Der Monzelfelder Rainer van den Bosch mit Zweitwohnsitz London hat es gewagt: Er ist mit dem E-Auto von London bis Monzelfeld gefahren. Dabei musste er keinen Cent für Strom bezahlen.

Verkehr : Mit Zoe von London bis Monzelfeld - Ein E-Auto im Praxistest

Rainer van den Bosch mit Zweitwohnsitz in London hat es gewagt: Er ist mit dem E-Auto von London bis in den Hunsrück gefahren. Dabei musste er keinen Cent für Strom bezahlen.

Rainer van den Bosch aus Monzelfeld ist als Geologe viel in der Welt herumgekommen. Er hat für die Petro-Industrie gearbeitet und kennt sich deshalb in der Energiewirtschaft bestens aus. Deshalb hat er auch die regenerativen Energien im Blick und zählt zu den Gründungsmitgliedern der Energiegenossenschaft Monzelfeld. Diese vor kurzem gegründete Gesellschaft beschäftigt sich mit lokalen Lösungen für die Versorgung des Dorfs mit Strom (siehe Extra).

Aber auch die Mobilität ist für ihn ein wichtiges Thema. „Unsere Kinder leben in London. Und so kam ich auf die Idee, mit einem E-Auto von London bis in den Hunsrück zu fahren“, erzählt van den Bosch. Das sind insgesamt 1200 Kilometer, die mit Elektrizität als einziger Energiequelle bewältigt werden wollten.

„Ich wollte selbst erfahren, wie sich Elektromobilität anfühlt. Aber es sollte schon eine ordentliche Entfernung sein, nicht mal eben eine Probefahrt um den Block beim Autohändler. Da bot sich die Strecke London – Monzelfeld an. Die zirka 620 Kilometer führen gleich durch vier Länder: Großbritannien, Frankreich, Belgien, Deutschland.“ Ein Hybrid-Auto mit einem zusätzlichen Benzinmotor sei nicht infrage gekommen. „Wenn schon elektrisch, dann voll elektrisch,“ sagt der Geologe. Er fand einen E-Auto-Verleih in London und mietete einen Renault Zoe mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern an. Mit gleich fünf Apps auf seinem Smartphone, die bei der Suche nach Ladesäulen auf dem Weg helfen sollten, machte sich van den Bosch auf den Weg. Zur Eigenmotivation lud er den Song „Three little Birds“ von Bob Marley mit dem berühmten Refrain „Don‘t worry about a thing, cause every little thing gonna be alright“ (Sorge dich nicht, alles wird gut) ins Soundsystem des Autos.

Los ging es von London an einem Montagmorgen. Angekommen ist er am Dienstagabend nach 34 Stunden Reisezeit. Damit habe er für die 620 Kilometer mit dem E-Auto 24 Stunden länger gebraucht als die neun bis zehn Stunden, die er bei normalem Verkehr für die Fahrt mit seinem 13 Jahre alten Benziner benötigt hätte.

Rainer van den Bosch. Foto: TV/privat

Aufgeladen hat er drei Mal – und das jedes Mal kostenlos: in Gent bei Ikea (nach gefahrenen 230 Kilometer und mit noch 50 Kilometern Reserve), in Brüssel bei Renault (nach gefahrenen 120 Kilometern) und zuletzt in Lüttich bei Lidl (nach gefahrenen 90 Kilometern)

Die freien Ladestationen hatte er „aus reiner Verzweiflung“ gesucht – nachdem er feststellen musste, dass man fürs Laden keine Kreditkarte nutzen kann und er keine passenden Nutzer-Karten für die Bezahlstationen im Vorfeld bestellt hatte.

Einen Kritikpunkt hat er aber: An einer Ladesäule vorfahren und einfach mit App oder Kreditkarte zahlen sei nicht so einfach möglich. Im Gegensatz zu den klassischen Tanksäulen könne man die meisten Ladesäulen nur nutzen, wenn man sich vorher bei dem Betreiber über Internet angemeldet, ein Nutzerprofil mit Konto eröffnet und dann eine entsprechende Ladekarte (RFID-Karte) bekommen habe. „Diese Erfahrung hat mich einiges an Hin- und Herfahren und eine Übernachtung in einem Flughafenhotel in Brüssel gekostet“,  erinnert er sich.

„Als Nutzer eines Mietautos muss man sich also rechtzeitig vorbereiten. Einfach E-Auto anmieten und losfahren geht zwar, aber die Ernüchterung kommt dann an der Ladesäule,“ resümiert van den Bosch.

Für die Rückfahrt benötigte er nur 16 Stunden. „Wenn man erstmal das Bezahlsystem an den Schnellladestationen der Autobahnraststätten entschlüsselt hat und zum Laden nicht mehr runter von der Autobahn und rein in die Vorstädte fahren muss, wird auch diese Reisezeit noch einmal deutlich zu reduzieren sein,“ sagt er.

Für den Rückweg habe er nur noch zwei Mal geladen, wieder umsonst: in Lüttich bei Lidl nach 180 gefahrenen Kilometern und in Brügge bei der Supermarktkette Delhaize nach 190 gefahrenen Kilometern.

Zoe1. Foto: TV/Picasa

Das Fazit von Robert van den Bosch: „Wenn die Kinderkrankheiten mit den unzugänglichen Ladesäulen erstmal beseitigt sind, und wenn demnächst Fahrstrecken von 400 Kilometern mit einer Batterieladung möglich werden, wird der Elektromotor nicht mehr aufzuhalten sein. Nur, bei allem Enthusiasmus: ohne volles Handy mit einer guten App zum Auffinden der Ladestationen sollte man gar nicht erst versuchen loszufahren.“