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Der Morbacher Michael Pauly ist Fan der berühmten Punkband "Die Ärzte". Bald hat er das 100. Konzert besucht.

Menschen : Die Ärzte sind seine Leidenschaft

Völlig infiziert: Der Morbacher Michael Pauly ist Fan der berühmten Punkband. In diesem Jahr besucht er alle ihre Konzerte in Europa.

Fans sind oft enthusiastisch. Manche sind es sehr. Die einen reisen zu jedem Fußballspiel ihrer Mannschaft, andere lassen sich kein Konzert ihrer Lieblingsband entgehen. Zu den letzteren gehört der Morbacher Michael Pauly. Seinen Sommerurlaub investiert er in eine Reise zu den Konzerten der Punkband „Die Ärzte“. Vom 16. Mai bis zum 29. Juni wird der 44-Jährige alle zehn Konzerte der Miles-and-More-Tour besuchen, die die Band in diesem Jahr in Europa gibt. Danach wird der Morbacher insgesamt rund hundert Konzerte der Berliner Musikgruppe erlebt haben, plus Vorstellungen von Bandmitgliedern bei ihren Soloprojekten. „Manche sagen, ich bin besessen“, sagt er. In seiner Wohnung sammelt Pauly reichlich Fanartikel wie Schals, T-Shirts und eine echte Ärzte-Klorolle.

Begegnet ist Pauly die Musik der Punkband zum ersten Mal als 14-Jähriger auf einer Klassenfahrt. Bis heute hat ihn die Leidenschaft nicht losgelassen. „Mich spricht die Art der Musik an“, sagt der Geschäftsmann.

Dazu kommt, dass die Ärzte in Deutsch singen. Was den Morbacher zu einem gewagten Vergleich veranlasst: Der Schlager sei vom Punk gar nicht so weit weg. „Beide haben deutsche Texte und eingängige pophafte Melodien“, sagt er. Nach der Klassenfahrt hat er sich seine erste Live-Ärzte-LP „Nach uns die Sintflut“ gekauft. Anschließend kamen alle weiteren verfügbaren Platten, Alben, CDs, Singles und Maxi-Singles, unter anderem auch Platten, die wegen jugendgefährdender Texte nur an über 18-Jährige unter der Ladentheke und damit noch nicht an Pauly verkauft werden durften. „Dafür hat man Freunde“, lacht er heute. Seine Lieblingsalben sind „Bestie in Menschengestalt“ wegen der Vielfältigkeit der Lieder, „Die Ärzte“ und „Jazz ist anders.“

Als die Band nach einer fünfjährigen Trennung 1993 eines der ersten Konzerte gab, war Pauly in Düsseldorf mit dabei. „Dabei bin ich noch mehr von dem Virus infiziert worden.“ Was er bis heute bedauert: Vor der Trennung der Band 1988 hatte er kein Konzert erleben können.

Bei seinen vielen Besuchen hat Pauly einiges erlebt. Beispielsweise im gleichen Jahr in Saarbrücken, als er eine Karte auf dem Schwarzmarkt kaufen musste, für 120 D-Mark statt der regulären 23 D-Mark. Was ihn bei der nächsten Ärzte-Tour veranlasst hat, für ein Konzert gleich zehn Karten zu kaufen und vor der Halle anzubieten. „Zum regulären Preis, um die Schwarzmarkthändler zu ärgern.“

Dazu hat er rare Momente erlebt wie Konzerte von Soloprojekten der Bandmitglieder, so wie Depp Jones mit Bela B vor 80 Zuschauern im Exil in Trier, oder auch kleine Konzerte, bei denen die Ärzte unter falschem Namen aufgetreten sind. „Dazu braucht man Insiderwissen“, sagt er.

14 Konzerte einer Band innerhalb kurzer Zeit, wird das nicht irgendwann langweilig?

Nein, sagt Pauly. „Ich will die besonderen Momente erleben“, sagt er. Denn das Trio macht seine Ansagen spontan, nicht an der gleichen Stelle eingeübt wie bei anderen Bands. „Da passiert immer etwas anderes“, sagt er. Insbesondere der Wortwitz zwischen den Musikern gefällt ihm.

Die gesamte Tour macht er alleine, doch an einigen Orten hat er sich mit Freunden verabredet, wie in Mailand, wo sie das Konzert zu acht erleben. Am meisten freut sich Pauly auf das Konzert in London. „Dort ist der Punk erfunden worden“, sagt er.