvoll und stellte ihn ein. Wie er die Arbeit im Theater erlebt, was seine Aufgaben sind und was er noch vorhat, erzählt er im Interview.

Seit wann arbeiten Sie am Theater, und wo waren Sie vorher tätig?
Dirk Eis: Seit diesem Jahr im März bin ich da. Vorher war ich bei der Stadt Trier im Beteiligungscontrolling tätig. Dort habe ich unter anderem dabei mitgewirkt, städtische Ämter und Aufgaben in private Rechtsformen zu überführen oder deren Wirtschaftspläne zu überprüfen.
Welche Aufgaben haben Sie jetzt beim Theater Trier?
Eis: Unter anderem Produktionen kalkulieren, budgetieren und kontrollieren. Mit dem Spielplan wird das Budget aufgeteilt, was für Kostüme, Bühnenbild oder den Regisseur ausgegeben werden kann. Das geht natürlich nicht ohne Diskussionen. Da muss man klare Ansagen machen, denn auch wenige Hundert Euro Budgetüberschreitung gehen nicht. Aber gerade dieser Sparzwang sorgt bei den Verantwortlichen oft für neue Kreativität.
Worin unterscheidet sich die Arbeit als Controller beim Theater oder einer Verwaltung?
Eis: Man ist hier viel näher dran und kriegt viel mit vom Theaterbetrieb. Man sieht, wenn man mal bei Proben und Aufführungen dabei ist, was bei der eigenen Arbeit rauskommt. Und natürlich man lernt viele interessante Menschen kennen.
Sie sind als Tänzer mit der Showtanzformation Ragazzi 2013 Tanzweltmeister geworden. Wie passt das mit Ihrem Beruf als Controller zusammen?
Eis: Gerade weil es so unterschiedlich ist, ist es spannend. Vorher waren das Tanzen und der Beruf strikter getrennt, jetzt ist das näher zusammen. Ab und zu ein Abstecher in die Künstlerwelt gefällt mir, und das brauche ich auch, aber ich bin zu sehr BWLer und zu sehr auf Sicherheiten bedacht, als dass ich das beruflich machen wollte.
Tanzen Sie aktuell noch?
Eis: Nicht mehr so intensiv wie damals. Mit dem Weltmeistertitel habe ich mich gefragt, was noch kommen kann in dem Bereich. Ich tanze noch hin und wieder in Shows und Musicals, ansonsten mache ich viel Sport und werde auch für Modelaufträge gebucht.
Wie sieht das konkret im Finanzbereich aus?
Eis: Mehr Geld gibt es nicht. Also mit dem vorhandenen Geld das Bestmögliche erreichen und deshalb Dinge und Strukturen zur Seite schieben, und nachsehen, was dahinter ist.
Beim langfristigen Sponsoring beispielsweise geht es heute mehr um eine Gewinnsituation für beide Seiten.
Da werden unter anderem Pakete geschnürt, bei denen persönliche Erlebnisse wie Führungen, Meet and Greets und so weiter für einen ausgesuchten Kreis möglich gemacht werden.
Denn alleine das Logo auf der Eintrittskarte will heute keiner mehr.
Wie ist die Arbeitsatmosphäre im Theater Trier derzeit?
Eis: Sehr gut. Wir haben stressige Wochen hinter uns. Sowohl die Verwaltung, die Technik, als auch die Ensembles haben enorm viel geleistet. Jetzt sind wir auf einem Level, dass wir uns zusammensetzen und die Probleme angehen.
Wie ist Herr Sibelius im Arbeitsalltag?
Eis: Er weiß, was er will. Er hat gewisse Vorstellungen und möchte dann, dass wir überlegen, wie man es umsetzen kann. Lösungen statt Probleme. Er hat schon eine gewisse Hartnäckigkeit. Ein banales Beispiel ist die Gestaltung der Fassade zum Astarix hin. Erst sollte dort ein Banner sein, aber da wären eine Baugenehmigung, der Brandschutz und die Werbegestaltungssatzung zu beachten gewesen; viele hätten die Idee fallen lassen.
Doch nach vielen Überlegungen und Nachfragen haben wir eine Lösung gefunden: Ein SprayerKunstprojekt. Und jetzt ist die Fassade gestaltet.
Haben Sie noch Kontakte nach Bergweiler?
Eis: Viele Kontakte haben sich verlaufen, aber einige Verbindungen sind noch da. Mit manchen mache ich noch Sport, gehe in Konzerte, und meine Familie treffe ich natürlich da.
Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Eis: Bestenfalls soll alles in Verbindung bleiben, Auftritte als Tänzer, vielleicht bei der ein oder anderen Musicalproduktion, und die Zahlen, die zwar manchmal träge sind, aber Sicherheit geben. chbExtra

Geboren wurde Dirk Eis 1978 in Wittlich. Während der Grundschulzeit in Hupperath und dem Besuch der Realschule in Wittlich hat er erste Tanzerfahrungen in Gladbach und Sehlem gemacht. Nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann besuchte er die Fachhochschule Trier und absolvierte ein berufsintegriertes Studium der Verwaltungs- und Betriebswirtschaft bei der Kreisverwaltung Bernkastel- Wittlich. Bei der Stadtverwaltung Trier arbeitete er anschließend im Beteiligungs controlling. Parallel dazu kam der tänzerische Wechsel nach Kaiserslautern und Schwetzingen. Ab 2010 tanzte er in Limburg und unterrichte als Tanzdozent Vereine, Verbände sowie unter anderem in der Ballettschule Lichter, Bernkastel-Kues, und in der Ballettschule Bernadette Wacht, Trier. 2012 begann er ein Fernstudium im Masterstudiengang Ökonomie-Management. Im März 2015 wechselte er zum Theater Trier als Referent für Finanzen, Marketing und Vertrieb. chb

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