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Der neue kulturhistorische Infoweg in Lückenburg erinnert an die alte Landnutzung.

Freizeit : Das Eichenlaub weist den Weg

Der neue kulturhistorische Infoweg in Lückenburg erinnert an die alte Landnutzung. Unter anderem werden dort Glan-Rinder gehalten.

Heizen, Futter für die Tiere, Gerbstoffe aus der Rinde für die Lederverarbeitung gewinnen: Diesen Nutzungen diente früher der Eichen-Niederwald im Hunsrück. Jetzt können sich Wanderer auf einem Infoweg ein Bild davon machen, wie diese Form der kombinierten Forst- und Landwirtschaft  funktionierte. „Dieser Themen-Wanderweg führt über rund drei Kilometer rund um Lückenburg herum und bringt den Nutzern auf fünf Stationen die Landschaftsentstehung, die naturräumlichen Besonderheiten und geschichtliche Begebenheiten näher“, berichtet Ortsbürgermeister Reiner Roth bei der Eröffnung.

Die Idee dazu entwickelteThomas Müller. Der Forstwirt ließ sich zum Ranger im Nationalpark ausbilden. „Dazu ist eine Fortbildung zum Natur- und Landschaftspfleger notwendig“, erklärt er dem TV. Sein Abschlussreferat stellte das Mitglied im Lückenburger Ortsgemeinderat auch diesem Gremium vor. Der einstimmige Beschluss folgte prompt. Ein 75-prozentiger Zuschuss zu den Kosten von rund 4800 Euro wurde nach einem Antrag, der über die Verbandsgemeinde Thalfang lief, von der LAG Erbeskopf (siehe Info) gewährt. Mitarbeiter des Forstamts Hochwald auf der Burg in Dhronecken bauten die Bänke für die einzelnen Stationen. „In der Ausschreibung lagen sie am günstigsten“, sagt LAG-Geschäftsführer Jens Lauer.

„Die Sache hat sich gelohnt, nicht nur wegen der schönen Landschaft“, freut sich auch der Thalfanger Bürgermeister Marc Hüllenkremer. Es sei für viele, aber vor allem für die junge Generation interessant, wie ihre Vorfahren bis in die 1960er Jahren vom und mit dem Wald gelebt haben.

Für den Wirtschaftsförderer der Verbandsgemeinde, Dr. Josef Adams, ist der neue Weg ein weiterer Baustein im touristischen Angebot. „Das ist nicht nur für Besucher, sondern auch für Einheimische und hier vor allem für Schulklassen interessant“, sagt er. Auch Aktionstage und Workshops seien denkbar.

Thomas Vanck, neuer Leiter des Forstamtes Hochwald, erinnert daran, dass der Mensch bis vor 300 Jahren nicht sonderlich schonend mit dem Wald umgegangen ist: „Erst danach wurde erkannt, dass nicht mehr eingeschlagen werden kann, als nachwächst.“

Die Besonderheit der Niederwald-Bewirtschaftung liegt in der Kombination aus Land- und Forstwirtschaft und der Tatsache, dass Eichen nach ihrer Ernte wieder aus der Wurzel austreiben. So entsteht ein Erntezyklus von nur 20 bis 30 Jahren.

Die  Rinde wurde gebraucht um mit den darin enthaltenen Gerbstoffen Tierhäute beispielsweise zu Treibriemen für Maschinen zu verarbeiten. Lieferanten der Häute war Glan-Vieh – mit einem bundesweiten Bestand von gerade mal 2000 Exemplaren heute eine bedrohte Tierart. 20 davon hält Stefan Thömmes im Bereich des neuen Infoweges, um den Bestand wieder zu verstärken und das Bild der früheren Land- und Forstwirtschaft noch authentischer wirken zu lassen.Heute bestimmen Tannen und Douglasien weite Teile das Bild des Hunsrücks. Sie wachsen schneller als Eichen und liefern dazu mehr Holz für die Sägewerke. Wer sich für den neuen Infoweg interessiert, kann am Lückenburger Bürgerhaus in der Dorfmitte parken. Von dort ist der Weg mit Schildern ausgewiesen, die ein Eichenlaubblatt zeigen. Es ist ein Weg, der in rund zwei Stunden gut zu bewältigen ist und fünf Stationen aufweist.