Der Narr Gottes nimmt Abschied von seinen Schäfchen
Heidenburg/Thalfang · Nach dem Thalfanger Pfarrer Christian Struwe verabschiedet sich Mitte September sein Heidenburger Kollege Alexander Kurp aus der Pfarreiengemeinschaft Thalfang. Damit stehen die Katholiken in der Verbandsgemeinde Thalfang demnächst ohne eigenen Geistlichen da, und sie verlieren mit dem Karnevalsfan einen "Narr Gottes".
Heidenburg/Thalfang. Dass er den Hunsrück nach nur sieben Jahren wieder verlässt, hätte Pfarrer Alexander Kurp nicht erwartet. Sein Abschied von den Heidenburger Pfarreien ist - ebenso wie der seines Thalfanger Kollegen Christian Struwe - dem Bistums-Projekt 2020 geschuldet. Beide machen den Weg frei für einen Nachfolger für beide Pfarreiengemeinschaften (siehe Extra). Kurp sieht den Neuanfang positiv, obwohl er gerne geblieben wäre. Und das überrascht ihn selbst am meisten: "Ich bin mit Bauchweh hierhin gekommen", gesteht er. Allzu groß schien der Unterschied zu seiner Heimat Bad Breisig, wo er Gardist der Karnevalsgesellschaft ist. Doch nun fällt ihm der Abschied schwer: "Ich habe mich hier wirklich wohl gefühlt und viel Offenheit erlebt." Menschen seien vertrauensvoll auf ihn zugekommen, und er habe Dinge bewegen können. Als Beispiel nennt er die gemeinsamen Wallfahrten der Heidenburger Pfarrorte nach Klausen - für ihn ein echtes Highlight. Denn zuvor ging jede Gemeinde für sich. Da einige Gläubige das schade fanden, setzte Kurp sich dafür ein, einen Treffpunkt auszumachen. Von dort aus gehen nun alle zusammen in einer beeindruckenden Prozession Richtung Klausen - gestärkt durch ein abwechselnd organisiertes gemeinsames Frühstück. Inzwischen seien diese Treffen außerhalb der eigenen Kirchen zu einer guten Tradition geworden, freut sich der Pfarrer. Das bringe Menschen zusammen, die sich zuvor oft gar nicht gekannt hätten. Das gleiche gelte für die wiederbelebten Berglichter Marienwallfahrten, die gemeinsamen Ferienfreizeiten oder die inzwischen ebenfalls Ortsgrenzen überschreitenden Lebendigen Adventskalender. All das hätten - ebenso wie die "neuen" Orgeln für Büdlich und Horath sowie der renovierte Pfarrsaal in Berglicht - Menschen vor Ort angeregt.
Kurp selbst sieht sich dabei als Unterstützer und Bindeglied. Als Pfarrer müsse er das zusammenführen: "Der Hirte muss die Schafe zusammenhalten." Für die Projekte sei wichtig, dass sie aus den Gemeinden kämen.
In seinen künftigen Pfarreien Plaidt, Miesenheim und Saffig wird das wohl ähnlich sein. Der neue Wirkungskreis hat für den 44-Jährigen den Vorteil, dass er in einer halben Stunde bei seinen Eltern ist und auch wieder mitten im rheinischen Karneval. Der Hunsrück muss hingegen auf seinen "Narr Gottes" verzichten, der nicht nur das Geschehen in den Pfarreien ins Visier nahm. Mit roter Nase und Narrenkappe hielt er den "Herren", den weltlichen wie den geistlichen, gekonnt einen Spiegel vor. Wegen dieses besonderen Privilegs eines Narren ließ Kurp auch sein Festtagsgewand, das er erstmals zu seiner Primiz trug, mit einem Harlekin verzieren.
Kurps offizielle Verabschiedung ist in Berglicht am Sonntag, 14. September, 14.30 Uhr.
Extra
Strukturplan 2020: Der im Sommer 2007 im Bistum Trier vorgestellte "Strukturplan 2020" sieht eine Reduzierung der damaligen Pfarreien auf weniger als die Hälfte vor. Statt der bis dahin 389 Pfarreien sollte es künftig nur noch 173 Pfarrengemeinschaften geben. Mittlerweile wird sogar das Ziel von 163 fusionierten Pastoraleinheiten angestrebt. Noch gibt es in der VG Thalfang zwei Pfarreiengemeinschaften: Thalfang und Heidenburg. Zu Thalfang gehören knapp 2700 Katholiken sowie Kirchen in Thalfang, Malborn, Schönberg, Neunkirchen und Thiergarten, zu Heidenburg knapp 2100 Katholiken sowie Kirchen und Kapellen in Heidenburg, Berglicht mit Gräfendhron und Merschbach, Büdlich mit Breit und Naurath/Wald sowie Horath. Seelsorger in Thalfang war bis Juni Pfarrer Christian Struwe. Die Nachfolge soll ein Pfarrer für alle Pfarrorte antreten. Mit einem gemeinsamen Pfarrbrief sind die beiden Pfarreien schon heute etwas enger zusammen gerückt. urs