Der Musik verschrieben

WITTLICH. Ein Auftakt nach Maß: Mit dem Wittlicher Jazz-Meeting am Freitag und Samstag hat der Wittlicher Jazzclub die Konzertreihe 2006/07 gestartet. Im Hotel Lindenhof klatschten die Jazzfreunde laut Beifall für die gelungenen Auftritte.

Manche mögen gar nicht mehr nach Hause gehen, freuen sich, dass es endlich wieder Jazzmusik in der Stadt zu hören gibt. Schon am Freitagabend erfüllten die Jazzer mit ihren Klängen den "Konzertsaal" im Wittlicher Hotel Lindenhof. Der erste Abend war so Gegensätzlich, wie man es sich nur vorstellen kann. Den Auftakt gestaltete das Hubert Nuss Trio mit Ingmar Heller am Kontrabass, Paul Höchstädter am Schlagzeug und dem Namensgeber am Flügel. Abgesehen von "Body and Soul" von John W. Green präsentierte das Trio nur Kompositionen, die aus der Feder von Nuss stammten. Nuss ist ein "stiller", ein lyrischer Musiker, der mit Klangfarben malt, die Stimmungen seiner Harmonien auf das Publikum wirken lässt. Entsprechend aussagekräftig sind auch die Titel seiner Nummern mit "Virtual Dream" oder "Coloured Autumn". Glänzendes Zusammenspiel

Fast schon wird man an Claude Debussy erinnert, wenn Nuss in die Tasten greift. Das bedeutet aber keineswegs, dass er nicht auch ein Virtuose ist. Sein pianistisches Können ist exzellent auf allen Gebieten. Höchstädter stellte sich glänzend darauf ein, zauberte mit seinem Schlagzeug, spielte sich nie in den Vordergrund, ebenso wie Heller, bei dem man sich allerdings, wenn er den Bogen benutzte, ein wenig mehr Tonreinheit gewünscht hätte. Ganz anders das Trio LCE mit Claudius Valk an Saxofonen und Klarinetten, dem Gitarristen Norbert Scholly und dem Schlagwerker Daniel Schröteler. Die drei haben sich ganz der Musik von Cole Porter verschrieben, allerdings aus ihrer ureigensten Sichtweise. Valk kündigte selbst an, dass man die Vorlagen Porters in seinen Bearbeitungen teilweise schon suchen müsse. Das Trio riss sein Publikum förmlich aus der Klangwelt des gerade Erlebten heraus, ließ den Punk abgehen. Lautstärke, die um die Statik des Raumes fürchten ließ, unterstützt von computergesteuerten Hilfsmitteln zur Verzerrung des Klangs und zur Einspielung von Dauerschleifen bestimmten das Geschehen. Dem Publikum gefiel es, wie der Applaus am Ende des Abends zeigte. Auch am Samstag sitzen die Jazzfreunde im Auditorium, beobachten die Musiker, ihr Spiel mit den Instrumenten, dem Rhythmus und die wortlose, aber perfekte Abstimmung untereinander. Zunächst sind es "George Ruby & Village Zone". Überzeugend und gefühlvoll zugleich

Sein aktuelles Projekt führt Ruby in die Welt der Hildegard Knef. "Eine der bedeutendsten und faszinierendsten deutschen Künstlerinnen", schwärmte Georg Ruby. "Ich habe erwachtet, dass die Musik der Knef, reduziert auf das Instrumentale, eine große Wirkung auf mich haben wird. Dass sie aber so überzeugend und gefühlvoll zelebriert werden kann, überrascht mich", sagt Gerd Meroving, der dem Saarbrückener Jazzprofessor Ruby aus dem Saarland nach Wittlich nachgereist ist. In den Pausengesprächen plaudern Organisatoren und Gäste über dies und das: War es die drangvolle Enge, die besondere Atmosphäre, die die Wittlicher Jazztage im Saale Kaienburg so anziehend machten? Fehlt im perfekten Umfeld des Sternehotels das dunkle, vielleicht etwas muffige einer Szenenkneipe? Intonation eigener Kompositionen

Einige Jazzfreunde trauern dieser Wittlicher Jazzepoche ein wenig nach. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Zuschauerzahlen etwas kleiner geworden sind. Musikalisch jedenfalls war der Auftakt hochkarätig. So intonierte anschließend Pepe Berns, der 1966 geborene Kontrabassist mit "Acoustic Network" bis auf ein Stück ausschließlich eigene Kompositionen. Dass er dabei auf seinen Stammpianisten Tino Derado verzichten musste, kompensierte Christoph Adams mit der gebotenen Leichtigkeit. Die einfühlsamen Stücke mit teils großem Freiraum für Improvisation, bestärkte das Wittlicher Jazzpublikum auf dem Weg in die aktuelle Konzertserie. "Wenn Sie alle durch Mundpropaganda mit dazu beitragen, von der großartigen, hier vorgetragenen Musik zu sprechen, dann haben wir sicher auch wieder vollere Reihen vor der Bühne", empfahl Hildegard Adams, die Geschäftsführerin des Wittlicher Jazzclubs. Sie erläuterte zum diesjährigen Konzept, das auf zugkräftige internationale Namen gänzlich verzichtete: "Neben den vielen, vor allem natürlich amerikanischen Musikern haben wir auch in Deutschland eine große Jazzszene mit ausgezeichneten Leuten. Das wollen und müssen wir berücksichtigen." In irgendeiner Form waren die Musiker in diesem Jahr alle mit der rheinischen Metropole Köln verbunden, weshalb das Wochenende unter die Überschrift "Köln Connection" gestellt wurde.