Kriminalroman: Der Mörder, der Gärtner und der böse Wolf

Kriminalroman : Der Mörder, der Gärtner und der böse Wolf

Die wilden Raubtiere faszinieren Michael E. Vieten. So sehr, dass sie in seinem neuesten Krimi eine der Hauptrollen spielen. Privat liebt es der Autor, der im Hochwald lebt, weniger gruselig.

„Wenn ich nach Hause komme, lege ich zuerst mein Portemonnaie auf den Tisch, nehme den Einkaufszettel vom Supermarkt und hefte ihn ab.“ Mal ehrlich: Was glauben Sie, hat der Mann, der dies über sich sagt, für einen Beruf? Buchhalter? Bankkaufmann? Falsch. Michael E. Vieten aus Thalfang ist Autor. Er schreibt täglich von 10 bis 17 Uhr an seinem Computer. Anschließend kocht er für sich und seine Lebensgefährtin.

Klingt nicht gerade spannend. Vieten braucht diese Strukturen, wie er sagt, im Kontrast zur „ungeordneten Welt draußen“. Und womöglich zur Welt in seinen Büchern, wo Menschen von Bösewichtern und wilden Tieren bedroht werden.

So wie in seinem jüngsten Krimi „Christine Bernard – Die Legende vom bösen Wolf“, in dem eine junge, unerfahrene Trierer Kommissarin die Hauptrolle spielt. Die Protagonistin mit interessanter Herkunft – Mutter Portugiesin, Vater Luxemburger – und ihr Team müssen einen gruseligen Fall aufklären, insgesamt übrigens bereits den sechsten. Ein Mann ist im Kempfelder Wolfsgehege, Kreis Birkenfeld, von den Raubtieren zerfleischt worden.

Sind Wölfe blutrünstige Killer oder tatsächlich zumindest für Menschen harmlose, aber faszinierende Tiere? Diese Frage treibt Christine Bernard um. Eine Frage, die derzeit auch in ganz Deutschland diskutiert wird. Überall da, wo Wölfe auftauchen oder zumindest auftauchen könnten.

Da ist von Managementplänen für Wölfe oder von Abschussquoten die Rede, während Naturschutzverbände den Wolf in Deutschland wieder heimisch machen wollen. Im Fokus steht die Frage, wie der Mensch mit dem Wolf umgeht.

Für Vieten ist die Antwort klar: „Kein Lebewesen, auch der Mensch nicht, hat das Recht, anderen Lebewesen den Lebensraum zu verweigern.“ Und bezieht damit eindeutig Stellung in der Auseinandersetzung um die Frage, ob Wölfe auch in der Region eine Daseinsberechtigung haben. Früher lebten sie hier nämlich. Vieten weist darauf hin, dass der letzte Wolf in Rheinland-Pfalz 1879 im Hochwald erschossen wurde. Übrigens in der Nähe von Deuselbach am Fuße des Erbeskopfes. An der Stelle steht sogar ein Hinweisschild.

Nicht zum ersten Mal beschäftigt sich Vieten mit den Raubtieren. Das Schicksal des letzten Wolfs im Land hat ihn bereits  zu der Erzählung „Der letzte Wolf des Hochwalds“ inspiriert, die er in seiner Mystery-Sammlung „Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt“ veröffentlichte. Worin liegt für Vieten die Faszination dieser Tiere? „Da steckt ein Stück Urangst drin.“ Es gebe schließlich nur wenige Tiere, die für Menschen lebensbedrohlich sein können.

Mystery-Themen sind auch das zweite schriftstellerische Standbein des gebürtigen Düsseldorfers. Denn die Welt bestehe nicht nur aus Dingen, die Menschen wahrnehmen und sich erklären können, ist er überzeugt.

So lässt er sich vor größeren Entscheidungen stets von seiner Mutter die Tarot-Karten legen. Und die Mutter liege auch immer richtig. So zum Beispiel auch im Jahr 2011, als er vor der Entscheidung stand, seine IT-Firma zu verkaufen. Denn der 56-Jährige ist nicht nur gelernter Hotelkaufmann, sondern auch Programmierer und Computertechniker. Doch sein eigentliches Talent sei das Erzählen und das Schreiben. Der Mörder ist übrigens nicht immer der Gärtner. Manchmal ist es der Krimi-Autor selbst. Seine Kollegen könnte man grob in Gärtner und Architekten einteilen, schildert Vieten.

Die Architekten bauen, so der Schriftsteller, Handlungsgerüste und planen ihr Buch komplett durch, während Gärtner aus ersten Ideen Manuskript-Entwürfe fertigen und sie dann „wie kleine Pflanzen langsam wachsen“ lassen. Vieten ist nach eigener Einschätzung ein Gärtner.

Und da entwickeln sich Handlungsstränge und Figuren schon mal anders als gedacht. Deshalb lebt auch Bernards Kollege Jörg Rottmann noch, obwohl er in „Atemlos – Von des Todes zarter Hand“ zunächst sterben sollte. Aber der eigenwillige, raue Macho entwickelte sich anders und darf auch heute noch an Verfolgungsjagden und Großeinsätzen teilnehmen, die er so liebt.

Seinem abwechslungsreichen beruflichen Werdegang hat Vieten auch zu verdanken, dass er in Deutschland viel herumgekommen ist.

Die meiste Zeit hat er im Norden gelebt. Als Autor kann er jetzt überall seine Zelte aufschlagen. Warum lebt er ausgerechnet in Thalfang? „Ich liebe den Blick auf den Hochwald, den ich von meinem Schreibtisch aus habe“, schwärmt er. Die Gegend sei nicht so verbaut. Und der Nationalpark Hunsrück-Hochwald sei eine große Bereicherung. Auch der nächste Krimi, der im Übrigen im kommenden Jahr erscheinen soll, spielt natürlich wieder in der Region.

Verrät er schon etwas über den Plot? Vieten: „Es geht um Menschenhandel.“

Michael E. Vieten, „Christine Bernard: Die Legende vom bösen Wolf“, Abacus-Verlag, Hamburg, 2018, 14 Euro.

Mehr von Volksfreund