Der Moselaner Günther Smend war ein bedeutender Widerstandskämpfer

Geschichte : Ein Moselaner stirbt für die Gerechtigkeit

Der gebürtige Moselaner Günther Smend war ein bedeutender Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er wurde vor 75 Jahren als Hochverräter zum Tode verurteilt und hingerichtet.

„Sie haben gezeigt, dass sie ihrem Gewissen folgen, und damit haben sie einen Teil der Geschichte Deutschlands geprägt, der ansonsten durch die Dunkelheit des Nationalsozialismus bestimmt war.“ Mit diesen Worten würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst die tapferen Widerstandskämpfer des Dritten Reichs, die am 20. Juli 1944 mit einem Attentat auf Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg und die NS-Diktatur beenden wollten.

Zu den entschlossenen Akteuren des gescheiterten Umsturzversuchs um Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörte auch der an der Mosel geborene Günther Smend. Der spätere Wehrmachtsoffizier kam am 29. November 1912 als erstes Kind des Berufssoldaten Julius Smend in Trier zur Welt. Dort diente sein Vater bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs beim 7. Rheinischen Infanterie-Regiment Nummer 69. Nach einer schweren Kriegsverletzung wurde der preußische Hauptmann 1914 aus dem Felddienst entlassen und ins Kriegsministerium nach Berlin versetzt.

Seine Schulzeit verbrachte Sohn Günther in Berlin und Mülheim an der Ruhr. Nach dem Abitur schlug er dem Vorbild seines Vaters folgend eine militärische Laufbahn bei der Deutschen Reichswehr ein. So trat er im März 1932 zunächst als Offiziersanwärter in das Infanterie-Regiment 18 zu Detmold ein.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Smend als Oberleutnant und Chef der 8. (MG) Kompanie des Infanterie-Regiments 18 im Frankreichfeldzug sowie an der Ostfront eingesetzt. Später besuchte er die Kriegsakademie in der früheren Reichshauptstadt Berlin.

 Am 1. April 1943 wurde der hoch dekorierte Offizier zum Generalstab beim Oberkommando des Heeres versetzt. Ein weiterer wichtiger Karriereschritt folgte am 12. Juni 1943 mit seiner Ernennung zum Adjutanten von Generaloberst Kurt Zeitzler, dem damaligen Generalstabschef des Heeres der Wehrmacht.

In Ausübung seines neuen Amts kam Smend in direkten Kontakt mit den führenden Widerstandskreisen innerhalb des Generalstabs. In diesem Zusammenhang erfuhr er auch von geplanten Attentatsversuchen auf den NS-Diktator Adolf Hitler. Neben Stauffenberg und weiteren Offizieren des Generalstabs teilte Zeitzler die Kritik an Hitlers Kriegsführung. Jedoch wollte er sich nicht zu einer aktiven Mitarbeit am militärischen Widerstand gegen den Gewaltherrscher bewegen lassen. Mit der Bemerkung „Dies ist ein Nicht-Gespräch“ wies Zeitzler einst Smends Bemühungen zurück, ihn für die Teilnahme an Widerstandshandlungen gegen den sogenannten „Führer“ zu gewinnen. Obwohl Zeitzler ihn nicht verriet, wurden Smends Anwerbeversuch sowie seine Verbindung zu Stauffenberg nach dem misslungenen Attentat in Hitlers Bunker „Wolfsschanze“ rasch aufgedeckt.

Am 1. August 1944 wurde Oberstleutnant Smend als Mitwisser des Anschlags auf den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht verhaftet. Anschließend hielt man ihn im Gefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin fest. Am 30. August 1944 stand der Widerständler vor dem berüchtigten NS-Strafrichter Roland Freisler. Dieser verurteilte ihn im Rahmen eines Schauprozesses zum Tode durch Erhängen.

Das Urteil des Blutrichters vom Volksgerichtshof wurde am 8. September 1944 im Gefängnis Berlin-Plötzensee (siehe Info) vollstreckt. Der Ermordete hinterließ eine Ehefrau, zwei Söhne und eine Tochter. Sein jüngster Sohn Axel Smend engagiert sich heute als Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung 20. Juli 1944.

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