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Der Naturpark Saar-Hunsrück: Mehr Heimat, mehr Vielfalt, mehr Zukunft

Serie 40 Naturpark Saar-Hunsrück : Mehr Heimat, mehr Vielfalt, mehr Zukunft

Im Interview mit dem Volksfreund spricht Geschäftsführerin Gudrun Rau über die Vorzüge des Schutzgebietes, über Mentalitäts­unterschiede, die Hunsrücker Warzenflechte und die Zukunft des Naturparks Saar-Hunsrück.

Der Naturpark Saar-Hunsrück wird 40 Jahre alt. Der TV nahm dies zum Anlass, um die Geschäftsführerin Gudrun Rau zu interviewen. Sie sprach über die Artenvielfalt  vom Schwarzstorch bis zur relativ neu entdeckten Hunsrück-Warzenflechte und erklärte, worin der Mehrwert des Schutzgebietes  liegt. Im Gespräch ging es um Vor- und Nachteile eines Naturparks, der sich über Ländergrenzen hinweg erstreckt, und über das populärste Projekt.

Kaum zu glauben, der Naturpark Saar-Hunsrück wird 40 Jahre alt. Was, glauben Sie, wurde in diesen 40 Jahren geschaffen? Und was hat sich am meisten geändert?

Gudrun Rau Unser Leben und die Kulturlandschaft als Spiegel unserer Gesellschaft hat sich massiv geändert. Mehr Freizeit und der Lebensstandard verändern auch unsere Ansprüche an den Lebensraum. Die Infrastruktur für eine Freizeitgestaltung und touristische Nutzung der Landschaft wurde mit der Einrichtung von Wanderwegen und  der  Anlage von Erlebnispfaden  geschaffen und ausgebaut.

Das ist aber noch nicht alles, oder?

Rau Gleichzeitig wurden Biotope angelegt, Streuobstwiesen angelegt, die ehemalige Landwirtschaftsschule in Hermeskeil zum Informationszentrum des Naturparks umgebaut und  Informationsstellen in den Landkreisen eingerichtet. Seit 1995 bietet der Naturpark ganzjährig Angebote für Kinder- und Jugendgruppen sowie Schulklassen an. Zudem werden alljährlich mit  Mitgliedskommunen und Partnern rund 400 Veranstaltungen angeboten.

Der Naturpark erstreckt sich derzeit über sieben Landkreise und 28 Gemeinden und Verbandsgemeinden. Das klingt vor allem nach viel Bürokratie und Papier. Ist das so?

Rau Im digitalen Zeitalter ist dies zwischenzeitlich unproblematisch. Natürlich hat jede Kommune ihre eigenen Interessen und bringt Ideen in die Naturparkgremien ein. Auch wenn diese Vielfalt mitunter Mehrarbeit bedeutet, ist sie befruchtend. Sie fördert die interkommunale Zusammenarbeit. Das ist sehr gewinnbringend.

 Wo liegt denn der Nutzen eine solchen Schutzgebietes?

Rau Natürlich sind die intakte Natur, hohe Lebens- und Freizeitqualität sowie die Weiterentwicklung der Kulturlandschaft zu nennen. Es fließt zudem durch Fördermittel  von EU, Bund und Land zusätzliches Geld in die Region.

Besonders am Naturpark ist, dass sich  das Schutzgebiet über zwei Bundesländer erstreckt, aber das ist ja eher eine zusätzliche Hürde für die Zusammenarbeit. Gibt es Mentalitätsunterschiede?

Rau Ja, die Kommunikations- und Umsetzungskultur ist unterschiedlich. Das hat Vor- und Nachteile, bietet aber auch Chancen. Die Vielfalt der Mentalität bietet einen hohen Erlebniswert für Naherholungssuchende sowie Touristen und bringt Humor in die Sitzungen der Gremien.

Was haben eigentlich die Bürger vom Naturpark?

Rau Eine intakte Heimat mit hoher Wohn- und Freizeitqualität, Naturerlebnisangebote und ein hervorragendes Angebot an Rad- und Wanderwegen, Natur- und Kulturerlebnispfaden sowie Bildungs- und Erlebnisangeboten mit Abenteuercharakter für alle Generationen.

