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Der neue Bürgermeister sieht sich als "Spielführer eines ganzen Teams"

Der neue Bürgermeister sieht sich als "Spielführer eines ganzen Teams"

Aus zwei mach eins - seit Dienstag sind Manderscheid und Wittlich-Land eine Verwaltungseinheit. Zum ersten Mal ist auch der neue Rat der Verbandsgemeinde zusammengekommen. Dennis Junk ist nun offiziell Bürgermeister von Wittlich-Land.

Wittlich-Land/Hetzerath. Schon die vollen Zuschauerreihen hinter den Tischen der Ratsmitglieder lassen es vermuten: Eine alltägliche Sitzung ist das nicht. Fast alle Bürgermeister der 45 Gemeinden, die die neue Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land vereint, sind im Bürgerhaus in Hetzerath erschienen. Ein neu gebildetes kommunales Gremium konstituiert sich - was aber, wie Wolfang Schmitz, der an diesem Abend zum hauptamtlichen Beigeordneten der VG ernannt wird, richtig bemerkt, nur teilweise zutrifft."Ein historischer Tag"

Denn: Als Beigeordneter wird nur Schmitz in sein Amt eingeführt, die anderen drei werden erst in der kommenden Sitzung gewählt. Grundlage dafür ist nämlich die neue Hauptsatzung - und die hat der Rat zunächst beschließen müssen, was auch einstimmig über die Bühne gegangen ist. "Es ist Pflicht, eine neue Satzung zu verabschieden", erklärt Wahlleiter Leo Merges im Gespräch mit dem TV. Denn jede der beiden alten VGen hatte ihre eigene, und man habe "nicht einfach sagen können, eine davon gilt jetzt". Dass Schmitz direkt zum hauptamtlichen Beigeordneten ernannt wurde, stand ihm gesetzlich zu: Das Fusionsgesetz ermöglicht dem Ex-Bürgermeister der VG Manderscheid dieses Amt - und dieser Aufgabe wolle er sich auch mit ganzer Kraft widmen, sagt Schmitz. Er betont: "Ich bin mir darüber im Klaren, wer hier an der Spitze steht." Mit seiner Erfahrung wolle er den jungen Bürgermeister bei den anstehenden Herausforderungen unterstützen.Und der war ohne Zweifel die Hauptperson des Abends: Dennis Junk, der nach seiner Ernennung zum Bürgermeister der neuen VG von einem "historischen Tag für Wittlich-Land", aber auch von einem "besonderen Moment" für sich selbst spricht. Seine Rede nutzt er, um sich zu bedanken - bei seinen Wählern, bei jenen, die sich in den vergangenen Jahren ehrenamtlich für die VGs eingesetzt haben und auch bei Christoph Holkenbrink, dem ehemaligen Bürgermeister von Wittlich-Land, der ebenfalls unter den Gästen ist. Die Botschaft für die Menschen in Wittlich-Land müsse lauten, sagt Junk, dass sich für sie so viel erst mal nicht ändere - weder Öffnungszeiten noch Ansprechpartner. Auch wenn Junk betont, er verstehe dies als Auftrag der alten VGs und wolle daher sein "Möglichstes dafür tun, damit die Klagen gegen die Fusion erfolgreich sind, auch wenn es meine Position betreffen könnte", zeigt er sich optimistisch: "Wir haben eine Basis. Wir stehen nicht an einem Neuanfang, wir fangen nicht bei Null an." Schmitz und er seien beide Fußballer - die Aufgabe also "wollen wir gemeinsam bewerkstelligen". Und Junk wolle selbst "Klammer zwischen den beiden alten Verbandsgemeinden" sein, "Motor für die künftige Ausrichtung" und "Spielführer eines ganzen Teams". Das Team, die Ratsmitglieder, hat Wahlleiter Merges zu Beginn per Handschlag verpflichtet - mit einer neuen Konstellation: Gerd Meyer, der als einziger Kandidat der ÖDP in den Rat gewählt wurde, hat sich nun der FWG angeschlossen.In der neuen Hauptsatzung hat sich der Rat darauf geeinigt, künftig auch neue Ausschüsse zu bilden - beispielsweise einen Ausschuss für Tourismus und Umwelt. Zudem soll die Zahl der Mitglieder in einzelnen Ausschüssen erhöht werden - damit jede Partei dort eine Stimme hat. eibAm Donnerstag, 24. Juli, geht es weiter: Dann folgt die konstituierende Sitzung, Teil zwei.Extra

Im neuen Rat sitzen 13 Vertreter aus dem Gebiet der ehemaligen VG Manderscheid und 23 aus der bisherigen VG Wittlich-Land. Stärkste Fraktion ist die CDU mit 17 Mitgliedern. Die FWG kommt auf neun und die SPD auf sechs Sitze. FDP und Grüne haben jeweils zwei Sitze. Dennis Junk (CDU) wurde erst im zweiten Anlauf Nachfolger von Christoph Holkenbrink (CDU). Beim ersten Wahlgang holte Junk 49,5 Prozent, Alois Meyer (FWG) 35,8 Prozent. Bei der Stichwahl setzte Junk sich dann mit 55,4 Prozent durch. eibExtra

Franz Josef Krumeich (CDU): "Ich sehe meine neue Aufgabe darin, gemeinsam mit der Fraktion die Interessen aller Menschen in Wittlich-Land zu vertreten, so dass wir nach einer gewissen Anlaufzeit auch nicht mehr bemerken, ob einer aus Wittlich-Land oder aus Manderscheid kommt." Ulrich Müller (FWG): "Die heutige Sitzung ist das Ergebnis eines Landesgesetzes, sie findet nicht statt, weil wir oder die Bürger das gewollt haben. Die Menschen erwarten von uns trotzdem, dass wir erfolgreich eine gemeinsame Zukunft gestalten. Dass wir etwas Positives schaffen können, wollen wir beweisen." Angelika Brost (SPD): "Eine wichtige Entscheidung hat der Rat heute schon getroffen: Nämlich die, die Zahl der Mitglieder zu erhöhen, damit jede Fraktion die Möglichkeit hat, im Haupt- und Finanz- sowie im Rechnungsprüfungsausschuss vertreten zu sein." Günter Theis (Grüne): "Im alten Rat von Wittlich-Land gab es keine Grünen. Wir werden beweisen, dass Ökonomie und Ökologie nicht im Widerspruch zueinander stehen." Rita Wagner (FDP): Die heutige Sitzung setzt das erste Zeichen. Unser Motto: Wir wachsen zusammen. Unabhängig davon laufen die Klagen beim Oberverwaltungsgericht. Wir wünschen uns, dass der Rat eine weise Lösung finden wird - auch im Hinblick auf die Steuerzahler."Extra

... den neuen Bürgermeister Dennis Junk. Was ist in Sachen Fusion noch zu tun? Junk: Wir müssen vieles auf den Weg bringen und erst mal die Verwaltung gut aufgestellt bekommen. Abläufe und Details sind da noch zu klären. Es wird sicher Dinge geben, die erst nach und nach zum Vorschein kommen. Was liegt Ihnen besonders am Herzen? Junk: Die Ortsgemeinden liegen mir besonders am Herzen. Wir müssen alles für ihre Weiterentwicklung tun - was beispielsweise Breitbandausbau oder Ortskernsanierungen angeht. Was wird das wichtigste Utensil auf Ihrem Schreibtisch sein? Junk: Das Bild meiner Frau und meiner 13 Monate alten Tochter. Die werden sicher in der Anfangszeit viel auf mich verzichten müssen. So hab ich sie immer bei mir. eib