Der neue Herr im Pfarrhaus Hetzerath

Der neue Herr im Pfarrhaus Hetzerath

Ein Jahr nach der Untreue-Affäre und der damit verbundenen Versetzung von Pfarrer Patrick Ringhausen hat sein Nachfolger das Hetzerather Pfarrhaus bezogen. Pastor Rudolf Heck freut sich auf die Arbeit im Kollegen-Team, mit dem er gemeinsam die Pfarreiengemeinschaft Salmtal betreut.

Hetzerath. Das Hetzerather Pfarrhaus hat einen neuen Hausherrn. "So Gott will" für die nächsten zehn Jahre, sagt der neue Pastor, der sein Amt von hier aus bis zu seinem Ruhestand bekleiden möchte. Sein neues Zuhause neben der Hetzerather Pfarrkirche teilt er mit seiner Mutter und Karthäuser-Katze Nicki.
Der Abschied von der Pfarreiengemeinschaft Kelberg, wo er die letzten achteinhalb Jahre Pfarrer war, fiel ihm nicht leicht. Im Flur erinnert ihn ein Abschiedsgeschenk an seine Gemeinde in Retterath: Ein großes Gemälde in barockem Rahmen zeigt den Altarraum der Kirche. Auf der Kommode darunter hat Pfarrer Heck Fotos von Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus aufgestellt. Noch haben nicht alle Bilder Platz gefunden, ein paar Kisten sind noch auszuräumen und auch bis die Haushälterin ihre Arbeit aufnehmen kann, muss sich Pfarrer Heck noch gedulden. Kein Problem für den gelernten Konditor, der es bis vor vier Jahren sowieso gewohnt war, selbst für sich zu kochen. Erst seit er seine Mutter pflegt, geht es nicht mehr ohne Unterstützung in der Küche.
Nach zwei Wochen fühle er sich in Hetzerath schon wohl, sagt er. Die herzliche Begrüßung in der Pfarrkirche in Salmrohr hat dabei geholfen. "Ich hatte eine überwältigende Einführung", erzählt er. "Niemand konnte mehr umfallen, so voll war es."
Ein Jahr hat die Pfarreiengemeinschaft auf den neuen Pfarrer gewartet. Im Oktober 2012 hatte sein Vorgänger Patrick Ringhausen auf sein Amt verzichtet, nachdem herausgekommen war, dass er von 2007 bis 2009 Geld aus Mitteln der Kirchengemeinden Hetzerath, Rivenich und Sehlem veruntreut hatte. Dazu schweigt Rudolf Heck lieber: "Ich habe eine klare Meinung, möchte mich dazu aber öffentlich nicht äußern."
Vertrauen zurück gewinnen


Nun ist es seine Aufgabe, verlorenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Heck rechnet mit einer "positiven Entwicklung". Darin unterstützt ihn sein Team, in dem er mit Dechant Johannes Jaax aus Dreis, Pater Albert Seul aus Klausen, zwei Gemeindereferentinnen und zwei Diakonen zusammenarbeitet. Gemeinsam sind sie für zehn Pfarreien zuständig, in denen rund 10 100 Katholiken leben. Welcher Priester welche Schwerpunkte übernehmen wird, muss erst noch festgelegt werden. Heck hat eine Devise: "Alles, was wir tun, müssen wir transparent machen, damit die Leute sehen, dass es gerecht zugeht." In seiner Gemeinde will er "Begegnungen suchen" und wünscht sich eine gute Zusammenarbeit mit den Pfarreigremien. Das Wichtigste für ihn ist, jeden Tag eine Messe zu halten. Außer an seinem freien Tag. Den verbringt er in jedem Fall außerhalb des Pfarrhauses, verrät er. Vielleicht beim Wandern, Schwimmen oder bei Freunden. Eins ist sicher, er wird nicht backen. Das Konditor-Handwerk hat er aufgegeben, als er sich als Spätberufener mit 26 Jahren für die Ausbildung zum Priester entschied.
Die Weihnachtsplätzchen isst er bei seiner Familie, mit der er wie jedes Jahr den zweiten Weihnachtsfeiertag verbringt. Und wenn es nach ihm ginge, gäbe es dann sein Leibgericht: Sauerbraten mit Rotkohl und selbstgemachten Knödeln. sys

Extra

Bevor Rudolf Heck 1980 das Studium am Priesterseminar in Lantershofen bei Neuenahr-Ahrweiler begann, lernte er in Gerolstein das Konditorenhandwerk. Er ging als Geselle nach Köln, absolvierte die Bundeswehrzeit in Ulmen und arbeitete danach als Konditor in der Stadt Luxemburg. 1986 wurde er zum Priester geweiht. Seine erste Stelle hatte er von 1986 bis 1988 als Kaplan in Bitburg. Von 1988 bis 1992 war er Vikar in Mendig und betreute anschließend von 1992 bis 2005 vier Pfarreien in der Pfarreiengemeinschaft (PG) Oberkail. Vor seinem Wechsel in die PG Salmtal war Rudolf Heck für die PG Kelberg mit den Schwerpunkten Retterath und Uersfeld zuständig. Geboren wurde Rudolf Heck 1953 in Mehren, wo er mit zwei Geschwistern aufwuchs. Im Pfarrhaus ändert sich einiges: Die Pfarrbücherei wurde geschlossen . Gegen eine Spende werden die Bücher am 19. Januar zwischen 14 und 17 Uhr abgegeben. Das Hetzerather Pfarrbüro hat künftig nur noch mittwochs von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Seit dem 11. Dezember ist die gesamte Verwaltung der Pfarreiengemeinschaft im Pfarrhaus in Salmrohr zentralisiert. sys

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