Die Naturpark-Bewohnenden haben Sehnsucht nach Heimat, eine regionale Identität ist die Basis für eine authentische Weiterentwicklung des Naturparks unter Einbeziehung der Bevölkerung.  Heimat entdecken, schmecken und genießen. Landschaftsschutz und Erlebnisvielfalt mit Freizeitqualität können von jedem mit Messer und Gabel im Alltag erfolgen, ganz ohne Mehraufwand und Dogmatik.

Eine der größten Errungenschaften des Naturparks ist der Saar-Hunsrück-Steig. Gewandert wird seit vielen Jahrzehnten. Wofür dann den Premiumwanderweg?

Rau Dieser ist erforderlich, um sich bundes- und europaweit als Wanderdestination zu etablieren, zu profilieren und wettbewerbsfähig zu sein. Heute sind wir dank dem Engagement der Kommunen und Kollegen der Touristikorganisationen und des Wanderbüros Saar-Hunsrück eine der führenden zertifizierten Premium-Wanderregionen Deutschlands. Wie gut die Premium-Wanderwege und Traumschleifen auch von der Bevölkerung angenommen und genutzt werden, hat sich ja insbesondere jetzt in der Corona-Zeit gezeigt.

Ein großes Pfund des Naturparks ist die große Artenvielfalt.

Rau Wir sind eines der vom Bundesamt für Naturschutz 30 ausgewiesenen Hotspot-Gebiete der biologischen Vielfalt in Deutschland. Viele bemerkenswerte und deutschlandweit seltene Arten sind im Naturpark nachgewiesen, wie das Moorglöckchen, der veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer, das Knotige Laichkraut, der Schwarzstorch oder die Wildkatze. Es werden auch heute noch Neufunde, wie die 2015 entdeckte Hunsrück-Warzenflechte, lateinisch: „Verrucaria hunsrueckensis“ im Naturpark mit Nationalpark Hunsrück-Hochwald verzeichnet, andere sterben aus.

Der Naturpark ist jetzt 40. Wohin soll er sich  entwickeln?

Rau In 20 Jahren soll auch unser Naturpark zu den Nachhaltigkeitsregionen mit hoher Lebensqualität und Zukunftsperspektiven gehören, wo innovative, nachhaltige regionale Entwicklung erfolgt ist. Zusammen mit den Mitgliedern, bis dahin Nachhaltigkeits-Kommunen, sowie regionalen Partner-Netzwerken fördern die hier lebenden Menschen eine kontinuierliche Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum. Die regionalen Wertschöpfungsketten wurden bestmöglich verlängert; die Region zählt europaweit zu den intakten attraktiven Wohn- und touristischen Naturerlebnisgebieten, wo moderne ÖPNV- und Klimaschutzkonzepte gelebt werden.

Foto: Andreas Schäfer Foto: Andreas Schäfer
Foto: Stephan Zanders Foto: Naturpark Saar-Hunsrück/Stephan Zanders
Im Schutzgebiet setzt man sich sehr für Streuobstwiesen ein. Das Foto zeigt einen Obstbaumlehrpfad bei Dhronecken mit dem Bürgermeister Detlef Jochem. Die Artenvielfalt ist in dem Hotspot-Gebiet besonders hoch. Sogar neue Arten wie die Hunsrücker Warzenflechte werden gefunden. Foto: Ilse Rosenschild
HANDOUT - 12.05.2018, Rheinland-Pfalz, ---: Auf einem Taunusquarzit-Stein wächst eine bisher unbekannte Flechte, die von der Koblenzer Biologin Dorothee Killmann und ihrem Mann Burkhard Leh im Nationalpark Hunsrück-Hochwald entdeckt wurde. Die Art erhielt den wissenschaftlichen Namen Verrucaria hunsrueckensis, auf Deutsch Hunsrück-Warzenflechte. (zu dpa «Koblenzer Biologin entdeckt im Hunsrück neue Flechtenart» vom 05.11.2018) Foto: Konrad Funk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/Konrad Funk
Gudrun Rau, Geschäftsführerin  des Naturparks Saar-Hunsrück. Foto: Naturpark Saar-Hunsrück

Das Interview führte Ilse Rosenschild.